Robert-Bosch-Schule in Stuttgart-Zuffenhausen Firmen wollen sich vor den Chinesen schützen

Von Georg Linsenmann 

Betriebsgeheimnis: Viele Arbeiten können an der Bosch-Schule nicht gezeigt werden.

Vier „frisch gebackene“ junge Techniker, deren Arbeiten gezeigt werden durften, hier von Lehrkräften flankiert (v. l.): Michael Schebesta (Studienrat), André Schmid, Marcel Bürkle, Patrick Isleib und Alexander Kratz sowie Leiter Hans-Jürgen Albrecht. Foto: Georg Linsenmann
Vier „frisch gebackene“ junge Techniker, deren Arbeiten gezeigt werden durften, hier von Lehrkräften flankiert (v. l.): Michael Schebesta (Studienrat), André Schmid, Marcel Bürkle, Patrick Isleib und Alexander Kratz sowie Leiter Hans-Jürgen Albrecht. Foto: Georg Linsenmann

Stuttgart-Zuffenhausen - Vier Tage lang hatten die zwei Techniker-Klassen an der Robert-Bosch-Schule ihren Prüfungsmarathon absolviert, jetzt wirken die 47 Absolventen wieder sehr entspannt, als im Foyer die Präsentation von Abschlussarbeiten ansteht. Dabei war die Auswahl dieses Jahr „besonders schwierig“, wie Hans-Jürgen Albrecht, der Leiter der Techniker-Schule, in seiner Begrüßung sagte. Das liege zum einem an dem „durchgängig hohen Niveau“, zum anderen aber auch an einem Faktor, den er später im Gespräch als „fast ein wenig überschäumend“ bezeichnete: „Nur neun Arbeiten dürfen öffentlich gezeigt werden, alle anderen sind aus Gründen des Betriebsgeheimnisses gesperrt.“ Ein Punkt, für den aber auch sein Kollege Michael Schebesta Verständnis zeigte: „Warum sollen die Firmen den Chinesen ihre Innovationen auf dem Servierteller präsentieren? Das will doch keiner!“

Auf der anderen Seite spiegelt dies aber auch ein Charakteristikum dieser Arbeiten wider: Sie kommen direkt aus der betrieblichen Praxis, in der sie entstanden sind. Und sie dienen alle ganz konkretem Verbesserungsbedarf.

Patrick Isleib etwa hat für die Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten (GWW), die Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht, einen Arbeitsplatz optimiert: mit einer Kamera, welche die Bohrstellen für Werkstücke erkennt und so deren Justierung erheblich erleichtert – zudem den Arbeitsbereich optimiert, etwa mit einer Schwenkwiege. Der Effekt: „Eine enorme Produktionssteigerung und Kostensenkung“, wie Isleib zusammenfasste. Statt 61 beträgt die Taktzeit jetzt nur noch 21 Sekunden.

Ein Beispiel für schwäbischen Tüftler- und Erfindergeist bot Marcel Bürkle, der bei Haimerl Lasertechnik in Leonberg einen „Fixtool“ für das Laser-Schweißen von kubischen Blechteilen entwickelt hat. Module, die kundenspezifisch anpassbar sind. Ein „Highlight“ dabei: eine Art Ballon für die gleichmäßige Kraftverteilung in den eingespannten Blechen: „Etwas Ver­gleichbares habe ich nirgends gefunden“, sagte Bürkle.

Eine selbst gebaute Maschine für die Herstellung von Kontaktlinsen wurde verbessert

Ganz anders geartet dagegen die Arbeit von André Schmid für das Feuerbacher Unternehmen Coperion. Schmid hat an der Optimierung von Schmelzepumpen für den Farbwechsel gearbeitet. Hatte er anfangs noch locker von einem „Fleischwolf“ gesprochen, „in den man oben etwas reinschmeißt und bei dem hinten etwas anderes herauskommt“, so zeigte er dann, was er tatsächlich kann: mit detaillierten Schnitten und präzisen mathematisch-physikalischen Berechnungen aller relevanten Faktoren, über die er „Problemzonen“ definierte. Eine Grundlagenarbeit, der ein Gast „Ingenieursniveau“ bescheinigte.

Ein leuchtendes Beispiel für den Praxisbezug stellte auch die Abschlussarbeit von Alexander Kratz für Teamtechnik Production Technology in Freiberg/Neckar dar. Kratz kommt aus der Firma, hat dort als Anlagenmonteur gearbeitet – und nun eine von ihm selbst gebaute Maschine für die Herstellung von Kontaktlinsen verbessert: „Der Nutzwert der Arbeit rührt nicht zuletzt daher, dass er aus unserer Firma kommt“, sagte der Projektleiter Frank ­Reiers und fügte hinzu: „Aber hier sind alle Arbeiten auf direkte Anwendung kon­zipiert.“

Eine gute Figur hätten auch Karl Klessidis und Bastian Sprau gemacht, deren Arbeit die Schule unbedingt zeigen wollte. Allein Trumpf verweigerte das Einverständnis, die energetische Optimierung einer „Strahlfalle“ für Lasern im Reinraum öffentlich zu machen: Betriebsgeheimnis! Die beiden können es verschmerzen, zumal Trumpf deren Arbeitsverträge für das zehnmonatige Turbo-Lernen nur ruhen ließ, sie dort also direkt weiterschaffen können. Und eines kann ihnen sowieso niemand mehr nehmen, auch irgendwelche Chinesen nicht: Die Arbeit hat eine glatte Eins bekommen.

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