Römerhaus Walheim Hier werden 2000 Jahre Geschichte greifbar
Anfang Juni war das Römerhaus in Walheim von der Überflutung betroffen. Jetzt öffnet das kleine Museum wieder und die Besucher können das antike Warenhaus erkunden.
Anfang Juni war das Römerhaus in Walheim von der Überflutung betroffen. Jetzt öffnet das kleine Museum wieder und die Besucher können das antike Warenhaus erkunden.
Fast 2000 Jahre hat das Gemäuer überstanden – doch das Hochwasser Anfang Juli 2024 ist nicht spurlos am Römerhaus in Walheim vorübergegangen. Die dunkle Linie, die sich durch den Keller des alten römischen Handelshauses zieht, zeugt von der Restfeuchtigkeit. Sie wird irgendwann verschwunden sein, aber die Risse, die sich stellenweise im opus caementitium auftun, dem antiken Zement, bleiben als Erinnerung wohl erhalten. Als das Wasser kam, spielten sich im Museum, dem sogenannten Römerhaus, dramatische Szenen ab.
Ursula Oswald, die Vorsitzende des Fördervereins, erinnert sich noch lebhaft: „Unser Kassendienst war hier vom Wasser eingeschlossen.“ Gegen die Wassermassen, die durch den Haupteingang geströmt kamen, halfen auch die paar Sandsäcke nicht, die man Richtung Fluss aufgeschichtet hatte. Besucher und Ehrenamtliche konnten sich durch den Hintereingang des Museums retten, während das Wasser immer weiter stieg und den Keller des antiken Gebäudes, der Hauptattraktion des Museums, vollaufen ließ. „Einige Vitrinen wurden damals zerstört“, sagt Ursula Oswald. Personal des Archäologischen Landesmuseums brachte darin befindliche Ausstellungsstücke in Sicherheit. Das Römerhaus ist eine Außenstelle des Museums.
Für das Römerhaus, das in einem städtischen Gebäude untergebracht ist, aber komplett durch einen Förderverein getragen wird, war die Flut ein harter Schlag. „Allein die Vitrinen hatten einen Wert von rund 10 000 Euro“, sagt Oswald. Doch es muss weitergehen – und das tut es auch. Seit Anfang September hat das Römerhaus wieder geöffnet, bis auf einige fehlende Vitrinen erstrahlt es in altem Glanz. „Der Keller ist noch nicht ganz trocken, aber die Restauratoren meinten, eine Schnelltrocknung sei eher schädlich“, sagt Oswald.
Das Römerhaus ist rund um die Reste eines zweistöckigen Gebäudekomplexes gebaut. Um das Jahr 160 n. Chr. hatte hier ein Händler seinen Umschlagplatz. Wer genau er war, wissen wir heute nicht – aber reich, das zeigen die Funde und das große und aufwendige Gebäude, muss er gewesen sein. Walheim war einst eine regelrechte Hochburg der Römer: Sie bauten dort zwei Kastelle. Zu diesen militärischen Einrichtungen kamen im Lauf der Zeit viele zivile Gebäude. „Oft stößt man hier im Ort bei Tiefbauarbeiten auf weitere Funde aus der Römerzeit“, sagt Ursula Oswald. So wie 1980, als das Warenhaus beim Bau einer Neubausiedlung entdeckt wurde. Seit 1991 gibt es hier das Römerhaus – das Gebäude schützt nicht nur die Ruine, sondern auch die anderen Ausstellungsstücke. „Das sind alles Funde hier aus Walheim“, betont Oswald.
Und da gibt es einiges zu entdecken. Etwa die spatha, ein Schwert, wie es von den Legionären verwendet wurde. Oder kunstvoll verziertes Geschirr, das vom Reichtum seines Besitzers zeugt. Oder die kleine bronzene Gladiatorenfigur, von der unklar ist, ob sie als Kerzenhalter diente oder zur Aufbewahrung von Kosmetikgegenständen. Und nicht zuletzt ein rätselhafter Weihestein. Er ist Maesama gewidmet, vermutlich einer lokalen, keltischen Göttin, die ansonsten im ganzen römischen Reich unbekannt war. Sie ist ein Beispiel dafür, dass die Römer auch die Religionen der Unterworfenen bestehen und sogar in die eigene einfließen ließen.
Historische Museen haben es nicht leicht, mit der bunten, schnellen Welt von Tiktok, Instagram und Co. mitzuhalten. Auf neues, junges Publikum sind sie dennoch angewiesen. „Aber auch Erwachsene wollen im Museum weniger lesen als früher“, sagt Oswald. Im Römerhaus hat man sich daher einiges überlegt, um die antike Geschichte lebendig werden zu lassen. Aufwendige, detailreich gestaltete Illustrationen auf den Stellwänden zeigen zum Beispiel, wie das Handelshaus damals ausgesehen haben dürfte. So gab es neben einer großen Warenhalle und einem Lager auch einen Stall – und einen Wohnraum mit Fußbodenheizung, deren Konstruktion ebenfalls noch gut zu erkennen ist.
Ein paar Meter weiter zeigt ein Aufsteller, wie man sich das Innere der Einrichtung vorstellen kann. „Hier hat nicht jedermann eingekauft, sondern eher andere Kaufleute oder die Armee“, sagt Oswald. Eine Art antiker Metro-Großhandel also. Im Sortiment waren vermutlich Baumaterial, aber auch Vieh und Lebensmittel wie Öl oder Wein. Jüngere Besucher können auch den Erlebnissen eines römischen Jungen folgen, um die Geschichte besser zu verstehen. Historie anschaulich vermitteln – das ist gar nicht so leicht. „Wir hatten schon Kinder da, die dachten, die Älteren von uns hätten die Römer noch selbst erlebt“, meint Oswald und lächelt. Jetzt verdeutlicht im Museum ein Maßstab, wie lange die Ära der Römer tatsächlich schon her ist.
Auch beim Förderverein ändern sich die Zeiten: Ursula Oswald hat den Förderverein mit seinen derzeit 65 Mitgliedern rund 20 Jahre lange geleitet. Inzwischen ist sie 70 Jahre alt, sie hört im Oktober auf und gibt den Verein in jüngere Hände. „Meine Nachfolger sind jünger, sie werden auch stärker neue Medien einbinden“, sagt sie. So ist das kleine Museum seit einer Weile auch auf Instagram vertreten.
Museum
Die Saison des Museums geht noch bis Ende Oktober, geöffnet ist immer samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr. Der Eintrittspreis kostet regulär zwei Euro, ermäßigt einen Euro. Kinder unter sechs Jahren dürfen kostenlos ins Römerhaus. Gebuchte Führungen sind auch in der Winterpause möglich – darunter auch spezielle Themenführungen.
Familientag
Das Römerhaus lädt zum Familientag ein am 3. Oktober von 14 bis 18 Uhr. An verschiedenen Stationen werden Handel, Leben, Handwerk und Mode im Alten Rom anschaulich gezeigt. Die Besucher können auch Spiele aus der Antike ausprobieren. Der Eintritt kostet zwei Euro.