Der Schlagzeuger darf ausnahmsweise vorne sitzen. Paul Jacot dirigiert eine Rockband, und das Publikum kann vermutlich jedes Lied mitsingen: An diesem Donnerstag, 31. Oktober, ist beim Konzert des Musikvereins Wernau in der Stadthalle einiges anders als gewohnt. Mit „Sounds of Rock“ hat die Stadtkapelle ein ungewöhnliches und herausforderndes Projekt angepackt. Unterstützt wird sie dabei von Profi-Musikern, die man kennt.
Ab und zu mal eine Herausforderung darf schon sein. „Das hilft, die Dynamik im Verein zu behalten“, sagt Karsten Kabitschke, der Vorsitzende des Musikvereins. Es soll ja auch nicht allzu routiniert zugehen bei der Stadtkapelle, die bei Wettbewerben mit anspruchsvoller konzertanter Blasmusik antritt.
Rock- und Pop-Hits zu spielen, sei „schon was Besonderes, was man sonst in der sinfonischen Blasmusik nicht so gewohnt ist“, stellt Benjamin Frey, der stellvertretende Vorsitzende, fest. Das hat Gründe, die unter anderem in den Tonarten liegen. Dieses Mal habe man mit „deutlich mehr Kreuzvorzeichen“, also Halbtönen, zu tun, sagt Paul Jacot, der musikalische Leiter der Stadtkapelle. Er hat einiges neu arrangiert, anderes in der Original-Tonart belassen.
Das Konzert wird professionell aufgezeichnet
Auch technisch sind bei diesem Konzert hohe Hürden zu nehmen, schon deshalb, weil eine Rockband mit E-Bass, Gitarre und Keyboard mitwirkt. Ebenso sind ein Sänger und eine Sängerin dabei: Robin Henderson, Frontmann der bekannten Party-Band Hofbräu Regiment, und Emily Volt, die extra aus England anreist. Die elektrische Verstärkung der Gäste bringt es mit sich, dass auch das Blasorchester verstärkt werden muss – andernfalls würde es untergehen, erklärt Paul Jacot. So wird jedes einzelne Blasinstrument „mikrofoniert“, und zwei Tonmeister im Saal haben eine Menge zu tun.
Weitere technische Profis sind vor Ort, zudem wird das Konzert professionell aufgezeichnet. „Der technische Aufwand geht weit über das Maß hinaus, das wir sonst haben“, sagt Karsten Kabitschke; schon seit diesem Montag laufen die Vorbereitungen in der Stadthalle für das Konzert am Donnerstagabend, das nach aktuellem Stand nur ein einziges Mal gespielt wird.
Die Wernauer Stadthalle ist dabei nicht bestuhlt, was beim Musikverein ebenfalls nur selten vorkommt. Denn es darf diesmal ausdrücklich gesungen und getanzt werden. „Es soll schon Stimmung in die Halle kommen“, sagt Karsten Kabitschke. Er geht davon aus, „dass das Publikum jedes Stück mitsingen kann.“
Auf dem Programm steht „It’s my life“ von Bon Jovi ebenso wie „Bohemian Rhapsody“ von Queen, Deep Purple ebenso wie John Miles, Tina Turner oder die Toten Hosen. Manches ließ sich leicht umsetzen, anderes war anspruchsvoller. Aber, sagt Jacot, „ich weiß ja, was das Orchester kann“.
Die bekannten Hits zu interpretieren, habe jedenfalls großen Spaß gemacht, generationenübergreifend, bestätigen Kabitschke und Frey: „Das war ein ganz tolles, neues Erlebnis.“ Aber es war auch eine Doppelbelastung, weil parallel die Literatur fürs Weihnachtskonzert im Dezember einstudiert wurde. Aber fast alle haben beides mitgetragen, mit einigen Ausnahmen, was kein Beinbruch ist – es geht ohnehin eng zu auf der Bühne, obwohl sie erweitert wird: „Die Rockband braucht einfach vorne Platz“, sagt Paul Jacot.
Im Anschluss ans Konzert geht die Party weiter
Dass es sich um ein Ausnahme-Konzert handelt, zeigt sich auch an der Förderung, die die Stadtkapelle für das Projekt erhalten hat. Sie bekam einen knapp fünfstelligen Zuschuss aus dem Amateurmusikfonds des Bundesmusikverbands Chor und Orchester (BMCO). Den kann sie für die notwendige Technik und die vielen Partner, die beteiligt sind, gut gebrauchen. Bürgermeisterin Christiane Krieger sieht in der Förderung einen „Ritterschlag“ für die Stadtkapelle, auf die sie ziemlich stolz ist. Und sie hat schon mal in eine frühe Probe von „Sounds of Rock“ reingehört: „Da war ich schon schwer begeistert.“
Singen und tanzen kann man übrigens nicht nur beim rund zweistündigen Konzert selbst. Im Anschluss geht die Party weiter: Dann wird ein DJ auflegen.
Ultimative Rocknacht in Wernau
Programm
An diesem Donnerstag, 31. Oktober, steigt das Konzert mit Aftershow-Rockparty in der Wernauer Stadthalle. „Sounds of Rock – die ultimative Rocknacht in Wernau“ beginnt um 19 Uhr, Saalöffnung ist bereits um 18 Uhr. Der Musikverein Stadtkapelle Wernau wird bei diesem Konzert von einer Rockband unterstützt, außerdem sind der Sänger Robin Henderson und die Sängerin Emily Volt mit dabei. Anschließend – nach rund zwei Stunden – wird noch ein DJ auflegen.
Karten
Karten im Vorverkauf gibt es über die Website des Musikvereins (www.stadtkapelle-wernau.de) oder in der Dekobox in der Kirchheimer Straße 83. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 12 Euro, an der Abendkasse 15 Euro.