Romantischer Staudengarten Gartenparadies im englischen Stil

Karina Waltzers Bergle-Garten in Freiburg ist inspiriert von den Kiesgärten der Gärtnerin Beth Chatto in Großbritannien Foto: Frank M von Berger/FMVB

Wie aus einer verwilderten Streuobstwiese ein kunstvoll angelegter Garten mit Gräsern, Rosen und seltenen Staudensorten wurde. Ein Besuch in Freiburg.

Freiburg - Nach manchen Gartenschätzen muss man etwas suchen. So auch nach dem Bergle-Garten in Freiburg. Zwischen Feldern und Rebflächen, versteckt hinter blickdichten, hohen Hecken, würde man nie einen so kunstvoll angelegten und mit Liebe gepflegten Garten vermuten.

 

Wer das Gartentor dann schließlich gefunden hat, kommt aus dem Staunen oft nicht mehr heraus. Schon auf den ersten Blick sieht man, dass die Planung dieses Gartenjuwels mit viel Sachkenntnis und Geschmack erfolgte.

Zudem gibt es hier zahlreiche ausgefallene Pflanzen zu entdecken, denn Karina Waltzer, die Schöpferin dieser botanischen Schatzkiste, ist eine „bekennende Sammlerin von seltenen und ausgefallenen Stauden“, wie sie schmunzelnd gesteht.

Die Begeisterung für diese Pflanzengruppe erwachte bei ihr schon Anfang der 1990er Jahre, angeregt durch Besuche von Gärtnereien, aber auch durch Gartenreisen und die Lektüre von Gartenbüchern. Als besonders wichtig für die Entstehung ihres botanischen Paradieses nennt sie das Buch „Der Kiesgarten“ von Beth Chatto. Sie hat nicht nur das Buch begierig gelesen, sondern auch die Beth Chatto Gardens im Südosten Englands mehrfach besucht.

Alles begann mit einen Schrebergarten

Die studierte Landespflegerin machte schon als junge Frau im Garten ihrer Mutter erste praktische Erfahrungen mit Pflanzen. Später kümmerte sie sich viele Jahre lang allein um einen Schrebergarten in einer Kleinkolonie. Wo anfänglich nur Obst und Gemüse wuchsen, bepflanzte Karina Waltzer die Beete eher unkonventionell mit Stauden.

Mit den Jahren wuchs der Wunsch nach einem eigenen Stück Land, um in Eigenregie ihre Vision von einem stimmig bepflanzten Staudengarten verwirklichen zu können. „Die Suche nach einem geeigneten Grundstück glich damals der nach einer Nadel im Heuhaufen und zog sich über mehrere Jahre hin“, sagt Karina Waltzer. Im Sommer des Jahres 2009 fand sie über eine Zeitungsannonce ein rund 1000 Quadratmeter großes Areal auf einer sonnigen Anhöhe am westlichen Stadtrand Freiburgs.

Dort geht die Besiedlung in mit Reben bepflanzte Hänge, Maisfelder und Streuobstwiesen über. Der zukünftige Garten war eine schon lange nicht mehr gepflegte Streuobstwiese mit viel Wildwuchs und einer riesigen Blaufichte in der Mitte. „Die Konifere musste unbedingt als Erstes weg. Einen Teil der alten Obstbäume wollte ich aber behalten, denn die sollten dem neuen Garten eine Struktur geben“, sagt Karina Waltzer.

Trockenheitsverträgliche Stauden und Gräser

Nach dem Kauf des Grundstücks wurde noch im Herbst desselben Jahres eine kleine Gartenhütte aufgebaut und eine Zisterne für Regenwasser in den Boden eingelassen, denn der Garten hat keinen Wasseranschluss. Die Pläne für eine Gliederung und Bepflanzung des Geländes entstanden im darauffolgenden Winter.

Ein Teil des Gartens sollte als Kiesgarten mit trockenheitsverträglichen Stauden und Gräsern gestaltet werden, damit die Bepflanzung weitgehend ohne künstliche Bewässerung auskommt. Rund zwei Drittel der gesamten Gartenfläche sind nach diesem Konzept angelegt worden.

