Rosengarten Alte Rosensorten riechen besser

Rosa gallica: Sie war schon in der Antike bekannt und beeindruckt mit einem intensiven Duft. Foto: Lorey

Jetzt stehen die Rosen in Blüte – das ist die Zeit, in der Marita Protte Blumenrecherche betreibt: Sie sucht in alten Gärten, auf Friedhöfen und in Parks nach alten Rosen.

Trostberg - Nach über 20 Jahren Rosensuche hat Marita Protte einen Blick für die Pflanzen entwickelt. Selbst im Vorbeifahren mit dem Auto ruft die Rosenliebhaberin ihrem Mann als Fahrer zu: „ Stooppp! Ich hab da was gesehen.“

 

Ihre Fundstücke verraten sich durch ihre Blütenfarbe. Das Rosarot geht immer etwas ins Bläuliche. Das Laub der alten Rosen ist mattgrün und nicht glänzend wie das moderner Rosen.

Alte Rosen bilden viele Triebe, wachsen durch ihre Bodenausläufer strauchartig. Hat die Rosenspezialistin einen neuen Fund gemacht, lässt sie nicht locker. Sie nimmt Kontakt zu den Gartenbesitzern auf, erfragt die Geschichte der Rose und bittet um einen Ableger oder Steckling.

Mehr als 30o alte Rosen

Einmal, berichtet sie, wurde sie auf eine Rose in einem Bauerngarten aufmerksam – der üppigen Blüte und des Duftes wegen. Der Bauer kam gerade auf dem Trecker vom Feld, stellte spontan den Motor ab und sagte zu Marita Protte: „Schmecken Sie mal, schmecken Sie mal! Das ist ein Duft!“

Die Rosensammlerin bekam natürlich vom Bauern einen Ableger mit von der Rosa x centifolia Major, und deren Geschichte dazu. Andere ihrer Fundrosen heißen „Marmeladenrose“, „Die Verschollene“ oder „Schwagers Rosa“.

Über 300 alte Rosen hat Marita Protte gefunden und zusammengetragen. Dabei war die Leiterin des im Chiemgau gelegenen Trostberger Rosengartens gar kein Rosenfan. Zwar erledigte sie gern Arbeiten im Garten der Mutter, die Floribunda-Rosen in deren Garten fand sie aber nicht schön, sie dufteten nicht nach Rose. Später studierte sie Biologie in Regensburg, sie mochte die Laborarbeit nicht, vermisste Exkursionen in die Botanik. Sie sattelte um auf Sozialpädagogik.

Kugelige Knospen und stark duftende Blüten

Die Liebe zur Botanik blieb, und am Haus in Trostberg gibt es natürlich einen Garten. Zum Einzug bekam sie von einer Freundin eine Rose geschenkt. Ausgerechnet eine Rose, dachte Marita Protte, pflanzte das Geschenk aber in den Garten. Bis sie im darauffolgenden Sommer ihre Nase in die rundlichen rosafarbigen Blüten steckte. Dieser Duft sei wie eine Offenbarung gewesen. Rosenduft, wie man ihn erträumt, schwärmt Marita Protte.

Die geschenkte Rose hat sie von der Qualität der alten Sorten überzeugt. Aber die Rose hatte keinen Namen, stammte aus dem Garten der Großtante der Freundin. So eine Duftrose braucht einen Namen, fand Marita Protte und begann mit der Recherche. Sie verglich die Blüten mit Abbildungen in alten Rosenbüchern, reiste und besuchte Rosengärten und Parks. Schließlich gelang ihr die Bestimmung: Die geschenkte Rose war eine Rosa x centifolia Major. Kennzeichnend sind ihre kugeligen Knospen und die stark duftenden Blüten mit über 100 Blütenblättern.

Die Zentifolia-Rosen gehören zur Klasse der Alten Rosen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren alle Gartenrosen Abkömmlinge europäischer Wildrosen. Durch Einkreuzungen von aus China stammenden Rosenarten und -sorten entstanden die Klassen der Modernen Rosen. Die China-Rosen erweiterten die Farbpalette um Gelb-, Orange- und Rottöne, die bei den Alten Rosen nicht vorkommen.

Alte Rosen eignen sich für faule Gärtner

Die modernen Rosen zeichnen sich durch ihre lange Blütezeit aus, durch ihre edel geformten, hochgebauten Blüten auf geraden Stielen. Mit ihrer geringen Wuchshöhe eignen sie sich für kleine Gärten. Leider ist bei den meisten Sorten der Duft abhandengekommen. Ein weiterer Nachteil ist ihre geringere Frosthärte. Die modernen Rosen werden immer nach dem Winter zurückgeschnitten. Diese Arbeit hat man mit Alten Rosen nicht, so eignen sie sich auch für faulere Gärtner. Die Zahl der Rosensorten hat sich ins Unzählbare gesteigert, je nach Mode stellen die Rosenzüchter neue Blütenfarben vor. Die Alten Rosen gerieten in Vergessenheit.

