Rockmusiker Pawel Kukiz Polens neue Wutbürger

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Vor Kurzem sang er von „Blut und Ehre“ und machte mit dem antideutschen Song „Heil Stajnbach“ im Internet Furore. Nun hat Polens bekannter Rockmusiker Pawel Kukiz eine eigene Oppositionsbewegung gegründet.

In Warschau wächst der Unmut über die Politik. Foto: dpa
In Warschau wächst der Unmut über die Politik. Foto: dpa

Stuttgart - Vor Kurzem sang er von „Blut und Ehre“ und machte mit dem antideutschen Song „Heil Stajnbach“ im Internet Furore. Nun hat Polens bekannter Rockmusiker Pawel Kukiz eine eigene Oppositionsbewegung gegründet. Ausgerechnet auf dem Gelände der einstigen Danziger Leninwerft versammelten sich Bürgerinitiativen und die einst mächtige Gewerkschaft Solidarnosc. Kukiz und der Gewerkschafter Piotr Duda träumen von einer Umgestaltung der politischen Landschaft.

Der Schlesier Duda steht seit zwei Jahren der heutigen Solidarnosc vor, die längst nicht mehr zehn Millionen Mitglieder wie 1981 zählt. Kukiz hat sich vom witzigen Punkrocker immer mehr zum teils rechtsextremen Rockbarden hinbewegt. Die beiden ungleichen Partner sind Paten der „Plattform der Empörten“, die die rechtsliberale Regierung unter Donald Tusk stürzen will. Polen, so Kukiz, müsse endlich von der Knechtschaft der Partei- und Klaninteressen befreit werden. In den jüngsten Umfragen kann die neue Bewegung mit bis zu zehn Prozent der Stimmen rechnen.

Entfremdung der Polen von der Parlaments- und Parteienpolitik

Die neue Plattform kommt der wachsenden Entfremdung der Polen von der Parlaments- und Parteienpolitik entgegen. Ein Meinungsforschungsinstitut ermittelte Ende März, dass nur 14 Prozent der Polen die Arbeit des Sejm, der Großen Kammer, gutheißen. Fast drei Viertel der Bürger beurteilten sie dagegen als schlecht. Immer mehr Polen haben auch den ewigen Zwist zwischen Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski und Tusk satt. Zu der allgemeinen Ernüchterung trägt bei, dass Regierungschef Tusk in seiner zweiten Amtszeit bis jetzt eine schwache Figur macht. Auch Kaczynskis Weltverschwörungstheorien zum Flugzeugabsturz von Smolensk im April 2010 interessieren immer weniger Polen.

Dazu kommt die schlechte Wirtschaftslage. Die Arbeitslosigkeit ist auf die Rekordmarke von 14,6 Prozent geklettert, Wachstumsprognosen müssen immer weiter nach unten korrigiert werden. Eine erste Feuerprobe haben Duda und Kukiz inzwischen in Schlesien bestanden, wo sie kurz vor Ostern einen Generalstreik ausriefen, dem immerhin 100 000 Beschäftigte folgten. Allerdings: noch sitzt die Regierung Tusk fest im Sattel.