Riva in Backnang Firmenchef rechnet mit dem OB ab

Riva-Chef Hermann Püttmer (links) und Backnangs OB Frank Nopper liegen seit längerer Zeit im Streit. Foto: Sandra Brock, Gottfried Stoppel
Riva-Chef Hermann Püttmer (links) und Backnangs OB Frank Nopper liegen seit längerer Zeit im Streit. Foto: Sandra Brock, Gottfried Stoppel

Der Riva-Chef Hermann Püttmer wünscht dem Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper auf der Firmenwebseite alles Gute für die Stuttgarter OB-Wahl. Das ist pure Ironie – was hinter dem Streit steckt:

Rems-Murr: Martin Tschepe (art)

Backnang - Diese beiden Männer werden wohl keine Freunde mehr. Der Disput zwischen dem selbstbewussten Backnanger OB Frank Nopper (CDU) und dem nicht minder charismatischen Chef der Backnanger Fassadenbaufirma Riva, Hermann Püttmer, geht in die nächste Runde. „Glückwunsch, Herr Dr. Nopper. Jetzt wird Ihr Traum wohl wahr: Eine Kandidatur für den Chefsessel im Stuttgarter Rathaus rückt in greifbare Nähe“, schreibt Püttmer in einem Blog-Beitrag auf der Webseite seiner Firma.

Das ist Ironie pur. „Das bisschen Grün sollte für einen Mann Ihres Formats kein Problem sein.“ Gemeint ist ein Stuttgarter OB-Kandidat der Grünen. „Wo Sie doch in Backnang schon eine grandiose Erfolgsspur gelegt haben.“ Das städtebauliche Entwicklungsprojekt Backnang-West glänze „noch immer im Charme eines Nachkriegsviertels. Hut ab!“

Püttmer: Aus für die Klinik war „ersatzlose Glanzleistung“

Den Abriss des Backnanger Kreiskrankenhauses, gegen den Nopper einst vehement gekämpft hatte, nennt Püttmer „eine ersatzlose Glanzleistung“ des OB. Auf der Oberen Walke – einer Brache am Rande der Backnanger Innenstadt – tue sich nichts. Die Wirtschaft, behauptet Püttmer, fördere Nopper „eher nicht“. Baugenehmigungen für mehr als fünf Stockwerke seien nicht die Stärke des Oberbürgermeisters.

Mit dieser Aussage spielt Püttmer auf die geplante Bebauung des Quartiers Backnang-West an – ihm selbst beziehungsweise seiner Firma gehört etwa ein Drittel des rund 15 Hektar großen Areals. Riva hatte für das Grundstück hochfliegende Pläne vorgestellt, inklusive eines etwa 100 Meter hohen Gebäudes. In Backnang sagen indes viele Kommunalpolitiker und Bürger, die Riva-Pläne passten wohl eher nach Chicago.

Für Donnerstag hat die Stadtverwaltung alle Grundstückseigentümer des Gebiets Backnang-West zu einem Gespräch eingeladen. Bei dem Treffen wird es um die Zukunft dieses Projekts gehen, das im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 umgesetzt werden soll. Püttmer sagt dazu lapidar: „Na endlich.“ Und weiter: es dürfe keinesfalls eine „reine Wohnsiedlung mit ein paar Kleinbetrieben“ entstehen, Gebäudehöhen von bis zu 160 Metern müssten zugelassen werden.

Nopper: „Wir wollen hoch hinaus, bleiben aber am Boden“

Frank Nopper sagt, er bleibe trotz der herben Kritik Püttmers gelassen. In Sachen IBA-Projekt Backnang-West rufe er dem 81-jährigen Firmenchef eine Lebensweisheit von Manfred Rommel zu: „Wir wollen hoch hinaus, bleiben aber am Boden.“ Er selbst gehe davon aus, dass die Stadt und die Grundstückseigentümer – inklusive Püttmer – eine „vernünftige Lösung“ für Backnang finden.

In puncto Wirtschaftsförderung erklärt der OB, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in der Stadt habe jetzt erstmals die 15 000er Marke überschritten, „wir kamen von unter 12 000“. Dass er, Nopper, Schuld trage am Aus für die Klinik, sei eine „solitäre Einzelmeinung“. Und dass sich auf der Oberen Walke nichts tue, liege nur am Hochwasserschutz, die Bestimmungen hätten sich geändert. Dieses Projekt werde ganz bestimmt umgesetzt, „das weiß jeder“.

Zu seiner möglichen OB-Kandidatur in Stuttgart „kann und will“ sich Frank Nopper derzeit indes lieber nicht äußern.




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