Gepflanzt wurden dort unter anderem verschiedene Wermut- und Wolfsmilcharten, Edeldisteln, winterharte Palmlilien (Yucca), Fackellilien (Kniphofia), Thymianarten, Ziergräser sowie Zwiebelgewächse wie Affodill (Asphodelus), Zierlauch (Allium) und botanische Tulpen. Zahlreiche Rosen komplettieren das Bild. Diese Gewächse bilden eine robuste, dennoch abwechslungsreiche Artengemeinschaft mit naturnahem Charakter.

Hortensien und Purpurglöckchen

Wenn man den Garten betritt, fällt der Blick zuerst auf den dekorativen Abguss eines prähistorischen Ammoniten. Dann sieht man das mit Präriepflanzen bestückte Beet links sowie die „gelbe Rabatte“ rechts des Kieswegs mit mediterran anmutender Gestaltung. Ein paar Schritte weiter öffnet sich die Bepflanzung zu einem Kiesrondell mit Thymianpolstern, in dessen Mitte der Abguss einer romanischen Säule steht.

Ein alter Mirabellenbaum bildet das Rückgrat dieser Szenerie. Durch einen von der Kletterrose „Blushing Bride“ umrankten Durchgang gelangt man in einen Gartenteil, der eher an englische Staudengärten erinnert. Dieser wird von einem großen, alten Kirschbaum in der Mitte einer Rasenfläche dominiert. In den Beeten fallen Hortensien, Funkien, Purpurglöckchen, Phlox, aber auch Rosen und Ziergräser ins Auge.

Ein Brunnen unter einem schmiedeeisernen Pavillon plätschert leise vor sich hin. Er wird überrankt von der weiß blühenden Ramblerrose „Lykkefund“, die durch beherzten Rückschnitt im Zaum gehalten wird. „Ich möchte nicht, dass die Rosenranken den grazilen Pavillon gänzlich überwuchern“, sagt Karina Waltzer.

Pflegeleichte Rosen

Der Garten ist nun schon zehn Jahre alt, verändert sich aber immer wieder und sieht in jeder Saison anders aus. Im Frühjahr sind Zwiebel- und Knollengewächse ein Hingucker. Im Frühsommer erblühen dann die Rosen. Im Hochsommer erfreuen Scheinsonnenhüte (Echinacea) sowie andere Stauden die Augen der Betrachter und im Herbst schließlich üppig blühende Astern.

Befragt, ob sich das Konzept des Kiesgartens bewährt hat, meint Karina Waltzer: „Ja, unbedingt, insbesondere wegen des Klimawandels hat es sich gelohnt, die Arten nach Trockenheitsverträglichkeit auszuwählen.“ Sie ergänzt: „Auch die Pflanzung der vielen Rosen hat sich als richtige Entscheidung erwiesen, denn sie sind an diesem Standort sehr pflegeleicht, blühen im Frühsommer reich und öfter blühende Sorten auch ein zweites Mal im Herbst.“

Heute anders planen, so Karina Waltzer, würde sie den Gartenteil mit dem Kirschbaum. „Den Teil würde ich wohl wegen des Klimawandels auch eher mit Pflanzengemeinschaften gestalten, die im Sommer mit Trockenheit besser klarkommen. Auf Rasen würde ich zukünftig ganz verzichten. Auch eine Gestaltung mit Trockenmauern könnte ich mir dort vorstellen“, meint sie.

Aber das geschieht wohl erst, wenn der Kirschbaum aus Altersgründen weichen muss. Pläne hat die Gartenenthusiastin noch genug, ein Besuch lohnt sich immer wieder.

Info zum Gartenbesuch

Der Garten von Karina Waltzer ist dienstags von Mai bis Ende Juli von 16 bis 18.30 Uhr gegen einen kleinen Obolus geöffnet. Im August bleibt der Garten geschlossen; geöffnet ist er wieder von Anfang September bis Mitte Oktober. Wegen der Corona-Einschränkungen sind maximal fünf Personen mit Mund- und Nasenschutz und einem Sicherheitsabstand von 1,5 Metern erlaubt. www.berglegarten.de

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