Stadtbücherei in Ostfildern Neue Mitarbeiterin ist ein Roboter

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Drei Tage lang haben die Bücherei-Mitarbeiterinnen in Ostfildern eine tatkräftige Helferin. Paula, der Serviceroboter, weist Besuchern den rechten Weg zwischen den Bücherregalen.

Der Software-Entwickler Hannes Bachter hat Paula im Vorfeld ihres Einsatzes bei Heike Schepp in der Stadtbücherei Ostfildern  mit den entsprechenden Informationen versorgt. Foto:Ines Rudel Foto:  
Der Software-Entwickler Hannes Bachter hat Paula im Vorfeld ihres Einsatzes bei Heike Schepp in der Stadtbücherei Ostfildern mit den entsprechenden Informationen versorgt. Foto:Ines Rudel

Ostfildern - Paula, der sehnsüchtig erwartete Service-Roboter, hat seinen ersten Arbeitstag in der Bücherei in Ostfildern mit Bravour hinter sich gebracht. Die Hilfskraft, wieder genesen von dem Genickbruch, der ihren eigentlich im Herbst geplanten Einsatz kurzfristig verhindert hatte, hat den Besuchern im Kubino am Donnerstag den rechten Weg durch die Regalreihen gewiesen. Und sie hat allen ihre Freundin vorgestellt. „Ich bringe Dich nun zu meiner Freundin, der Kaffeemaschine“, war einer der Vorschläge, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Lächeln auf das Gesicht des Gegenübers gezaubert haben. Dort, so Paula weiter, gebe es „lecker Kaffee, Tee oder Schokolade“.

Das Kaffee-Gen eingepflanzt

Hannes Bachter, der Software-Entwickler von „Care-o-Bot 4“, so nennen die Techniker die vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut in Zusammenarbeit mit dem Waldenbucher Unternehmen Mojin Robotics entwickelte Roboterplattform, hat Paula nicht nur das Kaffee-Gen eingepflanzt, sondern er hat sie fit gemacht für den dreitägigen Einsatz zwischen den Buchreihen. „Es ist das erste Mal, dass wir einen unserer Roboter in einer Bücherei einsetzen“, sagt Bachter. Paulas fünf Kollegen arbeiten in Elektro-Supermärkten, in einem Museum und in einem Hotel.

Ein Video von Paulas Einsatz gibt’s hier:

„Paula kann eine Bibliothekskraft nicht ersetzen. Eine Bücherei lebt vom menschlichen Kontakt. Aber sie könnte uns den Rücken freihalten für andere Angebote, zum Beispiel in der Leseförderung“, sagt Heike Schepp, die Büchereileiterin, die Paula eigentlich im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Bücherei als Medienwerkstatt“ schon im Herbst nach Ostfildern hatte holen wollen. „Als mittelstädtische öffentliche Bibliothek mit rund 72 000 Medien sind wir eine Kultureinrichtung, die mehr als 100 000 Besucher im Jahr erreicht. Dieser Verantwortung stellen wir uns, indem wir uns mit gesellschaftlichen Themen beschäftigen“, erklärt die Büchereichefin.

Als Pflegeroboter entwickelt

Paula ist ursprünglich entwickelt worden, um Pflegekräften in Heimen zur Hand zu gehen. „Das ist jetzt die vierte Generation, die wir im Einsatz haben“, sagt Hannes Bachter. Der Roboter eigne sich vor allem für einfache Aufgaben. Dazu gehöre es, den Besucher zu den Produkten zu führen – sei es in einem Elektrogroßmarkt oder einer Bücherei. Die Ostfilderner Büchereinutzer können noch an diesem Freitag und Samstag testen, wie sich Paula schlägt. „Ein Dauereinsatz ist aber nicht geplant“, sagt Heike Schepp.

Jetzt noch nicht, aber vielleicht in der Zukunft. Bis dahin hat Bachter seiner Paula sicher auch ein Rechtschreibprogramm implantiert. Dann wären ihre Drähte beim Studium der Ankündigungsplakate bestimmt heißgelaufen – ist doch dort die Rede davon, dass man „äußert angerregt“ mit ihr plaudern könnte.