InterviewRodung wegen Asiatischem Laubholzbock Hildrizhausen soll wieder begrünt werden

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Wegen des Asiatischen Laubholzbocks mussten in Hildrizhausen in den letzten Wochen über 600 Gehölze gefällt werden. Betroffene Eigentümer sollen jetzt neue Pflanzen als Entschädigung erhalten.

So sieht er aus, der Asiatische Laubholzbock. Foto: dpa
So sieht er aus, der Asiatische Laubholzbock. Foto: dpa

Hildrizhausen - In den vergangenen Wochen machten Motorsägen Kleinholz aus mehr als 600 Bäumen und Sträuchern in Hildrizhausen. Der Grund war das Auftauchen des Asiatischen Laubholzbockkäfers. Nach dem Abschluss der Arbeiten erhielten betroffene Eigentümer eine „grüne Prämie“ , sagt Bürgermeister Matthias Schöck.

Herr Schöck, wie haben Sie die Reaktion der Bürger auf die Fällaktion wahrgenommen?
Aus meiner Sicht ging das relativ geräuschlos über die Bühne. Natürlich tut es weh, wenn ein Baum oder gar eine e ganze Hecke gefällt werden muss. Aber die betroffenen Bürger haben die Maßnahmen gefasst akzeptiert – auch, weil wir ihnen verdeutlichen konnten, dass sie notwendig sind, um ein weiteres Ausbreiten des Käfers etwa in die Wälder des Schönbuchs zu verhindern.
Sieht man Hildrizhausen die Fällungen an?
Es ist immer mal wieder das Wort Kahlschlag gefallen, da 620 Gehölze gefällt wurden. Darunter fielen aber nicht nur große Bäume, sondern auch viele Sämlinge, die nur wenige Zentimeter hoch waren. Lediglich am Ortsausgang in der Ehninger Straße könnte man vielleicht berechtigterweise von Kahlschlag sprechen, da die dortige Allee gefällt wurde. In den anderen Bereichen der Befallszonen trifft dies aus meiner Sicht jedoch nicht zu.
Wie viele Bürger waren letztlich betroffen?
Am Ende waren es gut 130 Eigentümer, auf deren Gelände Bäume oder Sträucher gefällt werden mussten. Hinzu kommen öffentliche Flächen wie etwa ein Kinderspielplatz der Kommune oder die Allee in der Ehninger Straße. Den Spielplatz werden wir im Frühjahr mit einer Hecke versehen, in der Ehninger Straße steht im Sommer eine Sanierung an, sodass dort erst danach Ersatzpflanzungen vorgenommen werden können.
Wie gehen Sie mit den Eigentümern um?
Wir haben die Bürger angeschrieben und uns für den reibungslosen Ablauf bedankt. Außerdem darf sich jeder, auf dessen Grundstück ein Baum oder ein Strauch gefällt wurde, aus einer Liste einen Baum sowie zwei Sträucher auswählen. Dann wird eine Sammelbestellung vorgenommen. Die Höhe dieser sogenannten grünen Prämie ist für alle gleich und nicht daran gebunden, welche und wie viele Pflanzen auf einem bestimmten Grundstück gefällt wurden. Eine diesbezügliche Unterscheidung wäre schwierig gewesen. Die Kosten für die Prämienzahlung von bis zu 20 000 Euro teilen sich Kommune und Kreis.
Bürgermeister Matthias Schöck Foto: Bongarts
Und wie ist die Resonanz?
Die Rückmeldefrist endet am Freitag. Bisher haben sich schon rund 40 Eigner geäußert. Einige wollen auch auf die Prämie verzichten, weil sie nichts nachpflanzen wollen oder dies lieber aus eigenen Mitteln übernehmen. Insofern wird der Topf vermutlich nicht ganz ausgeschöpft werden.
Haben die Betroffenen keine Sorge, dass die neuen Bäume und Sträucher bald abgeholzt werden müssen, wenn wieder ein Käfer gefunden wird?
Auf unserer Liste stehen nur Pflanzen, die der Laubholzbockkäfer nicht mag. Das sind etwa ein Walnussbaum oder eine Apfelbeere. Selbst, wenn wieder ein Befall festgestellt würde, wären diese Pflanzen nicht von einer Fällung betroffen.
Wie geht es jetzt weiter?
Ein Gebiet von zwei Kilometern rund um die Standorte der befallenen Bäume in Hildrizhausen ist für die nächsten vier Jahre als Quarantänezone ausgewiesen. In dieser Zeit wird der Baum- und Strauchbestand auf einen Laubholzbock-Befall hin untersucht. Wir bitten auch die Bevölkerung, die Augen offen zu halten, denn ein Ausbohrloch des Käfers kann man auch als Laie mit bloßem Auge erkennen. Sollte doch wieder ein Befall entdeckt werden, beginnt die vierjährige Quarantänefrist von neuem. Wir sind aber guter Hoffnung, dass wir den Käfer besiegt haben.