Stuttgart - Nach Jahren wachsenden Erfolgs befindet sich das Robert Bosch Krankenhaus (RBK) in einer Umbruchphase. Die Geburtshilfe am Standort Charlottenhaus musste aufgegeben werden, weil für einen Belegarzt kein Nachfolger gefunden wurde, die Fluktuation in der Pflege war hoch, und auch die Patientenzahlen stagnierten in einigen Bereichen oder sanken sogar leicht. Vor einigen Monaten wurde bekannt, dass das RBK die renommierte Lungenklinik auf der Schillerhöhe in Gerlingen in einigen Jahren auf den Burgholzhof holen wird.
Nun hat die Geschäftsführung des RBK die Pläne vorgestellt, mit denen man die Herausforderungen der Zukunft meistern will. Der Name: Bosch Health Campus. Das zentrale Element ist ein großer Neubau am bestehenden Krankenhaus. Unterkommen sollen darin die Klinik Schillerhöhe, die als Marke erhalten bleibt, die Klinik für geriatrische Rehabilitation, deren jetziges Gebäude weichen muss, und ein neuer Zentral-OP mit 17 Sälen. Dazu kommt ein Neubau für die stationäre Dialyse. In dem Gebäude sollen auch Zimmer für rund 400 Patientenbetten Platz finden, 60 im Reha-Bereich. Der Umzug der Klinik Schillerhöhe ist für Mitte 2024 vorgesehen. Die Gesamtzahl der Betten des RBK von derzeit 1041, davon 214 auf der Schillerhöhe, soll gleich bleiben.
Vier zusätzliche Lehrstühle
Deutlich ausgebaut wird der Forschungsbereich, der getragen wird vom Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT), dem Margarete Fischer-Bosch-Institut für klinische Pharmakologie und vom Centrum für Herz-Kreislauferkrankungen (RBCH). Die Forschungsfläche wird verdoppelt. Für den 25 Millionen teuren Neubau ist die Grube bereits ausgehoben. Über das vorliegende Investitionsprogramm hinaus wird die Robert-Bosch-Stiftung die nächsten Jahre weitere 120 Millionen Euro in die medizinische Forschung am RBK investieren. Zum Lehrstuhl für Pharmakologie kommen vier weitere Stiftungslehrstühle, einer davon zur integrativen Medizin mit der Verbindung von Onkologie und Naturheilkunde.
Dazu werden neue Personalwohnungen am RBK entstehen. Bis zu 440 sollen es dann sein, zurzeit sind es 290. In einer neuen Tiefgarage sollen 326 neue Stellplätze gebaut werden. Bis 2025 werden auf dem Burgholzhof mehr als 600 Millionen Euro investiert. Rund 250 Millionen Euro davon trägt die Robert Bosch Stiftung GmbH.
Kleinere Fachkliniken haben es schwer
Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer, begründet die Integration der Lungenklinik Schillerhöhe damit, dass die älter werdenden Patienten heute häufig an mehreren Erkrankungen litten, man diese deshalb interdisziplinär in einem Haus behandeln müsse. Dies habe Folgen für die Vergütung von medizinischen Leistungen. So habe man wegen neuer Vorgaben kurzfristig ein teures MRT-Gerät für die Schillerhöhe anschaffen müssen, andernfalls hätte sich wegen fehlender Abrechnungsmöglichkeiten Einbußen von fast einer Million Euro pro Monat ergeben. Zusammenlegungen wie am RBK entsprächen dem Willen der Politik. Alscher: „Kleinere Fachkliniken außerhalb von Großkliniken haben es zunehmend schwerer.“ Bis zum Umzug laufe der Betrieb auf der Schillerhöhe ohne Einschränkungen weiter wie bisher. Wie es am dortigen Standort weitergeht, ist offen. Man sei in Gesprächen mit der Deutschen Rentenversicherung, ob dort, vielleicht mit anderen Trägern zusammen, eine Reha-Einrichtung entstehen könnte.
Der neue kaufmännische Geschäftsführer Rolf Zettl, der zuletzt Vorstand des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung war, betonte, die Integration der Lungenklinik werde „die Krebsforschung auf dem Campus stärken“. Der besondere Schwerpunkt am RBK berge ein „großes Innovationspotenzial, das den Patienten unmittelbar zugute kommt“. Forschung und Behandlung sollen noch stärker zusammenrücken.
Bosch-Stiftung engagiert sich stark
Christof Bosch, Enkel des Firmengründers und Vorsitzender des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung, betonte, bei dem Kostenanteil handle es sich um die bisher größte Einzelinvestition der Stiftung. Die Pläne entsprächen auf zeitgemäße Weise dem Willen von Robert Bosch, dass in dem von ihm 1940 gegründeten Krankenhaus eine ganzheitliche Medizin betrieben werde, zu der die Forschung gehöre. Dazu passe auch, dass im RBK die Psychosomatik wie die Rehabilitation der Patienten einen festen Platz habe und die Naturheilkunde in der Krebstherapie berücksichtig werde.