Rodungen in Stuttgart-Zazenhausen Ärger über Kahlschlag am Bahndamm

Beidseitig des Bahndamms wurde Lebensraum für Eidechsen geschaffen. Früher war das Gelände dicht bewaldet. Foto: /privat
Beidseitig des Bahndamms wurde Lebensraum für Eidechsen geschaffen. Früher war das Gelände dicht bewaldet. Foto: /privat

In Zazenhausen sollen am Bahndamm Eidechsen angesiedelt werden. Dafür wurden zahlreiche Bäume gefällt. Der Bürgerverein kritisiert das Vorgehen und die Informationspolitik der Bahn.

Zazenhausen - Am Bahndamm der Eisenbahnstrecke, die durch Zazenhausen führt, werden Mauereidechsen angesiedelt. Damit sich die Reptilien dort wohlfühlen, wurde der Hang beidseitig im Bereich von Vogteiweg/Morellenweg und Landsknechtstraße gerodet. Dabei wurden auch zahlreiche Bäume gefällt. Dieses Vorgehen stößt beim Bürgerverein Zazenhausen auf großes Unverständnis.

„Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Ralf Nieß, dritter Vorsitzender des Bürgervereins. Bereits seit einiger Zeit sei man mit der Bahn in Kontakt. Wenn es überhaupt Informationen gegeben habe, dann nur auf zum Teil mehrmalige Anfragen. Seiner Schätzung nach fielen rund 50 bis 60 Bäume auf einer Strecke von circa 200 Metern Länge der Axt zum Opfer. „Die Bäume boten Schallschutz und Schatten“, sagt Nieß.

Die Reptilien müssen der Interregio-Kurve weichen

Laut der Bahn stehen die Arbeiten in Zusammenhang mit dem Projekt Stuttgart – Ulm, sind also Teil des Großvorhabens Stuttgart 21. Im 16. Planänderungsverfahren sei festgeschrieben, dass auf dem Abschnitt in Zazenhausen ein Mauereidechsenhabitat entstehen soll. Die Kriechtiere müssen dem Bau der Interregio-Kurve weichen, die künftig den Verkehr aus dem Tunnel Untertürkheim sowie Güterverkehr aus Kornwestheim kreuzungsfrei ins Remstal und zurück leitet. Nicht nur in Zazenhausen bekommen Eidechsen eine neue Heimat, in Heslach beispielsweise gibt es eine ähnliche Aktion. Auch dort regt sich Unmut über Art und Weise des Vorgehens der Bahn.

Der Bürgerverein Zazenhausen hat dokumentiert, was vor Ort alles in den vergangenen Monaten und Jahren am Bahndamm geschehen ist: Im Jahr 2018 sei ohne Vorankündigung gerodet worden – da dort stehende Eschen krank gewesen seien. Versehentlich wären aber auch gesunde Bäume gefällt worden. Ein Jahr später habe die Bahn dann erklärt, eine neue Bepflanzung sei nicht vorgesehen, die Natur solle sich frei entfalten. 2020 sei erneut gerodet worden, und zwar von einer Gartenbaufirma aus Nagold. Im Herbst 2020 sei eine Nachrodung durch dieselbe Firma erfolgt. Seitens der Bahn sei mitgeteilt worden, dass die Umsiedlung der Eidechsen bis März 2021 erfolgen werde. „Bis Mitte Februar wurde noch keine Eidechse gesichtet“, sagt Nieß.

Das Habitat soll dauerhaft bestehen

Die Habitate für die Kriechtiere bestehen aus Steinriegeln und Sandflächen. Außerdem kommen Totholz und Wurzeln zum Einsatz. Laut der Bahn wurde das Areal mit einem Zaun eingefasst. So solle verhindert werden, dass die Reptilien ausbüchsen. Das Habitat solle dauerhaft bestehen, die betreffende Fläche werde künftig regelmäßig zurückgeschnitten.

„Gegen das Vorhaben können wir nichts mehr machen“, sagt Nieß. Neben der Informationspolitik kritisiert er vor allem den Umweltaspekt: Zahlreiche Bäume würden gefällt, eine Firma aus Nagold müsse mehrmals nach Zazenhausen fahren, beim Wässern des Areals sei zum Teil ein und dieselbe Stelle mit Wasser regelrecht überflutet worden, während andere Bereiche trocken blieben. „Man hat das Gefühl, dass eine Eidechse mehr zählt als der Mensch“, meint Nieß. Kosten würden in diesem Zusammenhang wohl keinerlei Rolle spielen.

Wie viel Geld in das Projekt gesteckt wird, darüber gibt es seitens der Bahn keine Zahlen. Auch nicht darüber, wie viele Reptilien nach Zazenhausen kommen – es werde „ein flächenorientierter, kein individuenorientierter Ansatz“ verfolgt. Mit der Umsiedlung sei im August vergangenen Jahres begonnen worden, sie solle Mitte 2021 abgeschlossen sein.




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