Gerade einmal 14 Monate ist es her, dass der Landkreis Ludwigsburg und die RKH-Kliniken verkündeten, der Vertrag von Geschäftsführer Jörg Martin sei verlängert worden – bis Ende 2025, mit der Option auf eine Verlängerung um weitere maximal 12 Monate. Nun soll der 66-Jährige, der sowohl die kaufmännische als auch die ärztliche Leitung des Klinikenverbunds innehat, offenbar schon früher gehen.
Eine Münchner Personalberatung wurde damit beauftragt, einen neuen kaufmännischen Geschäftsführer zu suchen, eine weitere Anzeige für einen medizinischen Geschäftsführer soll Ende des Monats geschaltet werden. Ein Termin für den möglichen Stellenantritt wird in der Anzeige nicht genannt. Allerdings teilt das Landratsamt mit, der Aufsichtsrat solle im Mai entscheiden, wer künftig die kaufmännischen Geschäfte leitet, und im Juli, wer für den medizinischen Part den Hut aufhat. Realistisch wäre daher eine Neubesetzung im Herbst dieses Jahres.
Die offizielle Begründung bleibt vage
Noch im Dezember 2022 hatte Landrat Dietmar Allgaier gesagt: „Ich bin froh, dass wir Professor Martin von einer Weiterführung der Geschäftsführung überzeugen konnten. Damit gewährleisten wir eine Kontinuität bei der in den nächsten Jahren anstehenden Weiterentwicklung des Klinikverbunds der RKH Gesundheit hin zu einem modernen, regionalen Gesundheitsanbieter.“ Zudem erklärte der Landrat seinerzeit, den Ausschlag für die Vertragsverlängerung hätten „das riesige Fachwissen und beste Kontakte nach Stuttgart und Berlin“ gegeben, über die Martin verfüge.
Warum jetzt dennoch schon Nachfolger gesucht werden, dazu gibt der Landrat keine Erklärung ab. Aus dem Kreishaus heißt es dazu lediglich, künftig sollten zwei Geschäftsführer die Kliniken leiten. Das jedoch wurde bereits im Dezember letzten Jahres vom Aufsichtsrat beschlossen, ist also nichts Neues. Auch sonst bleibt die offizielle Stellungnahme eher vage: „Diese Neustrukturierung und damit die Nachbesetzung der Stelle von Professor Martin wird frühzeitig in die Wege geleitet, um für die großen Herausforderungen, vor denen die Kliniken im ganzen Land und dementsprechend auch die RKH Regionale Kliniken stehen, personell gut und zukunftsfähig aufgestellt zu sein.“
Übergang soll geordnet verlaufen
Laut Landratsamt hat Martin, der seit Mai 2013 Geschäftsführer der RKH Regionale Kliniken ist, „gegenüber dem Aufsichtsrat signalisiert, dass er einem geordneten Übergang aufgeschlossen gegenübersteht, sobald sich seine Nachfolge abzeichnet.“ Gegenüber dieser Zeitung wollte Martin keinen Kommentar abgeben.
Fest steht: Angesichts der Krankenhausreform befindet sich der RKH-Dampfer mit seinen rund 8000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kreisen Ludwigsburg, Karlsruhe und Enzkreis in extrem unruhigem Fahrwasser. Dazu beigetragen hat, dass an den Kliniken in den vergangenen Monaten einiges nicht so lief, wie es sein sollte. Der jüngste Paukenschlag war die Kündigung der Regionaldirektorin Anne Matros.
Mehrere Aspekte könnten eine Rolle gespielt haben
Nach Informationen dieser Zeitung war sie offenbar die Folge eines seit längerem schwelenden Konfliktes zwischen dem Geschäftsführer Jörg Martin und der zweiten Hierarchie-Ebene im RKH-Konstrukt, der unter anderem Matros angehört. Der Druck, den Martin auf diese zweite Ebene ausübe, sei enorm, war von Insidern zu hören. Schon zuvor war immer wieder Kritik am Führungsstil des Kliniken-Geschäftsführers laut geworden.
Die im Sommer 2022 gestohlenen Coronatests im Wert von mehr als einer Million Euro hingegen hatten zwar für einigen Wirbel gesorgt, Wirtschaftsprüfer hatten aber bei ihrer Untersuchung weder ein Organisationsverschulden noch ein fahrlässiges Verhalten seitens der RKH festgestellt.
Gesucht: Fairer und wertschätzender Umgangsstil
Ein Aspekt bei der Entscheidung, schon jetzt konkret nach Nachfolgern zu suchen, könnte jedoch die Frage des Kliniken-Standortes sein. Martin hatte hier zuletzt die Idee eines zentralen Klinik-Neubaus vorangetrieben. Diese Überlegung hat nicht nur Freunde. Zum einen, weil in den vergangenen Jahren einige Millionen in die bestehenden Standorte investiert wurden und ein Neubau schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro kosten würde. Zum anderen wollen sich weder Ludwigsburg noch Bietigheim ihre Krankenhäuser nehmen lassen, haben jedoch keinen Platz für einen Neubau.
Wie auch immer: Zumindest, was den Führungsstil betrifft, soll sich in Zukunft etwas ändern. Zu den in der Stellenanzeige benannten Aufgaben der neuen kaufmännischen Geschäftsführung gehört ausdrücklich „faire und wertschätzende Führung von Mitarbeitenden sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Regionaldirektoren, dem Aufsichtsrat und allen anderen Stakeholdern.“
Das ist der RKH-Klinikverbund
Bedeutung
Mit sieben Akutkliniken, einer orthopädischen Fachklinik und einer geriatrischen Rehabilitationsklinik ist der Verbund größter Anbieter stationärer Krankenhausleistungen in Baden-Württemberg. Struktur
Die Gesellschafter der RKH Regionale Kliniken Holding und Services GmbH bestehen aus dem Landkreis Ludwigsburg (50 Prozent), dem Landkreis Karlsruhe (22 Prozent), der Stadt Bietigheim-Bissingen (15 Prozent) und dem Enzkreis (13 Prozent). Insgesamt gibt es rund 8000 Beschäftigte und mehr als 2500 Betten an den neun Standorten. Seit Ende des Jahres 2022 firmiert man unter „RKH Gesundheit“.