Roman „Immer noch wach“ aus Stuttgart Fabian Neidhardt, der Botschafter des Lächelns

Fabian Neidhardts Roman „Immer noch wach“ spielt in Stuttgart. Vorbild für das Café im Buch war die „Metzgerei“ am Stuttgarter Bismarckplatz, die hier im Hintergrund zu sehen ist. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Fabian Neidhardts Roman „Immer noch wach“ spielt in Stuttgart. Vorbild für das Café im Buch war die „Metzgerei“ am Stuttgarter Bismarckplatz, die hier im Hintergrund zu sehen ist. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Im neuen Roman „Immer noch wach“ des Stuttgarters Fabian Neidhardt geht es um ernste Themen wie Krankheit und Tod. Der Autor selbst ist aber ein großer Fan des Lächelns.

Volontäre: Katrin Maier-Sohn (kms)

Stuttgart - Trotz eisiger Temperaturen und Schnee steht Fabian Neidhardt lächelnd vor der „Metzgerei“, einem Café und Bistro im Stuttgarter Westen. Und obwohl ihm die Flocken ins Gesicht wehen und die ungeschützten Finger schon ganz rot sind, hat er gute Laune. Kein Wunder bei jemandem, der sich selbst „Botschafter des Lächelns“ nennt und seine E-Mails mit „Lächeln, Fabian“ unterzeichnet.

„In einer Welt voller Probleme kann ein kleines Lächeln schon viel Positives bewirken“, sagt der Stuttgarter Autor. „Gerade in der Coronazeit freuen sich die Menschen darüber. Und man sieht übrigens trotz Maske, ob jemand lacht, zum Beispiel an den Augen.“

Doch der gebürtige Pforzheimer kennt auch ernste Tage. „Mir ist nicht immer nur nach Lächeln zumute. Es gibt auch bei mir Tage, an denen alles blöd ist“, sagt er – wie sollte es anders sein – lächelnd.

Zwischen Lachen und Weinen

In seinem neuen Roman „Immer noch wach“ zeigt Neidhardt, der nach einem Volontariat beim Radio Sprechkunst und Kommunikationspädagogik in Stuttgart und Literarisches Schreiben in Hildesheim studierte, diese andere Seite. Er schreibt vom Sterben, von Tod und Trauer: Sein Protagonist Alex ist 30 Jahre alt, hat vor Kurzem mit seinem besten Freund ein Café in Stuttgart eröffnet – die „Metzgerei“ diente hierfür als Vorbild – und lebt in einer glücklichen Beziehung mit Lisa. Dann erfährt er, dass er sterben muss. Die Diagnose verändert alles, und Alex trifft eine Entscheidung: Er will noch ein paar letzte Dinge erledigen und dann in ein Hospiz gehen, um dort alleine zu sterben.

Der in der Ich-Perspektive geschriebene Roman schafft es, trotz des traurigen Schicksals von Alex, eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren. Der Leser, der sich trotz der vielleicht etwas holprigen ersten Seiten auf die Geschichte einlässt, wird belohnt. Belohnt mit dem sympathischen Alex, der denkt, er tue das Richtige, wenn er seine liebsten Menschen nicht bei seinem Tod dabei sein lässt. Belohnt mit Orten und Beschreibungen, die sich bei einem Spaziergang durch Stuttgart wiederfinden lassen. Aber vor allem wird er mit einem guten Rat belohnt: Verwirkliche deine Träume, sage, was du zu sagen hast, bevor es zu spät ist.

Mit wem würdest du noch sprechen wollen, wenn du bald stirbst?

Aber wie kann ein Autor, der gerade mal 35 Jahre alt ist, einem solchen Thema gerecht werden? Das Thema Tod sei für ihn nicht neu, er sei gewissermaßen auf einem Friedhof aufgewachsen, erzählt Neidhardt. Sein Elternhaus stehe innerhalb der Mauern eines alten Friedhofs. Außerdem habe er eine polnische Großfamilie, so dass er bereits als Junge viele Beerdigungen miterlebt habe. Im Dezember 2017 verbrachte Fabian Neidhardt dann eine Woche als Praktikant im Stuttgarter Hospiz, um besser beschreiben zu können, wie die Menschen dort arbeiten und wohnen. „Auf dem Hinweg habe ich gemerkt, wie mein Selbstbewusstsein bei jedem Schritt schrumpft. Ich kann eigentlich gar kein Blut sehen, und mir wurde bewusst, dass ich gleich Menschen in ganz intimen und emotionalen Momenten helfen soll“, beschreibt er seinen ersten Arbeitstag. Doch die Arbeitswoche erweist sich im Nachhinein als Erfahrung, die er nicht mehr missen möchte. „Ich habe dort meine persönlichen Grenzen überschritten. Es war hart, aber auch sehr erfüllend.“

67 Prozent von ihm steckten in der Romanfigur Alex, sagt der Stipendiat des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. Nach der Erfahrung im Hospiz hat auch Neidhardt eine Liste geschrieben, mit Dingen, die er tun, und Gesprächen, die er führen will. Anders als sein Protagonist hat er diese „Löffelliste“ ganz ohne Todesdiagnose abgehakt. Ob er wohl deshalb so zufrieden durch das Leben geht?

Fabian Neidhardt: Immer noch wach. Haymon Verlag. 268 Seiten. 22,90 Euro.

Veranstaltung

Der Autor spricht am Sonntag, den 28. Februar, von 18 Uhr an im Kulturkiosk Stuttgart über sein Buch. Das Gespräch und die Lesung sind live über Facebook, YouTube, Mixcloud und Instagram zu verfolgen.




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