Roland Fuhrmann: Kunstwerk für Schorndorf Schwebendes Mobile aus Stäben

Von Annette Clauß 

Zuletzt hat Roland Fuhrmann das Bundesinnenministerium in Berlin verschönt, nun verschafft er dem Schorndorfer Burggymnasium einen bunten Hingucker: Sein Entwurf für das Kunstwerk „in omnes partes“ wird demnächst umgesetzt.

Roland Fuhrmann   bestückt das Atrium des  Burggymnasiums mit bunten, zwei Meter langen  Stäben, die sich drehen. Foto: Gottfried Stoppel
Roland Fuhrmann bestückt das Atrium des Burggymnasiums mit bunten, zwei Meter langen Stäben, die sich drehen. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Ganz schön sportlich, die Aufgabe, die die Schorndorfer Verwaltung vier Kunstschaffenden zur Jahreswende gestellt hat: Binnen acht Wochen sollten sie ein Kunstwerk für das neue Burggymnasium, das derzeit größte Bauprojekt der Stadt, entwerfen. Bevorzugter Platz für die Kunst am Bau war – dem Wunsch der Schule entsprechend – das zehn Meter hohe, in Grau gehaltene Atrium des neuen Gebäudes. „Wir haben den Teilnehmern aber frei gestellt, auch Flure oder den Außenbereich zu nutzen“, sagt Steffen Schultheiß, der Leiter des Fachbereichs Gebäudemanagement. Ein weiteres Kriterium sei gewesen, dass das Kunstwerk wenig Folgekosten erzeugt und im Prinzip wartungsfrei ist.

Letzten Endes haben sich alle Teilnehmer den überdachten Lichthof der Schule vorgenommen. „Die Frage war, wer mit solch einem riesigen Raum umgehen kann“, beschreibt Eberhard Abele vom Schorndorfer Kulturforum die Ausgangssituation. Man habe fleißig Bücher gewälzt und sich Rat eingeholt, etwa von dem in Sachen Kunst und Architektur ausgewiesenen Experten Martin Seidel, der am Donnerstag mit als Fachpreisrichter in der Wettbewerbs-Jury saß.

Vier Künstler angefragt

Aus einer Liste von 22 Kunstschaffenden suchte das Kulturforum schließlich vier Kandidaten aus: Roland Fuhrmann, Robert Barta, das vierköpfige Berliner Künstlerkollektiv „Inges Idee“ und den Schweizer Installationskünstler Thomas Stricker. „Alle sind international tätig“, erklärt Eberhard Abele. Und alle waren bereit, trotz der knappen Zeit mitzumachen. Dass die Jury zum Schluss dennoch nur über drei Entwürfe zu entscheiden hatte, liegt daran, dass Thomas Stricker mangels einer zündenden Idee seine Teilnahme zurückgezogen hat. Während Robert Barta unter dem Titel „Brillante Köpfe“ im Atrium aus Edelstahl geschnittene Silhouetten von 20 Dichtern, Autoren und Naturwissenschaftlern schweben und sich drehen lassen wollte, hat „Inges Idee“ mit „Sender – Empfänger“ eine an einen Satelliten erinnernde Skulptur ausgeheckt.

Die Entscheidung für Roland Fuhrmanns poetische Arbeit „in omnes partes“, zu Deutsch: „in alle Richtungen“, sei einstimmig gefallen, sagt Eberhard Abele, der einer von fünf Fachpreisrichtern war. Das „leichte, originelle Konzept“ habe alle überzeugt: „Es ist genau das Richtige für diesen Ort.“ Roland Fuhrmann, der 1966 in Dresden geboren wurde und inzwischen in Berlin arbeitet, wo er im vergangenen Jahr für das Bundesministerium des Innern die Arbeit „Zusammenhalt“ entworfen hat, hat für das Atrium ein riesiges, buntes Mobile erdacht. Es besteht aus mehreren, rund zwei Meter langen, waagrecht hängenden Aluminiumstäben, die in unterschiedlichen, leuchtenden Farben beschichtet sind und ab einer Höhe von 3,50 Meter auf unterschiedlichen Ebenen an dünnen Stahlseilen im Atrium schweben. Jede Stange ist an einem Ende mit einer Solarzelle versehen, die einen am gegenüberliegenden Ende befestigten kleinen Propeller antreibt. Dieser versetzt den Stab in eine horizontale Drehbewegung, sobald Sonnenlicht durch das Glasdach und auf die Solarzelle fällt.

Immer in Bewegung – auch an trüben Tagen

Doch selbst an trübselig-grauen Tagen wird das schwebende Kunstwerk nicht völlig still stehen, sagt Steffen Schultheiß voraus: „Allein schon durch die Thermik der Fußbodenheizung drehen sich die Stäbe.“ Ende Juli soll Fuhrmanns Werk, für das insgesamt 50 000 Euro veranschlagt sind, im Neubau hängen – rechtzeitig, bevor die Schulgemeinschaft im August einzieht. Eberhard Abele ist froh, dass „in omnes partes“ nach dem Willen der Stadt und des Gemeinderats nur der Anfang ist für weitere Kunstprojekte: „Es freut uns, dass Schorndorf sagt: Wir gehen voran. Sonst ist Kunst am Bau vor allem eine Sache von Großstädten wie Berlin oder München.“