Und: Seit die Corona-Auflagen gefallen sind, verlagert sich diese Rofa-Erinnerungskultur aus den digitalen Netzwerken zunehmend in Clubs und Kneipen. In und um Ludwigsburg gibt es mittlerweile mehrere Veranstaltungen, die an Geist und Atmosphäre der Rofa anknüpfen wollen, im Szenejargon: Rockfabrik-Revival-Feten.
Hunderte kommen zu den Revival-Partys
Chris Albrecht, einer der früheren Rockfabrik-Geschäftsführer, hat beispielsweise die „Rockfabrik Memories“-Partys im Palazzo in Freiberg am Neckar mit ins Leben gerufen. Das passe ganz wunderbar, sagt Albrecht. Das Palazzo erinnere mit seiner „Höhlenatmosphäre“ am Eingang, der Lichtanlage, der ganzen Stimmung an die Rockfabrik in der Ludwigsburger Weststadt. Bei den Partys am Ostersonntag und Pfingstmontag seien zu den „Memories“ jeweils 400 bis 500 Leute da gewesen. „Da leben wir ein bisschen Rockfabrik“, ist Albrecht überzeugt. Der nächste Termin steht schon fest: Am 22. August. „Da kann ich auch direkt in meinen Geburtstag reinfeiern“, sagt Albrecht schmunzelnd. Mittlerweile arbeitet er im „Sounds“ in Ludwigsburg – auch hier sind immer wieder ehemalige Rofa-Plattendreher am Werk, in der Szene etwa bekannt als die DJs Jolly, Mörs, Patrick, Stefan, Eddy und Oli. „Best of Rofa- Klassiker aus 36 Jahren“, hieß das Motto dort beispielsweise zuletzt.
Generell spielen die alten Rockfabrik-Disc-Jockeys eine wichtige Rolle dabei, die Rockfabrik nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Eddy Freiberger beispielsweise legt auch bei Albrechts Rockfabrik-Memories auf. Rofa-Atmosphäre gibt es zudem zweimal im Monat im Four Runners in Asperg, das an die ehemaligen „Thank-god-it’s-Friday“-Abende anknüpft. Hier ist Eddy Freiberger ebenfalls mit dabei sowie Oliver Holzhauser. Oliver Holzhauser gehört zu den Gründern der Facebook-Gruppe „Wir bleiben Rofa/The Show must go on!“, einer der wichtigsten Anlaufstellen im Netz für ehemalige Rofa-Gänger. „Die Idee war es, den Rofa-Geist zu erhalten und Infos auszutauschen“, erklärt er. Auch sollten die ehemaligen DJs mit ihren Veranstaltungen promotet und unterstützt werden.
„Die Rofa ist noch immer allgegenwärtig“, betont Oliver Holzhauser. Er selbst fing vor Jahren als „Spüler“ in der Rockfabrik an, wurde später Stagehand und von 2015 an schließlich DJ mit eigener Veranstaltung – den kultig-harten „Break-your-neck“-Feten in Club 2. Die Rockfabrik sei trotz ihrer Schließung bei vielen immer noch aktuell und gegenwärtig, sagt er. „Sie war für so viele ein Zuhause. Der Ort, an dem man sich wohlfühlen und jeder sein wahres Ich zeigen konnte, ohne verurteilt zu werden“, sagt Holzhauser. Er nennt ein eindrückliches Beispiel für lebendige Rofa-Erinnerungskultur: „Ich durfte vor Kurzem auf einer Hochzeit DJ sein, die unter dem Motto ‚Rockfabrik’ stand.“ Da sei auch das Rockfabrik-Buch „Gelebt.Geliebt.Gerockt“, ausgelegt gewesen, in dem sich viele Rofa-Erinnerungen von Gästen und Mitarbeitern wiederfinden.
Indes: Immer wieder gibt es die Frage nach einem neuen Standort. „Ich werde heute noch während des Auflegens nach einer neuen Rofa gefragt und ob wir Infos haben, inwiefern es noch Hoffnung gibt“, berichtet Oliver Holzhauser.
Vor zweineinhalb Jahren wurde die Rofa geschlossen
Zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Rockfabrik geschlossen wurde, weil der Pachtvertrag nicht mehr verlängert wurde. Mittlerweile ist sie zu einer Außenstelle der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen umgebaut. Dennoch stehen auf der Rofa-Internetseite noch heute mutmachend-trotzige Sätze: Es gehe nun „volle Kraft voraus“, um eine „neue Rockfabrik entstehen zu lassen.“ Und wirklich versuchten die Rofa-Betreiber schon kurz nach Schließung und inmitten der Corona-Pandemie, einen neuen Standort zu finden. Motiviert hat sie der große Zuspruch der Fans, die sogar noch im Sommer 2019 eine Demo gegen die Schließung auf die Beine gestellt hatten.
Trotz Hilfsbekundungen aus der Kommunalpolitik fand sich keine passende und bezahlbare Alternativlocation. Dass noch etwas in Sachen „Rofa 2.0“ passiert, ist mittlerweile mehr als unwahrscheinlich, wie Chris Albrecht einräumt. „Ich kann leider wenig Hoffnung machen, dass die Rofa irgendwann wieder eröffnet“, sagt er. „Wir haben die Suche nach einer Immobilie aufgegeben.“