Die RKH-Klinik in Bietigheim macht derzeit pro Jahr rund 20 Millionen Euro Verlust. Foto: /Werner Kuhnle
Die ins Schlingern geratenen RKH-Klinik in Kreis Ludwigsburg müssen auf Kurs gebracht werden. Dafür gab der Gemeinderat von Bietigheim-Bissingen der neuen der Geschäftsführung nun die nötige Rückendeckung.
Georg Linsenmann
12.04.2025 - 10:00 Uhr
Als Minderheitengesellschafter der in massiver finanzieller Schieflage befindlichen RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH hat die Stadt Bietigheim-Bissingen ein Wörtchen mitzureden, wenn es um deren Zukunft geht. Speziell für den Standort Bietigheim. Deshalb war der neue Geschäftsführer Marc Nickel nun in die aktuelle Sitzung des Gemeinderates geladen, um sich und seinen Plan für den Weg aus der Misere vorzustellen.
Im Kern ging es um nicht weniger als um das Plazet des Gremiums, dass die Kommune in der Gesellschafterversammlung der Unternehmensplanung 2025 zustimmt. Entsprechend gespannt wurden Nickels Ausführungen erwartet.
Zunächst aber wollte Oberbürgermeister Jürgen Kessing noch „ein paar Takte zum Thema sagen“. Dabei umriss er den Spagat, der zu gehen sei „zwischen einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis und einer Krankenhausreform, von der wir noch nicht wissen, wie sie für uns ausgehen wird. Davon hängt dann ab, was wir uns am Ende noch leisten können und auch leisten wollen“, betonte Kessing. Und er erwähnte, dass das letzte Defizit von fast 50 Millionen Euro und die erwarteten weiteren 45 Millionen für dieses Jahr nicht zuletzt „aus Leiharbeit rührt, die von den Kassen nur zur Hälfte erstattet wird.“ Macht einen Batzen von rund 20 Millionen Euro in Jahr. Nickels Aufgabe sei es nun, „uns zu überzeugen, wie wir das in den nächsten Jahren besser machen können“.
Der seit November im Amt befindliche Geschäftsführer sprach sofort Klartext: „Die Zahlen kann man nicht schönreden, es sieht nicht gut aus.“ Dass er der richtige Mann ist, um die Kliniken in die Zukunft zu führen, unterstrich er mit Verweisen auf seine Fachkompetenz. So hatte er sowohl Medizin wie auch Volkswirtschaftslehre studiert und zunächst auch als Mediziner in verschiedenen Kliniken gearbeitet. Der Schwenk ins zweite Standbein hatte zu den Rems-Murr-Kliniken geführt, die er „von 2015 bis 2022 neu ausgerichtet“ habe.
Der RKH-Geschäftsführer Marc Nickel hat im Gemeinderat von Bietigheim-Bisssingen gesprochen. Foto: Gottfried Stoppel (Archiv)
Damit war Nickel schon mitten in seinen Vorstellungen für die hier gestellte Aufgabe: „Wir haben hundert Millionen mehr Umsatz gemacht, neue Mitarbeiter gewonnen, hatten 20 Millionen Ergebnisverbesserung in sieben Jahren.“ Dies sei über eine „sanfte Sanierung“ erfolgt, „mit Wachstum gestemmt worden, und alle Mitarbeiter haben Wort gehalten“. Im Übrigen sei er „gekommen, um zu bleiben“, denn Sanierung und Neuausrichtung der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim sei eine „Mammutaufgabe, die langen Atem, Geradlinigkeit, viel Zeit und viel Rückhalt“ brauche.
Als Nickel die „Ausgangssituation“ beschrieb, dürften angesichts der vom Vorgänger Jörg Martin zu verantwortenden Mängelliste vielen nochmals die Ohren geklingelt haben. Nach dem Kassensturz, so Nickel, sei für viele Bereiche deutlich geworden: „Wir fangen bei Adam und Eva an.“ Nun gelte es, „das Unternehmen mit Besonnenheit und Fingerspitzengefühl wieder auf die Schiene zu bringen“. Wie das gehen soll, skizzierte er mit zahlreichen strategischen Details.
Alfred Theil (CDU) zeigte sich „zuversichtlich, dass „mit dieser Marschroute alles besser wird, es muss besser werden“. Und er betonte: „Wir wollen, wir müssen wachsen.“ Das Ziel sei, den Standort zu stärken und möglichst von der Basisversorgung auf das nächst Level zu kommen, etwa mit der Etablierung einer Abteilung mit Herzkatheter. Man müsse „Gesundheit für Bietigheim ganz großschreiben, damit Bietigheimer nicht mehr nach Heilbronn oder Ludwigsburg ausweichen müssen“.
Thomas Reusch-Frey (SPD) sagte, die genannten „Schritte nach vorne“ seien „richtig und notwendig“. Seine Fraktion stehe zum „Auftrag einer guten medizinischen Versorgung der Bevölkerung in kommunaler Trägerschaft“. Defizite von 40, 50 Millionen Euro seien aber nicht tragbar. Nickel zeige sich als ein Mensch, „der genau hinschaut und die Menschen gewinnen kann“. Skeptisch äußerte sich Reusch-Frey zur Sanierungsfähigkeit des Krankenhausgebäudes. Sinnvoller sei wohl, „etwas auf der freien Fläche zu machen“.
Auch Traute Theurer (GAL) stellte sich hinter Nickels Pläne: „Damit wir aus der prekären Lage herauskommen, müssen wir diesen Weg schnell einschlagen.“ Für die „Abwicklung“ von Vaihingen habe man schon vor zehn Jahren plädiert, und in Marbach sei „jedes Jahr eine neue Sau durchs Dorf getrieben worden, alles für die Katz“. Klar aber sei: „Nur ein betriebswirtschaftlich gesundes Krankenhaus kann langfristig eine gut medizinische Versorgungsqualität bieten.“ Die Zustimmung erfolgte einstimmig.