InterviewRoland Emmerich im Gespräch „Die USA sind ein Land der Diebe“

Von Bernd Haasis und  

Roland Emmerich hat den erstmals verliehenen Carl-Laemmle-Produzentenpreis erhalten. Im Interview blickt der Hollywood-Regisseur auf seine Karriere, auf Laemmle, den Schwaben, der einst Hollywood gegründet hat, und auf die USA unter Trump.

Nachdenklich: Roland Emmerich vor einem Bild des schwäbischen Hollywood-Pioniers Carl Laemmle Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Nachdenklich: Roland Emmerich vor einem Bild des schwäbischen Hollywood-Pioniers Carl Laemmle Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Master of Desaster“ war lange Roland Emmerichs Spitzname, weil er gerne Katastrophen ins Bild setzte und in „Independence Day“ das Weiße Haus in Schutt und Asche legte. Im Gespräch blickt er auf seine Karriere, die Bedeutung des Hollywood-Erfinders Carl Laemmle und die Situation in seiner Wahlheimat USA.

Herr Emmerich, die Bedeutung des jüdisch-schwäbischen Auswanderers Carl Laemmle für die Filmgeschichte ist den Deutschen erst spät aufgegangen. Wann haben Sie ihn denn entdeckt, und war er gar eine Art Mutmacher für Sie?
Ich bin relativ früh auf ihn gestoßen und habe ihm mein zweites Drehbuch „Joey“ gewidmet. Das war eher ein Gag, zu sagen: „Dedicated to Carl Laemmle“, Begründer der Universal Studios aus Laupheim. In München, wo ich studiert habe, wurde man als Schwabe belächelt. Da war es eine Genugtuung zu wissen: Hollywood ist gegründet worden von zwei, drei Deutschen, und einer davon war ein Schwabe. Ich habe mich auch sehr schwäbisch gefühlt.
Laemmle gilt als Begründer des Genre-Kinos, das Sie von Anfang an gemacht haben. Haben Sie da eine Verbindung gespürt?
Das ist mir dann auch bewusst geworden. Ich war ja ein bisschen ein Außenseiter in München, der einzige, der richtig Genrekino machen wollte. Das war ungewöhnlich, damals wollte eigentlich jeder der nächste Fassbinder oder Wenders werden, nur ich habe mich völlig anders ausgerichtet
Laemmle fand in Amerika Neuland vor, konnte das Geschäft neu erfinden. Sie dagegen kamen in eine fertige Filmindustrie. Hat Sie das verunsichert?
Ich bin nicht in Deutschland gesessen und habe gesagt: Ich muss nach Hollywood. Aber natürlich habe ich nach meinem Diplomwerk „Das Arche Noah Prinzip“ ab „Joey“ alle Filme auf Englisch gedreht. Ich war oft in Los Angeles, um mich nach Geld umzuschauen. Dann bekam ich irgendwann ein Angebot, das ich nicht abschlagen konnte. Das Budget hat meine Budgets in Deutschland bei weitem übertroffen. Ich habe den Film dann nicht gemacht, aber das war mein Entree nach Los Angeles.
Um welche Größenordnung ging es da?
Das war relativ extrem. Mein letzter Film in Deutschland, „Moon 44“, hat um die sieben Millionen D-Mark gekostet, das waren damals etwa drei oder vier Millionen Dollar. Der Film, den die mir angeboten haben, kostete um die 70 Millionen Dollar.
Sie waren von Anfang an auch Produzent?
Das musste man sein. Ich habe immer versucht, die Kontrolle über alles zu haben, ich bin da schon relativ extrem. Wahrscheinlich hatte ich von der Familie her das Bedürfnis, selbstständig zu sein. Mein Vater und sein Bruder hatten eine eigene Firma gegründet. Mein Vater hat mir auch viel geholfen, von daher war mir immer klar, dass man auch Produzent sein muss. Man schreibt ein Drehbuch, produziert und führt Regie.