Ritter Rost als Film Das große Niet- und Nagelfest

Von Rupert Koppold 

Der Blechheld Ritter Rost kommt als 3-D-Animation ins Kino. Das Stuttgarter Studio M.A.R.K.13 hat seine Welt liebevoll detailreich erstehen lassen.

Edelleute von Schrott und Korn made in Stuttgart: Foto: Verleih 5 Bilder
Edelleute von Schrott und Korn made in Stuttgart: Foto: Verleih

Stuttgart - Dieser Ritter Rost mit dem Registrierkassenleib, den gelben Scheinwerferaugen und dem Wetterhahn auf dem Toasterkopf ist eigentlich kein schlechter Kerl. Vielleicht nicht ganz so mutig, wie er selber von sich behauptet. Auch ein bisschen von sich eingenommen. Und egozentrisch natürlich. Wenn er für sein Aufziehschlüsselpferd Feuerstuhl ein Ersatzteil braucht, dann baut er das, ohne zu fragen, aus der Nähmaschine des rothaarigen Burgfräuleins Bö aus. Er will diesmal einfach das große Turnier von Schrottland gewinnen, und da ist ihm fast jedes Mittel recht. Sogar der Kauf eines Rennmotors bei einem Dunkelmann und Schwarzhändler, der sich der Ehrliche Enzo nennt. Das hochfrisierte Teil bringt den Gaul tatsächlich auf Touren, dessen Reiter aber auch bald in Schwierigkeiten.

Die in den früher neunziger Jahren begonnenen Ritter-Rost-Geschichten von Jörg Hilbert (Text und Zeichnungen) und Felix Janosa (Musik) führen gewissermaßen den Triumph des Recyclings vor. Hier wird nichts zum alten Eisen geworfen, hier wird alles in neuen Zusammenhängen und -bauten wiederverwertet und vor allem belebt. Inzwischen haben sich die Erzählungen zu einem Imperium ausgeweitet, und zu den Kinderbüchern mit Musical-CDs, den Hörspielen oder den Kurzfilmen in der „Sendung mit der Maus“ ist nun der erste und von Thomas Bodenstein inszenierte Kinofilm hinzugekommen. „Ritter Rost – Eisenhart und voll verbeult“, so heißt diese deutsche Produktion, in der teils englische Beschriftungen auf internationale Verwertungsabsichten hindeuten.

Alles scheppert und scheuert, bummt und boingt

Das große Niet- und Nagelfest! Das Stuttgarter Animationsstudio M.A.R.K.13 hat die Welt des Ritter Rost liebevoll detailreich in 3-D erstehen lassen. Schrottland präsentiert sich wie ein aus Metallteilen nachgebautes und mit Anachronismen wie Verkehrsampeln oder Luftschiffen voll gestopftes Mittelalter. Da rattert ja nicht nur der Held (gesprochen von Rick Kavanian) auf seinem Feuerstuhl gegen den eitel-intriganten Edelstahlritter Protz (Christoph Maria Herbst) los und spitzt diesen Turnier­widersacher mit mehr Glück als Verstand in den Sand. Da quasselt auch der kleine, grüne Drache Koks im Jugend­jargon („Krass!“) daher und zündelt frech mit seiner Feuerzeugschnauze. Und da wieseln und wuseln Wecker und Kannen und Tassen herum, führen frei laufende Werkzeuge ein Eigenleben, sind sogar Kolbenfresser quirlige Wesen, die ihren Heißhunger am Ende auf der richtigen Seite ausleben. Wie es da klackert und kracht, scheppert und scheuert, bummt und boingt und quietscht!

Auch einige Lieder sind zu hören, neue und alte, darunter auch jenes, das stän­dische Berufsanforderungen formuliert: „Das muss ein Ritter können / Einen Stier verkloppen / einen Löwen foppen . . .“ Ob Ritter Rost das alles kann, ist sehr die Frage. Zunächst mal fällt er sehr tief, wird wegen seines Motors von König Bleifuß nicht nur beim Turnier disqualifiziert, sondern verliert auch noch seinen Titel, ist nun also quasi entrittert. Auch Fräulein Bö sagt sich von ihm los, verlässt seine Eiserne Burg und zieht zum Konkurrenten. Und nun muss der Held sich wirklich läutern und bewähren, etwa in dunklen Gruben gegen einen Drachen kämpfen, dessen zwei Köpfe sich gegenseitig im Ruhrpottdialekt beschimpfen, und am Ende gegen Ritter Protz antreten, diesen arroganten und quasi in Fraktur parlierenden Schurken („Mich dünkt . . .“), der Fräulein Bö gefangen hält.

Die Ausgestaltung bietet auch Erwachsenen einiges

Die Geschichte selbst bleibt bis zum Ende recht einfach und übersichtlich, also kindgerecht. Die optische Ausgestaltung aber, selbst wenn sie nicht mit Hollywoodfilmen wie „Toy Story“ oder „Robots“ konkurrieren kann und will, bietet auch etwas für erwachsene Begleiter. Die können den Film nämlich als spielerisch-nostalgisches Technikmuseum aus vorelektronischen Zeiten besichtigen. Und vielleicht auch die Ironie genießen, dass diese Hommage an die Mechanik am Computer entstanden ist.