Rockmusik aus dem Kreis Böblingen „Ein klarer Gegenentwurf zu Heisskalt“

Marius Bornmann ist jetzt auf Solopfaden unterwegs. Foto: Viktor Schanz

Der Schönaicher Schlagzeuger Marius Bornmann (30) hat zuletzt vier eigene Popsongs veröffentlicht. Seine Band Heisskalt, die bundesweit erfolgreich war, liegt derzeit auf Eis.

Schönaich/Stuttgart - Marius Bornmann ist in der Rockmusik-Szene als Schlagzeuger der Band Heisskalt bekannt. Die Gruppe aus dem Kreis Böblingen hat sich bundesweit eine große Fangemeinde erspielt und ist auf allen bedeutenden Festivals aufgetreten. Seit geraumer Zeit pausiert die Band, die Mitglieder widmen sich verstärkt Soloprojekten. Marius Bornmann hat in den vergangenen Monaten vier Songs veröffentlicht, die er nicht nur produziert hat, sondern auf denen der 30-Jährige auch singt.

 

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Hallo Marius, die Band Heisskalt hat viele Jahre ihren Alltag bestimmt, jetzt haben Sie allein Songs herausgegeben? Warum? Wir fühlt sich das an?

Bei Heisskalt war wie bei vielen anderen Bands auch ab März 2020 einfach Pause, aber mir war klar, dass ich unbedingt weitermachen und die Gelegenheit nutzen will, mal etwas anderes zu machen als Heisskalt. Auch in dem Sinne, dass ich mal alleine arbeiten wollte und nicht nur im Bandkontext. Und genauso fühlt sich das auch grade an. Erst mal natürlich ganz toll, alleine etwas auf die Beine zu stellen und das nicht mit anderen Bandkollegen noch absprechen zu müssen. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch sehr, sehr anstrengend, wenn man alles selber machen muss. Man vermisst die anderen dann doch auch recht schnell. Das ist ja aber auch mal ganz schön.

Wo verorten Sie die Musik, die Sie Solo gemacht haben – gerade im Vergleich zu Heisskalt?

Also die ersten vier Songs waren jetzt erst mal ein ganz klarer Gegenentwurf zu Heisskalt. Ich musste mich da, glaube ich, selbst ein bisschen ins Gleichgewicht bringen. Und so sind die Songs statt düster, schwer und traurig eher fröhlich und poppig geworden und aus dem Bauch heraus geschrieben.

Schreiben Schlagzeuger andere Songs als Gitarristen oder Pianisten?

Ich glaube, das kann man nicht verallgemeinern. Also bei mir beispielsweise spielt das Schlagzeug beim Songwriting zunächst überhaupt keine Rolle, sondern ich bin eigentlich froh, mich auch mal auf andere Sachen konzentrieren zu dürfen. Bei anderen Schlagzeugern kann das aber natürlich ganz anders sein.

Wollen Sie mit dem Soloprojekt live spielen? Ist das derzeit möglich?

Bisher hab ich’s ein bisschen genossen, mir da nicht allzu viele Gedanken drüber machen zu müssen, weil es einfach überhaupt nicht möglich war. Aber zuletzt haben ja hier und da wieder die ersten Konzerte und Touren stattgefunden, und ich mache mir natürlich auch meine Gedanken, wie es weitergeht. Wie das dann allerdings genau aussieht, ob ganz solo oder mit Live-Band vielleicht, das weiß ich grad noch überhaupt gar nicht. Lust hätt’ ich auf jeden Fall, früher oder später. Jetzt muss man aber eh erst einmal abwarten, wie es mit Corona weitergeht.

Heisskalt liegt auf Eis. Warum?

Also da ist bei uns einiges zusammengekommen. Erst mal wollten wir Anfang 2020 ja gerade erst aus einer Band-Pause herauskommen, die wir wegen Krankheit und Verletzung eingelegt hatten, und dann hat uns Corona natürlich komplett wieder den Wind aus den Segeln genommen. Und anstatt unsere Tour, die angestanden hätte, fünfmal um ein halbes Jahr zu verschieben, haben wir das Projekt erst mal komplett auf Eis gelegt, und jeder konnte sich ein bisschen um sich selbst kümmern. Ob oder wie es dann weitergeht, das wird die Zukunft zeigen.

