Stadtkind Stuttgart

Rockabilly-Friseur Mellis Dos‘n‘Dyes zieht um Alles Pomade!

Von Björn Springorum 

Bisher waren Melanie Wurster und ihr Laden an der Nesenbachstraße zu finden. Künftig sorgt der Rockabilly-Friseur Mellis Dos‘n‘Dyes im Stuttgarter Süden für tolle Tollen.

Kann losgehen: Melanie Wurster in ihrem neuen Laden. Foto: Mellis DosnDyes
Kann losgehen: Melanie Wurster in ihrem neuen Laden. Foto: Mellis Dos'n'Dyes

Stuttgart – Refugium der Elvis-Tollen und scharfen Scheitel: Seit 2004 ist der kunterbunte Rock‘n‘Roll-Friseur Mellis Dos‘n‘Dyes ein weithin bekannter Anlaufpunkt für Rocker, Punks, Rockabillys und allerlei schräge Vögel mit Bock auf flotte Frisen. Die letzten Jahre mehr als passend zwischen Lederjacken und Bartkämmen im Retro-Refugium Flaming Star in der Nesenbachstraße zuhause, ist Inhaberin Melanie Wurster mitsamt ihres Ladens jetzt in die Schlosserstraße im Stuttgarter Süden umgezogen. Dort, ein wenig versteckt in einem rekordverdächtig lauschigen Hinterhof, hat sie ihre neue Heimat gefunden.

Möge die Schnibbelei beginnen

„Durch einige Veränderungen bei Flaming Star ergaben sich in meinem Teil der Räumlichkeiten deutlich höhere Kosten als vorher“, nennt sie Gründe für den Umzug. „Weil ich aber nicht unbedingt immer eine Art Untermieter bei mir im Laden wollte, um die Kosten zu decken, entschloss ich mich dazu, mal ganz in Ruhe nach einem neuen Laden Ausschau zu halten, den ich auch allein finanzieren kann.“

Dieser hier im Souterrain eines schönen alten Hauses im Stuttgarter Süden erwies sich als echter Glücksgriff – bezahlbar, in der richtigen Größe, mit entspannten Vermietern. „Zudem hatte ich sofort ein kuscheliges Gefühl hier und mag es eh, nicht direkt an der Straße zu sein.“ Bedauern verspürt sie deswegen nicht: „Zeiten ändern sich, jeder entwickelt sich weiter.“ Die Sorge, dass der Laden zu klein sein könnte, hat sich auch längst verflüchtigt, im Grunde hat das ganze Interieur samt trashig-coolem Mobiliar und einem ganzen Regal voller Elvis-Pomade seinen Weg in die Schlosserstraße gefunden. Fehlten in den letzten Tagen eigentlich nur noch die Kunden.

Club der guten Herzen

Die finden sich offiziell seit dem 27. Januar in der neuen Adresse ein. Überwiegend sind es Stammkunden (und darunter überwiegend Männlein), weswegen Melli auch keine Sorge hatte, dass die plötzlich nicht mehr den Weg zu ihr finden werden. Laufkundschaft spielte schon früher nicht die allergrößte Rolle – zudem sowohl sie als auch ihre treue Mitarbeiterin Jeanette mehr oder minder bis zur Oberkante ausgebucht sind. „Meine Kunden sind mir überall hin gefolgt“, erzählt sie ein wenig stolz und grinst. „Die Mutter meines ersten Freundes kommt immer noch alle sechs Wochen aus Sindelfingen und lässt sich bei mir die Haare schneiden – mit 68!“

Zu einer bestimmten Szene will Melli mit ihrem Laden deswegen auch gar nicht gehören. Zwar machen ihr Look, ihre Tattoos oder ihre Vorliebe für Drei-Akkord-Schrammelrock kein Geheimnis daraus, aus welcher Ecke sie persönlich kommt; elitäres Gehabe oder das Schmoren im eigenen Szene-Saft kommen für sie deswegen noch lange nicht in Frage. „Natürlich verpassen wir vielen Rockabilly-Typen ihren Look, aber eben auch einer alten Dame, die S-21-Gegnerin ist und mit Rockabilly oder Punk so gar nichts am Hut hat.“ Melli ist es egal, wem sie die Haare schneidet oder die Glatze bohnert – Hauptsache die Person darunter ist nicht rechter Gesinnung und hat ein gutes Herz.

Der Kreis schließt sich

Damit teilt sie auch die Philosophie von Kathi und Roman Bretsch, die nur wenige Häuser weiter ihren veganen Imbiss Super Jami betreiben – und enge Freunde von Wurster sind. Überhaupt ist dieser neue Laden wie ein Nachhausekommen für die Rock‘n‘Roll-Schnibblerin. „Ich wohne auch im Lehenviertel und finde es wunderbar gemütlich hier. Witzigerweise habe ich mit 21 das erste Mal bei einem Stuttgarter Friseur gearbeitet – und zwar hier am Österreichischen Platz.“ Das ist einige Jährchen hier, jetzt schließt sich sozusagen ein Kreis.

Freitags und samstags wird im Raum nebenan zusätzlich auch Tätowierer Kai Georgiadis (I can barely draw) sein Handwerk ausüben, vorstellbar wäre für Wurster irgendwann vielleicht auch jemand für eine ordentliche Nassrasur. Aber das eilt nicht. Überstürzt wird hier in Mellis Dos‘n‘Dyes nämlich nichts. „Wenn es passiert, passiert es“, sagt sie mit Zen-gleicher Gelassenheit. Und die ist wahrscheinlich auch das Geheimnis ihres Erfolgs.

www.facebook.com/mellisdosndyes