Krimikolumne

Robert Saemann-Ischenko: „So ich dir“ Jagd auf Lukaschenko

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Ein alter Mann, dem Krebstod nahe, will nicht so einfach abtreten. Er plant ein Attentat auf den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko. Doch dafür muss er erst einmal den deutschen Jagdschein machen. „So ich dir“ von Robert Saemann-Ischenko ist ein außergewöhnlich gelungener Thriller.

Herrr und Hund: Robert Saemann-Ischenko mit seinem Willi Foto: privat
Herrr und Hund: Robert Saemann-Ischenko mit seinem Willi Foto: privat

Stuttgart - Was macht ein sterbenskranker, alleinstehender alter Mann in den letzten Monaten seines Lebens? Rasen mähen, ins Bett liegen, auf Weltreise gehen? Oder nicht doch lieber ein Attentat auf, sagen wir, Alexander Lukaschenko verüben, den Präsidenten von Weißrussland? Genau das plant der namenlose alte Mann in Robert Saemann-Ischenkos fulminantem Thriller „So ich dir“.

„Der Mann“ also, Arzt im Ruhestand, erfährt, dass er einen Tumor an der Bauchspeicheldrüse hat. Infaust, wie der Mediziner sagen würde, hoffnungslos. Nach dem ersten Schock besinnt er sich, holt einen Hund aus dem Tierheim und überlegt, womit er sich in seinen letzten Wochen und Monaten beschäftigen könnte. Banales und Gutes schließt er aus, so kommt er fast zwangsläufig aufs Böse. Er will den schnauzbärtigen osteuropäischen Diktator töten – weshalb er ausgerechnet diesen üblen Patron ins Visier nimmt, bleibt zunächst offen.

Sniper in spe

Der Mann informiert sich, wie er in Deutschland rasch und legal an eine Waffe und die entsprechenden Schießkünste kommt. Er meldet sich zu einem Crashkurs für Jäger an, obwohl er die ganze Branche eigentlich von Herzen hasst. In dem Maße, in dem der Körper nachlässt, verfeinert er seine Kenntnisse als Sniper in spe. Ausführlich schildert Saemann-Ischenko, wie es in so einer Jagdschule zugeht, was für Typen da zusammentreffen und welche Telefonbuchinhalte sie nahezu klaglos auswendig lernen, um an den begehrten Jagdschein zu kommen.

Diesen durchaus unterhaltsamen, etwas anekdotisch gehaltenen Strang verknüpft der Erzähler mit den Gräueltaten der Nazis an der Ostfront. Und er verknüpft das ganze mit der ebenfalls historischen Figur des Oberforstmeisters Walter Frevert, der für seinen Herrn, den Reichsjägermeister Göring, buchstäblich über Leichen ging. Nach dem Krieg wurde Frevert Förster in Kaltenbronn, versorgte weiterhin Politprominenz mit Jagdbeute und genoss unter seinesgleichen hohes Ansehen – auch noch lange nach seinem Tod, der wahrscheinlich ein Suizid war, offiziell jedoch als Jagdunfall deklariert wurde.

Spannung bis zu letzten Zeile

Die unsägliche Person Frevert war es im Übrigen, die Saemann-Ischenko auf Weißrussland brachte, wohin sein Mann mit Büchse und Medikamenten aufbricht, um Rache an Lukaschenko zu nehmen. Gradlinig und ohne Ballast treibt der Autor die in naher Zukunft spielende Thrillerhandlung voran, mühelos hält er die Spannung bis zur letzten Zeile. Ob Lukaschenko das überleben wird?

Robert Saemann-Ischenko: „So ich dir“. Thriller, Books on Demand, November 2015. Paperback, 280 Seiten. 9,90 Euro. Auch als E-Book