Rockband aus dem Schwarzwald Hauptsach’ alemannisch

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Wer auf ihren Konzerten kein Wort versteht, ist wahrscheinlich nicht allein damit - denn die Musiker von "Luddi" singen Alemannisch.

Das Cover der neuen CD zeigt „Luddi“ im rotglänzenden Anzug. Foto: Siebold
Das Cover der neuen CD zeigt „Luddi“ im rotglänzenden Anzug. Foto: Siebold

Birkendorf/Schwarzwald - Als Rockband zehn Jahre in gleicher Besetzung zu spielen, ist für sich schon eine Leistung. Dabei immer erfolgreicher geworden zu sein, ist noch schöner. Und das mit einem Gesang, der für viele Ohren einfach nicht zu verstehen ist: Luddi spielt und singt Alemannenrock. Zwei Brüder und ihre drei Freunde aus Birkendorf, einem Schwarzwalddörfchen im Landkreis Waldshut, haben sich vor zehn Jahren zusammengetan und beschlossen, Musik nicht mehr mit englischer, sondern in ihrer Muttersprache zu begleiten. Birkendorf nahe Bonndorf gehört zur 5000 Einwohner zählenden Gemeinde Ühlingen-Birkendorf und liegt 15 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt. Das freilich hört man deutlich an der Sprache: Zum Schrank etwa „segge“ (also sagen) die beiden Brüder Manuel (39) und Christoph (43) Dörflinger „Schrankch“. Aus praktisch jedem „ka“ wird bei ihnen ein hartes „ch“, wie es eben nur die südlichen Hochalemannen sprechen, die Flachländler nördlich von Freiburg tun das nicht.

Alemannisch singen heißt, dass die Auftritte vorwiegend in Südbaden stattfinden. „In Württemberg geht’s auch“, sagt Manuel Dörflinger, der beruflich in Stuttgart zu tun hat, er ist Eventmanager beim Südwestrundfunk. „Man darf sich nicht darauf versteifen, die Texte beim Konzert sofort verstehen zu wollen“, sagt der Rhythmusgitarrist, „das funktioniert ja auch bei den englischen Texten nicht“. Auch nicht bei den Kölsch-Rockern von Bap, auch deren Texte muss man nachlesen. Luddi macht zu den unterhaltsamen, aber auch tiefer schürfenden Liedern eine flotte Musik, die von allen möglichen Stilarten geprägt ist. Manchmal hört man ein wenig Stones, zuweilen Eric Clapton heraus, mal etwas Element of Crime, viel Funk und viel sauber gestalteten Rock. Trompete, Saxophon und Posaune sorgen für Brass-Klänge.

Luddi ist eine Amateurband, aber musikalisch und textstilistisch auf professionellem Niveau. Kein wummernder Krautrock, sondern auch mal folkloristische Einlagen, getragene Balladen ohne Jammerton. Auch die Bühnenshow in neuerdings roten Glitzersakkos ist dynamisch und witzig. Ob sie einen Regisseur oder Choreografen haben? „Wozu? Wir sind selber verrückt genug“, sagt Manuel Dörflinger, der auf der Bühne mit seinem Bruder Christoph um die Rolle als Rampensau wetteifert. Der Ältere ist im Berufsleben Straßenbauingenieur.

„Mer werde halt au älter“

Die fünf Schwarzwaldbuben kennen sich alle seit der Kindheit. Sie haben in der Trachtenkapelle Birkendorf ihre ersten Töne geblasen und sind nach Lehr- und Wanderjahren samt und sonders wieder heim auf den „Wald“ gekommen. Sie haben ganz normale Berufe und Familien, aber genug Lust und Zeit, als „Luddi“ durchs Land zu fahren und mit hörbarer Spielfreude ihren Fans einzuheizen. Zu den Fünfen stoßen, je nachdem, wer Zeit hat, noch ein Bassist oder auch mal eine Sängerin. Der alemannische Bandname Luddi ist eine mehrschichtige Titulierung. Ein Luddi kann ein Luftikus, ein Lümmel oder auch ein etwas verlotterter Tagträumer sein. Je nachdem, wen man so bezeichnet. Doch die Luddi-Band ist weder verlottert, noch lümmelhaft, sie greift in ihren selbst komponierten und selbst getexteten Liedern Alltagssorgen und –themen auf.

Nicht bierernst, auch wenn es um Anspielungen um ein bekanntes Bier in der Gegend geht, sie gibt gerne auch mal einem Kalauer die Ehre. Das Lied „Rothausland“ ist ein Mitsing-Song auf ihrer neuen, mittlerweile vierten CD, er handelt von dem Landstrich am Schwarzwaldsüdhang – wo ein „Kaubeu us em Schwarzwald“, ein „Kaugörl für de Hushalt“ sucht. Das muss man hören, um zu erkennen, dass dahinter mehr als nur ein Geläster über eine Privat-TV-Serie steht. Auf der neuen CD „Hauptsach gsund“ sind die Lieder merklich ernster. „Mer werde halt au älter“, sinniert Manuel Dörflinger. Es sterben gute Freunde viel zu früh – der befreundete Liedermacher Gero Herr etwa – und von der ungetrübten Idylle auf dem Land kann keine Rede sein. „Wenn dä letschte Buur si Milch in Gully kippt/well mer em für sie Arbeit kein Loh me git“ – was dann? Dann ist es so weit, dass man „ins Wellnesscenter goht schtatt in de Wald“. Und keine „Heigeiß“, kein Heuerntefest mehr feiert. Jo Herrschaftssache, das wär‘ jo wirklich sauschad‘.