Robbie Williams in Stuttgart „Stuttgart, das sind doch die mit Mercedes“

Von Jan Ulrich welke 
Sie hatten lange Zeit Probleme mit der Ihnen entgegengebrachten Verehrung und dem übersteigerten Enthusiasmus Ihrer Fans. Hat sich das im Laufe der Jahre geändert?
(zögert sehr lange) Ja, es hat sich da etwas verändert. Ich selber war nie ein großer Konzertgänger – um ehrlich zu sein, fand ich früher viele Konzerte, die ich besuchte, ganz schön langweilig. Ich habe die überbordenden Emotionen vieler Konzertbesucher gerade deshalb nie richtig nachvollziehen können. Wenn das Publikum „It’s amazing“ oder „I ­love you“ schreit, habe ich mich stets gefragt: Warum? Aber ich scheine selbst im Kopf etwas erwachsener geworden zu sein. Mir ist bewusst, dass viele Menschen sich sehr mit dem identifizieren, was ich tue – dafür bin ich sehr dankbar. Und das macht mich auch sehr demütig.
Die Menschen in Stuttgart werden sich jedenfalls freuen. Wissen Sie irgendetwas über die Stadt?
Ja beziehungsweise nein. Ich lerne immer nur Hotels kennen. Aber Stuttgart, das sind doch die mit Mercedes. Ich war da im Museum!
Fantastisch. Bleiben wir doch gerade bei den Fortbewegungsmitteln. Sie reisen natürlich mit einem Privatjet, aber offenbar nicht nur, um mit Ihrer Familie bisweilen heimzufliegen. Ist sie immer dabei?
Ja. Meine zwei kleinen Girls, meine Frau und meine Tochter, sind die ganze Zeit dabei. Und unsere zwei kleinen Hunde. Theodora ist erst zehn Monate alt, aber sie verfügt schon über einen guten Sinn für Humor. Sie weint nicht zu viel, das heiße Wetter setzt ihr nicht allzu sehr zu, sie lacht viel – ich glaube, sie hat eine gute Zeit.
Sie selber haben Ihre Bühnenkarriere im Alter von drei Jahren begonnen. Wäre das auch etwas für Ihre Tochter?
Ich glaube, sie hat ihre Karriere bereits begonnen. Sie weiß, wie man die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich lenkt, und dann fängt sie sogleich an herumzuhampeln. Das muss in den Genen liegen. Ich habe einen neuen Song geschrieben, es ist eine Rohversion, aber wenn der Refrain kommt, noch ganz ohne Begleitband und Musik, dann hebt sie die Hände schon zum Himmel.
Ein Zitat von Ihnen lautet: „Wenn ich auf die Bühne gehe, bin ich der Superheld. Ich bin hundertmal mehr ich selbst als sonst.“ Fühlen Sie sich in dem Moment wie der Größte?
Nein, ich denke oft: Was für ein Würstchen steht denn da. Um Gottes willen. Du solltest etwas weniger Lächerliches machen (lacht). Anderseits bin ich der Chefdrehbuchschreiber der Robbie-Williams-Story. Aber ich bin längst nicht so smart, wie man denken könnte. Was ich mache, lässt mich manchmal selbst verlegen werden.
Was würden Sie denn ernsthaft gerne an sich verbessern?
Ich flicke ja langsam an mir herum. Ich rauche nicht, ich nehme keine Drogen, ich trinke nicht. Außer Antidepressiva finden sich keine Drogen in meinem Blutkreislauf. Ich könnte aufhören, Kaffee zu trinken. Aber das war’s dann auch. Ich fühle mich gut, und wenn es nur noch um Koffein und Zucker geht, dann ist das okay für mich.
Was kommt nach der Tour? Ein neues Album – oder ruhen Sie sich ein paar Jahre aus?
In den nächsten fünf Jahren muss ich mich beschäftigen. Danach müssen wir irgendwo sesshaft werden. Und gute Eltern sein. Wenn sie dann zur Schule geht, nehme ich vielleicht den Fuß vom Gas.
Hat sich durch das Kind viel verändert?
Ich bin jetzt seit einigen Monaten auf Tour. Das kostet mich sehr viel Energie. Ich gehe zu Bett. Ich wache am nächsten Morgen auf und bin total erschöpft. Eigentlich bin ich sogar zu müde, um mit ihr zu spielen. Aber ich kriege nicht genug von ihr. Wenn sie mich morgens anlächelt, ist das die beglückendste Sache, die ich je erlebt habe.
Sie strahlen, wenn Sie über sie sprechen.
Ja, es ist zwar ein altes Klischee, aber diese Liebe ist unzertrennlich. Das muss man erlebt haben.
Sie wünschen sich also weitere Kinder?
Wir probieren es jedenfalls fleißig.