Roland Klinger aus Leonberg Der letzte Dinosaurier am JKG

Von Marie Part 

Roland Klinger hat ganzen Generationen Mathe beigebracht. Seit fast 40 Jahren ist er Lehrer.

„Meine Zeit als Lehrer war und ist eine sehr schöne Zeit“, sagt Roland Klinger. Foto: factum/Bach
„Meine Zeit als Lehrer war und ist eine sehr schöne Zeit“, sagt Roland Klinger. Foto: factum/Bach

Leonberg - Die Schulglocke läutet. Lachend und tobend strömen die Kinder aus den Klassenzimmern. Es ist ein ganz schöner Trubel, bis alle das Schulgebäude verlassen haben. Doch dann ist es plötzlich still und Ruhe kehrt in die sonst so lebenserfüllten Mauern des Johannes-Kepler-Gymnasiums ein. Der Arbeitstag von Roland Klinger geht jetzt zu Ende. Er packt seine Sachen und macht sich auf den Weg nach Hause. Für Klinger ist dieser Ablauf schon längst selbstverständlich geworden. Ganze 40 Jahre lang unterrichtet der Lehrer schon am JKG.

Roland Klinger ist im August 1953 in Wertheim geboren, der nördlichsten Stadt Baden-Württembergs. Dort ist er erst auf die Grundschule Bestenheid gegangen und hat dann das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium besucht. „Nach dem Abitur war ich völlig unentschlossen und wusste nicht, was ich machen sollte. Ich wollte gar nicht unbedingt Lehrer werden. Doch meine Mutter hat mich so lange bearbeitet, bis ich schließlich eingewilligt habe, Biologie und Mathematik auf Gymnasiallehramt zu studieren“, erzählt Klinger. „Das Fach Mathematik war nie wirklich mein Lieblingsfach, aber ich konnte es einfach schon immer“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Dagegen hat die Biologie mich vor allem in der Oberstufe sehr fasziniert.“ 1977 hat Roland Klinger sein Examen gemacht. Doch kurz nach seinem Abschluss kam die Bundeswehr und hat ihn eingezogen. „Sie sind gekommen und haben mich gepackt, damit ich meinen Grundwehrdienst leiste“, sagt Klinger bedauernd.

„Ich hatte Glück“

Nachdem er diesen geleistet hatte, war für Roland Klinger klar, dass er endlich wieder an einer Schule unterrichten wollte. „Als ich mich auf die Stelle als Lehrer beworben habe, durfte ich drei Städte angeben. Meine ersten beiden Präferenzen waren die damaligen Hits Heidelberg und Freiburg. Stuttgart war nur meine dritte Wahl.“ Tja, und so kam dann die Zusage vom JKG in Leonberg. Im September 1980 durfte er anfangen. „Mir wurde erst im Nachhinein klar, was für ein Glück ich hatte.“ Die Schülerzahl sank damals drastisch, es wurden viel weniger Lehrer gebraucht. „Nach mir wurde niemand mehr eingestellt. Das macht mich jetzt zum letzten Dino im JKG“, sagt Roland Klinger mit einem breiten Grinsen.

Doch schnell wird der Lehrer wieder ernst und sagt: „Das, was damals passiert ist, wird jetzt zu einem großen Problem. Viele sehr gute Referendare wurden davon abgehalten, Lehrer zu werden und jetzt gibt es eine Lücke.“

Ein holpriger Start

Weiterhin erzählt er: „Das erste Jahr als Lehrer war sehr holprig für mich. Denn nach der Zeit bei der Bundeswehr war ich nicht mehr gewohnt, strukturiert zu arbeiten.“ Zum Glück ging es danach wieder bergauf. „1983 bin ich in die Arbeit der Rektoratsassistenz eingestiegen und habe damit angefangen, die Stundenpläne zu konzipieren. Zwei Jahre später hatte ich das Amt vollständig übernommen. Seit dieser Zeit kümmere ich mich jedes Jahr mit meiner geliebten Stecktafel um die Stundenpläne. Darauf bin ich sehr stolz.“ Eigentlich hätte der Mathematik- und Biologie-Lehrer schon im vergangenen Jahr in Rente gehen können. Doch er hat um zwei Jahre verlängert. „Ich würde es als Spleen bezeichnen. Denn in zwei Jahren bin ich genau 40 Jahre am JKG tätig. Ich möchte mir ein Schild anfertigen lassen, auf dem steht: ,40 Jahre JKG’ und es mir über das Bett hängen. Das mag für den einen oder anderen komisch klingen, aber ich finde das irgendwie lustig“, sagt Roland Klinger und lacht. „Dazu kommt außerdem, dass ich die Schule nicht im Stich lassen möchte, was die Stundenplanarbeit betrifft. Da helfe ich lieber noch ein bisschen.“

Aufmerksamkeit und Gleichbehandlung

Im Moment hat Roland Klinger, der mit seiner Lebensgefährtin in Höfingen wohnt, eine 20-Stunden-Woche. Er kümmert sich sowohl um die Stundenpläne und den Vertretungsplan, als auch um eine achte, zehnte, elfte und zwölfte Klasse im Fach Mathematik. Da geht’s jetzt ans Eingemachte. „In den vergangenen Jahren hatten meine Klassen im Abitur immer gute Schnitte, deshalb mache ich mir da keine Sorgen“, sagt der Lehrer optimistisch. „Der Schlüssel liegt einfach darin, jedem Schüler die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, sich für jeden gleich einzusetzen und jeden gleich zu behandeln. Das versuche ich so gut wie möglich umzusetzen.“

Dann fügt Klinger hinzu: „Meine Zeit als Lehrer war und ist eine sehr schöne Zeit. Ich kann an viele tolle Momente zurückdenken und hatte immer viel Spaß beim Umgang mit den Schülern. Es ist ein Beruf, der einen jung hält und der viel Freude mit sich bringt.“