Robin Dutts Aus beim VfL Bochum Aufrecht gescheitert

Von Gregor Preiß 

Seine anderthalbjährige Amtszeit beim VfL Bochum endete mit einem großen Knall. Warum Robin Dutt nach seiner Entlassung und vor dem Spiel seiner beiden Ex-Clubs am Montag in Stuttgart dennoch total mit sich im Reinen ist.

18 Monate stand Robin Dutt beim VfL Bochum an der Seitenlinie Foto: dpa
18 Monate stand Robin Dutt beim VfL Bochum an der Seitenlinie Foto: dpa

Bochum - Natürlich säße er noch immer gern auf der Trainerbank des VfL Bochum. Vor allem am kommenden Montag. Dann treten die Bochumer um 20.30 Uhr beim VfB Stuttgart an – seinem Ex-Club. Zu denen inzwischen aber auch der VfL gehört. Am Montag wurde Robin Dutt an der Castroper Straße der Stuhl vor die Tür gesetzt. Nach anderthalb unterm Strich erfolgreichen Jahren, die mit einem großen Knall endeten.

„Schade, ich hätte mich natürlich auf das Spiel gefreut“, sagt Dutt, als er sich am Dienstag aus seiner Heimat Leonberg noch einmal auf den Weg ins Revier macht, um sich zu verabschieden. Das Spiel gegen den VfB hätte noch einmal zu einem kleinen Höhepunkt werden können. In Stuttgart, wo er vielen noch immer als ein Gesicht des Abstiegs 2016 gilt. Wo sie ihn am Ende als Totengräber vom Hof jagten, als gescheitert abstempelten. In Bochum feierte Dutt dann so etwas wie eine Auferstehung. Nach einem kurzen Abstecher in die Berater-Szene (E-Sports) rettete der frühere Kickers- und Freiburg-Trainer den Club aus dem Pott erst vor dem Abstieg und führte ihn im darauffolgenden Jahr auf einen soliden elften Platz.

Rücktritt auf Silbertablett serviert

Der 54-Jährige war zurück im Geschäft. Nach am Ende erfolglosen Stationen in Stuttgart, Bremen und Leverkusen hatte er bewiesen, dass er es noch kann. Auch wenn es nur die zweite Liga war. Umso überraschender jetzt der schnelle Fall. Nach nur vier Spieltagen ist Dutt wieder runter vom Karussell.

„Ich bin mit mir absolut im Reinen, Enttäuschung oder gar Verbitterung verspüre ich null komma null,“ beteuert er. Am Samstag hatte sich das noch anders angehört. Nach einer desaströsen ersten Halbzeit beim Spiel gegen Wehen-Wiesbaden und einem 0:3-Pausentrückstand servierte er den überrumpelten VfL-Verantwortlichen seinen Rücktritt auf dem Silbertablett. Weil er nicht warten wollte, bis es ihm an den Kragen geht. Ein Weckruf sollte es sein, die Dinge in einem kriselnden Verein einmal vom anderen Ende her zu denken. Nicht vom Trainer, nicht vom Sportchef her, sondern grundsätzlicher.

Bei seinem Amtsantritt vor 18 Monaten, so gab Dutt zu bedenken, habe er Heidenheims Trainer Frank Schmidt die Hand geschüttelt – Schmidt ist der bis heute einzige noch im Amt befindliche Zweitliga-Trainer. Ein reines „Hire-and-fire-Geschäft“ sei der Fußball geworden, bedauert Dutt, „es geht längst nicht mehr um sachorientiertes Handeln.“

Dutts Weckruf verhallte

Doch Dutts Weckruf verhallte. Mehr noch: Er schleuderte mit voller Wucht zurück. Am Montag wurde Dutt entlassen. Ohne Begründung. Dafür hatte es die Pressemitteilung in sich. Seine zuvor von Sportdirektor Sebastian Schindzielorz als ehrenwert ausgelegte Rücktrittsandrohung wurde ihm plötzlich als Autoritätsverlust ausgelegt. Dazu unterstellte man ihm, einen Gesprächstermin mit den Vereinsgremien sausen gelassen zu haben – all das öffentlich, wohlgemerkt.

Dutt lächelt darüber hinweg. Genauso über die Gerüchte einer Spielerrevolte in der Halbzeit des Wiesbaden-Spiels („Völliger Quatsch“). Nach Nachtreten ist ihm nicht zumute. Vielmehr scheint er eine Mauer hinter den Geschehnissen in Bochum hochziehen zu wollen. Und den Gesetzmäßigkeiten der Branche, zu denen er eine Art Hassliebe zu entwickeln scheint. „Im Fußball“, sagt er, „darf man sich über nichts mehr wundern.“ Auch nicht darüber, dass nun Ex-VfB-Coach Hannes Wolf als Nachfolger gehandelt wird.

„Im Fußball darf man sich über nichts mehr wundern“

Der Treppenwitz an der Geschichte: Trotz des schlechten Saisonstarts genoss Dutt in Bochum großes Vertrauen. Bei Fans, aber auch den Vereinsoffiziellen bis hin zum mächtigen Vorstandsvorsitzenden Hans-Peter Villis, dem früheren Chef der EnBW. Ohne seinen Auftritt auf der Pressekonferenz wäre er nicht entlassen worden. Jetzt geht er als aufrecht Gescheiterter. Mit Blick auf das VfB-Spiel am Montag gibt Dutt zu bedenken: „Der VfB hat vor meiner Zeit um die Zugehörigkeit zur Bundesliga gekämpft, er hat während meiner Zeit um die Zugehörigkeit in der Bundesliga gekämpft und kämpft jetzt, um dorthin zurückzukehren.“

Was Dutt damit sagen will: Wer immer nur Trainer und Sportchefs austauscht, macht es sich zu einfach. Siehe Bochum, siehe Stuttgart. Der 54-Jährige wird sich das Spiel auf dem Sofa anschauen und darüber sinnieren, wann und wohin ihn der Weg wohl zurückführt in dieses eigenartige Geschäft.