Hat Corona nur Kultur kaputtgemacht oder gibt es auch etwas Positives?

Ich glaube nicht, dass Corona die Kultur kaputtgemacht hat. Mit Sicherheit sind viele Kulturschaffende durch ziemlich schwere Zeiten gegangen und ganz bestimmt hat sich einiges verändert. Ich beobachte zurzeit viele Trends, die in den letzten eineinhalb Jahren vorangetrieben wurden, die wahrscheinlich ohne Corona nicht im selben Maße vorangetrieben worden wären. Dazu gehören viele Internetphänomene wie zum Beispiel der Hype um NFTs („Non Fungible Tokens“ – digitale Objekte, die technisch einem einzelnen Besitzer zugeordnet werden können; Anm. d. Red.)oder Abo-Modelle, wo es gerade Künstlern möglich ist, auch ohne Konzerte ein regelmäßiges Einkommen zu generieren.

Und im Bereich der Live-Konzerte?

Interessant wird es, wenn Konzerte wirklich wieder losgehen. Denn ich persönlich habe schon von genug Menschen aus der Branche gehört, die vor 2020 hinter der Bühne gearbeitet hatten, sich aber in der Corona-Zeit komplett umorientiert und die Branche gewechselt haben. Ich bin gespannt, ob es da genau so weitergehen kann wie zuvor, oder ob es es erst mal eine Zeit braucht, bis sich alles wieder eingependelt hat.

Sie wohnen in Stuttgart, stammen aber aus Schönaich. Wie oft sind sie dort?

Meine Eltern wohnen noch in Schönaich, und natürlich besuche ich die regelmäßig. Da die Strecke von Stuttgart nach Schönaich zuletzt eine schöne Baustelle hatte, durfte ich auch immer noch einen großen Schlenker durch Böblingen durchfahren und mir die Baustellen dort anschauen. Die kenn ich aber natürlich auch schon von Stuttgart in der Form. Da haben wir auch viele tolle Baustellen.

Marius Bornmann und Heisskalt

Musikerfamilie
In der Schönaicher Familie Bornmann spielen Musik und Theater eine große Rolle. Die Eltern Johannes und Sabine sind studierte Musiker und betreiben einen Verlag für Noten, Mutter Sabine wirkt zudem beim Böblinger DAT-Theater mit. Auch die Geschwister sind musikalisch aktiv, Schwester Viola zum Beispiel hat Gesang studiert. Marius Bornmann lernte von Kindesbeinen an Schlagzeugspielen. Er war Bundessieger bei „Jugend musiziert“ und spielte am Böblinger Albert-Einstein-Gymnasium in der Bigband.

Durch die Decke
2011 gründen Marius Bornmann, Mathias Bloech (Öschelbronn), Philipp Koch und Lucas Mayer (beide Maichingen) die Band Heisskalt. In kürzester Zeit sorgt das Quartett mit seiner druckvoll-düsteren Rockmusik für Furore. Neben deutschlandweiten Tourneen stehen regelmäßig Auftritte bei „Rock am Ring“ oder dem „Southside Festival“ an. 2016 verlässt Mayer die Band, ab Ende 2018 legt Heisskalt wegen einer Schulterverletzung von Gitarrist Philipp Koch eine Pause ein. Seit Beginn der Corona-Pandemie liegt die Band auf Eis.

30 Tage auf Tour Schlagzeuger Marius Bornmann beginnt 2020 an eigenen Songs zu arbeiten. Im Juni 2021 veröffentlicht er das amüsant-hintergründige Musikvideo „30 Tage auf Tour“, das am und im Stuttgarter Wizemann aufgenommen wurde. Es folgen die Stücke „Für immer hier drin“ (mit Video) sowie „Alles neu“ und „Ich seh Dich“. Alle Songs als EP sind auf auf allen gängigen Streaming-Diensten im Internet erhältlich.

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