Rommel-Gedenkstein in Heidenheim Ärger mit den Denkmalschützern

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Fünf Aktivisten stören sich am Rommel-Gedenkstein in Heidenheim. Oberbürgermeister Bernhard Ilg lehnt eine Beseitigung des Denkmals ab.  

Die Protestierer aus der Geschichtswerkstatt haben das Erwin-Rommel-Denkmal am 13. November plakativ verhüllt. Foto: Kummer 2 Bilder
Die Protestierer aus der Geschichtswerkstatt haben das Erwin-Rommel-Denkmal am 13. November plakativ verhüllt. Foto: Kummer

Heidenheim - Einsam steht das Rommel-Denkmal von Heidenheim in der vorwinterlichen Landschaft des Zanger Berges. Die Schenkung eines Afrikacorps-Veteranenverbundes an die Stadt aus dem Jahr 1961 ist in den vergangenen Jahren immer mal wieder Ziel von Unbekannten geworden, die mit dem Hammer oder Spraydosen auf den zentnerschweren Muschelkalkmonolithen losgingen. So wie 2008, als die Stadt den Gedenkstein nach einem Farbangriff ganz restaurieren musste.

Jetzt aber, 50 Jahre nach Aufrichtung des Rommel-Steins, kommt es zum endgültigen Umsturzversuch. Fünf geschichtsbewusste Heidenheimer, die sich zur Geschichtswerkstatt Heidenheim zusammengefunden haben, fordern die Beseitigung des Denkmals. Sie stören sich an den eingemeißelten Adjektiven, die hier Hitlers Lieblingsfeldherrn zugeschrieben werden: Als "ritterlich" und "tapfer" wird Rommel bezeichnet, vor allem aber, und das ärgert die Kritiker am meisten, als "Opfer der Gewaltherrschaft". Inzwischen müsse doch jeder, der halbwegs mit der nationalsozialistischen deutschen Vergangenheit vertraut sei, wissen, dass der Generalfeldmarschall an der Gewaltherrschaft mitgewirkt habe, sagt der Heidenheimer Manfred Maier. Er verweist beispielsweise auf die Sonderausstellung "Mythos Rommel" im Haus der Geschichte von 2009, die das Leben und Denken des ranghohen Wehrmachtssoldaten nachzeichnete.

"Das Rommel-Denkmal ist aus der Zeit gefallen"

Bereits im vergangenen Jahr wandten sich die Geschichtswerkstatt-Mitglieder in einem Brief an den Heidenheimer Oberbürgermeister Bernhard Ilg. Ihre Forderung: Das Rommel-Denkmal auf dem Zanger Berg solle durch ein "Denkmal für die Widerstandkämpfer des Nationalsozialismus" ersetzt werden. "Das Rommel-Denkmal ist aus der Zeit gefallen", sagt Maier.

Er und der Heidenheimer Oberbürgermeister kennen sich gut. Maier gründete schon 1988 einen Georg-Elser-Arbeitskreis, 2005 bekam er aus Ilgs Händen die Bürgermedaille der Stadt verliehen. Ihm ist es mit zu verdanken, dass in Georg-Elsers Heimatort Königsbronn Anfang der 1990er Jahre eine Erinnerungsstätte eröffnet und 2010 schließlich eine 2,20 Meter große Elser-Statue aufgestellt wurde. Spät genug sei der einsame Hitler-Attentäter,. der seinen Mut mit dem Leben bezahlte, gewürdigt worden, sagt Maier. "22 Jahre lang habe ich mich dafür verkämpft."

Jetzt kämpft Maier wieder, doch diesmal stößt er bei der Stadtverwaltung auf Härte. OB Ilg lehnte in einem Antwortschreiben vergangenes Jahr eine Beseitigung des Rommel-Denkmals ab. An dieser Haltung habe sich bis heute nichts geändert, sagt der Sprecher der Stadt. "Dass die Stadt Heidenheim aus Herrn Rommel keinen Widerstandskämpfer macht, ist klar", heißt es. Doch die Stadt schütze ihr öffentliches Eigentum, und zwar "ganz unideologisch". Das Denkmal stamme aus einer anderen Zeit. Doch das gelte auch für viele "Siegessäulen" im Land, für Straßen- oder Gebäudenamen. Zum Beispiel sei Otto von Bismarck Namensgeber vieler Einrichtungen, und obwohl sich die Geschichtsbetrachtung im Hinblick auf den Politiker und Gutsbesitzer seit dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls gewandelt habe, werde sein Name doch kaum je getilgt.

Aktivisten verhülllen den Rommel-Gedenkstein

Maier und seinen Mitstreitern genügt diese Begründung nicht. "Rommel war kein Widerstandskämpfer. Er war ein fanatischer Hitler-Anhänger", beharrt Maier. Inzwischen ist die Gangart verschärft worden. Am 13. November, einem Sonntag, rückten er und seine Mitaktivisten mit einer schwarzen Plane an, sie trug die Aufschrift "Kein Denkmal mehr für den Nazigeneral!" Damit wurde der Rommel-Stein verhüllt. Nach der Demonstration, die im übrigen wenig Publikum fand, wurde die Plane wieder eingepackt. Vielleicht verwende man sie noch einmal, sagt Maier.

Er hat die Rechnung ohne die Heidenheimer Polizei gemacht. Sie prüft seit geraumer Zeit, ob die Gedenksteinverhüllung womöglich strafbar ist. Die Veranstaltung sei nicht bei der Stadt angemeldet gewesen, ihre Abhaltung womöglich ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht. Auch ein Verfahren wegen Sachbeschädigung könnte noch drohen. Schon am Tag vor der Demonstration sei der eingemeißelte Name Rommel mit Farbe beschmiert worden. Die Polizei reagiert mit ihrer Ermittlung angeblich auf die Beschwerde eines Bürgers.

Eine Strafandrohung gegen die Geschichtswerkstatt wegen der Verhüllung? "Da lachen die Hühner von hier bis Wladiwostok", sagt Manfred Maier. Er will abwarten. Bisher, sagt er, habe sich noch kein Polizist bei ihm gemeldet.