Ronalds Besen in Asperg In diesem Besen kommen Nostalgie-Gefühle hoch
In Ronalds Besen in Asperg fühlt man sich zurückversetzt in Omas Stube – und das soll auch immer so bleiben.
In Ronalds Besen in Asperg fühlt man sich zurückversetzt in Omas Stube – und das soll auch immer so bleiben.
Wer schon einmal bei Ronalds Besen in Asperg war, der weiß: Hier ist die Zeit stehen geblieben. Alte Bilder zieren die Wände, die Einrichtung aus alten Holzmöbeln und Teppichen erinnert an Omas Stube, bei der Deko fehlt jegliches Konzept. „Aber irgendwie hat das was. Alles hier sind Erinnerungsstücke und deshalb werde ich daran auch nie etwas verändern. Unser Besen wird auch in 20 Jahren noch so aussehen wie jetzt“, sagt Thaha Takruri. Der 52-Jährige hat den Besen 2015 von seinem Onkel Ronald übernommen, obwohl er anfangs Zweifel hatte. Inzwischen sagt er klar: „Für mich kommt nichts anderes mehr in Frage.“
Thaha Takruri hat eine kaufmännische Ausbildung, BWL studiert und zwölf Jahre in Köln gelebt. Immer wieder zog es den gebürtigen Waiblinger aber in seine Heimat – und in den Besen von seinem Onkel Ronald – jedoch nicht nur zu Besuch. Er half so gut es ging aus, als dieser gesundheitlich angeschlagen war. 2013 erlitt der Onkel dann einen Schlaganfall, 2014 starb er. Die Zeit des Besens schien vorbei. „Ich habe mir nicht vorstellen können, ihn zu übernehmen. Schließlich hatte ich keine Ahnung davon, wie man Wein macht. Bei einem Spaziergang in den Weinbergen dachte ich mir dann aber: Warum eigentlich nicht?“, erzählt Thaha Takruri. Das Problem: Er selbst hatte keine Weinberge. Die seines Onkels waren nach dessen Tod versteigert worden. Doch ohne eigenen Wein kein Besen. „Ich bin also rumgerannt und habe nach einem Weinberg gesucht und durch Zufall habe ich dann auch einen bekommen. Zwar einen nicht sehr ertragreichen, aber mit einer guten Qualität.“
Mit dem Weingut Stärk fand er dann auch noch einen Partner, bei dem er seinen Wein keltern lassen konnte. Insgesamt vier bis fünf Sorten produziert er so jährlich. Das Besondere: „Ich habe keine Maschinen, deshalb mache ich alles per Hand. Das ist extrem aufwendig, aber es macht mir Spaß“, sagt er. Der Wein und der Besen – für ihn ist das jetzt seit 2015 sein Hauptberuf. Einer, der ihn erfüllt. Weil Erinnerungen drinstecken und er eine Familientradition weiterführt.
Ronalds Besen gibt es in Asperg schon lange, seit mindestens 20 Jahren. Doch nicht nur durch die Wirtschaft war der Onkel von Thaha Takruri im Ort bekannt wie ein bunter Hund. „Er war Zimmermann und hatte auch noch einen Bastelladen“, erzählt er. Als „Schafferle“, wie der Neffe ihn betitelt, war ihm das aber nicht genug. So kaufte er das alte Pfarrhaus und baute es um – der Beginn von Ronalds Besen. „So handwerklich begabt wie er war, bei finanziellen Dingen hatte er jedoch überhaupt kein glückliches Händchen“, sagt der Neffe. Die Folge: Ronald musste das alte Pfarrhaus, heute bekannt als Glasperlenspiel, wieder Stück für Stück verkaufen. Der Besen zog kurzerhand in sein eigenes Haus um. Und ist auch heute noch dort beheimatet. Inzwischen gehört das Haus den Eltern von Thaha Takruri. Er selbst wohnt im Obergeschoss, im Erdgeschoss herrscht rund 60 Tage im Jahr dann Besen-Feeling. Mit Schlachtplatte, Kesselfleisch und Grillfleisch, wie es Onkel Ronald schon zubereitet hat. Aushängeschild ist jedoch der Pfälzer Saumagen. „Es gibt Leute, die kommen nur deshalb“, weiß der heutige Wirt, der Wert auf gute Qualität legt. Er bezieht alles aus einer Asperger Metzgerei.
Ein Viertele Wein gibt es bei ihm übrigens für 3,50 Euro, den Pfälzer Saumagen mit selbst gemachtem Kartoffelsalat für elf Euro. „Das heißt aber auch: Gutes Geld verdient man nur, wenn der Besen voll ist“, so Thaha Takruri, der deshalb im Sommer auch im Außenbereich Tische aufstellt. Dort fühlt man sich zwar nicht wie bei Oma in der Stube, Essen und Getränke sind aber gleich.
Ronalds Besen hat das nächste Mal vom 10. bis 19. Februar geöffnet. Täglich ab 16 Uhr, sonn- und feiertags bereits ab 11 Uhr.
Serie
Im Landkreis Ludwigsburg gibt es zahlreiche Besenwirtschaften. Vom guten alten Besen, in dem tatsächlich noch wie einst das Viertele im Wohnzimmer ausgeschenkt wird, bis hin zu vollkonzessionierten Eventgaststätten, die neben Kraut- und Schweinebauch auch moderne Gerichte servieren. Wir haben uns einmal bei einigen Besen umgeschaut.
Heute
Ronalds Besen in der Bogenstraße 6 in Asperg hat insgesamt circa 60 Tage im Jahr geöffnet und besticht mit seiner traditionellen Einrichtung. Seit 2015 führt Thaha Takruri das Lokal. Er hat es von seinem Onkel Ronald übernommen, der 2014 verstorben ist.