Hier locken spannende Western und Popmusik, dort drohen die Atomwaffen: Michael Basse erzählt in seinem Roman „Yank Zone“ schwäbisch-amerikanische Geschichten über einen langen Kalten Krieg hinweg.

Kultur: Tim Schleider (schl)

Ausgerechnet in Maulbronn! Ausgerechnet in der Nachbarschaft zum ehrwürdigen Kloster und zu einem Zentrum schwäbisch-evangelischer Vergeistigung hat der aus Weltkriegszeiten hochdekorierte US-Colonel Ross Raymond Hartman mit seinem Sohn Jack eine Dreizimmerwohnung bezogen, „am Ende einer kleinen Straße mit Neubauten, die nach dem Krieg für die Angestellten der Leichtgussmetallwerke Schenk errichtet wurden“.

Hartman trägt seinen Namen nicht zufällig; sowohl körperlich als auch mental ist er tatsächlich ein „Hard Man“. Andererseits führt er seinen Privatsitz als offenes, gastfreundliches Haus, als „Hard Man’s Guesthouse“ – und so wird dies in den 1970er Jahren zum Treffpunkt der Maulbronner Jugend, jedenfalls von jenen, die abends nicht im „Scheffelhof“ oder in der „Klosterschmiede“ abhängen wollen, wo sie ihre Eltern treffen könnten.

Steckt in jedem ein Amerikaner?

Hartman bietet ihnen nicht nur Whisky Cola, Pall-Mall-Zigaretten, Pokerrunden und freien Zugang zum Fernseher, um samstags im Spätprogramm alte Westernfilme gucken zu können. Er zieht sich auch irgendwann müde ins Schlafzimmer zurück und lässt die jungen Leute unter sich gewähren. Genießt der Witwer vielleicht einfach nur die Gesellschaft? Oder ist er froh, dass sein etwas unsicherer Sohn Jack in Mani einen guten Freund gefunden hat? Wohl beides. Daneben verfolgt Hartman mit seinem US-Freizeitprogramm aber auch noch ein größeres volkspädagogisches Ziel, denn seiner tiefen Überzeugung nach steckt „in jedem ein Amerikaner, der herauskommen will“. Also auch in einem Schwaben.

Der Münchner Autor Michael Basse, Jahrgang 1957, hat selbst einmal in Maulbronn gelebt. Aber nicht nur Ort und Milieu sind ihm deshalb vertraut, sondern auch das größere Thema, das er in seinem Roman „Yank Zone“ behandelt: das höchst ambivalente Verhältnis einer ganzen BRD-Generation zur US-Kultur in der Ära des Kalten Krieges – hier die Verheißungen von Freiheit und Popkultur, dort das Machtgehabe und das Waffenklirren gegenüber allem, was auch nur ansatzweise als „kommunistisch“ ausgegrenzt wird.

Hart, aber gastfreundlich

Basse versucht, sein Thema aus vielen Erzählperspektiven und viele Jahre hinweg zu beleuchten; das erfordert eine sehr konzentrierte Lektüre. Im Gegenzug liefert er einen Roman, der beispielhaft Persönliches mit Kulturgeschichte verbindet. Sein Buch ist ein wenig so wie Hartmans Wohnung in Maulbronn: hart, aber gastfreundlich.

Michael Basse: Yank Zone. Kröner Edition Klöpfer, Stuttgart. 320 Seiten, 25 Euro.

Lesung. Am 21. Juni, 19.30 Uhr, liest Basse in der Stiftung Geißstraße 7 in Stuttgart-Mitte.