Zum Glück kann ein Rosenstock so alt werden wie ein Baum. Auch wenn die Rose dicht über dem Boden abgeschnitten wird, treibt sie aus dem Wurzelstock wieder aus. Anders als die Edelrosen sind die Alten Rosen nicht veredelt, sondern stehen auf eigenen Wurzeln. Auch die Eigenschaft, dass sie munter Ausläufer bilden, sichert ihr Überleben.

Rosenstöcke genossen immer eine besondere Wertschätzung, das belegen die gesammelten Geschichten von Marita Protte. Sie waren Hochzeitsgeschenk, wurden von den verheirateten Frauen mitgenommen auf den neuen Hof, finden sich auf Friedhöfen als Grabbepflanzung, an Wegkapellen und in alten Bauerngärten. Dass die Alten Rosen in ihrer Sortenvielfalt erhalten bleiben und weiterverbreitet werden, ist auch der Rosenexpertin ein Anliegen. Es gehe ihr um die Erhaltung der genetischen Vielfalt. Bei Nutzpflanzen stehe das mehr im Fokus als bei Zierpflanzen, sei aber genauso wichtig, argumentiert die Rosenexpertin.

Umzug der Rosen in den Schlossgarten

Als ihr Garten für ihre wachsende Sammlung Alter Rosen zu klein wurde, ergab es sich – wie im Märchen –, dass 2001 die Stadt Trostberg den Garten am Schloss Schedling in einen Park umwandeln wollte. Marita Protte bewarb sich mit ihrem Konzept eines Rosengartens. So zog ihre Rosensammlung in den Schlossgarten um. Marita Protte organisierte die Gestaltung und Pflege, pflanzte die Rosen am Hang zwischen alte Apfel- und Zwetschgenbäume. Mittlerweile engagiert sich eine Gruppe von Helfern im Förderverein des Trostberger Rosengartens. Der 3500 Quadratmeter große Rosengarten, der wie das Rosarium Sangerhausen zum Genbanknetzwerk Rose gehört, kann jederzeit besucht werden.

Info

Alte Rosen sind keine Wildrosen, sondern historische Rosenzüchtungen. Sie wachsen strauchartig und blühen am vorjährigen Trieb, nicht im Herbst zurückschneiden. Sie blühen nur einmal im Juni/Juli, dafür überschwänglich. Das Farbspektrum der Blüten reicht von weiß bis dunkles Purpurrot. Die Blüten duften, viele schmücken sich im Herbst mit Hagebutten. Eine Auswahl an Rosen:

Essig-Rose, Rosa gallica: Stammt aus dem Vorderen Orient, Kaukasus, schon in der Antike bekannt, Kreuzritter brachten sie nach Mitteleuropa, bildet halbkugelige Sträucher, macht Wurzelausläufer, Blüten in Rosa, Karmin bis Dunkelrot, Rotviolett, intensiver Duft

Weiße Rose, Rosa alba: Schon von Griechen und Römern kultiviert, gute Winterhärte, kräftiger, überhängender Wuchs, Laub graugrün, Blüten in Pastellfarben von Weiß bis Rosa, meist gefüllte Blüten, duftend

Damascener-Rose, Rosa damascena: entstand in Kleinasien, schon 1000 v. Chr. bekannt, schwerer Duft wie aus 1001 Nacht, einmal blühend, in Weiß bis purpurrot, Blüten für die Herstellung von Rosenöl, sehr winterhart, für Höhenlagen geeignet

Hundertblättrige Rose, Rosa x centifolia: wahrscheinlich im 16. Jahrhundert in den Niederlanden entstanden, Blüten schalenförmig, dicht gefüllt, stark duftend

Moos-Rose, Rosa x centifolia var. Muscosa: Triebe und Knospen mit grünen drüsigen Haaren besetzt, Blüten locker bis stark gefüllt, meist Rosa, auch Weiß bis Purpurrot.

Rosengärten

Marita Prottes Garten liegt am Schloss Schedling, Schulstraße, 83308 Trostberg. Der Garten ist jederzeit frei zugänglich. Wer nicht hinreisen möchte, kann lesen: „Rosen sammeln, Alte Rosen finden & vermehren“, von Marita Protte, erschienen im Verlag blv, 22 Euro.

Weitere Ziele: Roseninsel Park Wilhelmshöhe, 34131 Kassel, www.roseninsel-kassel.de,

Europa-Rosarium, Sangerhausen, 06526 Sangerhausen, www.europa-rosarium.de, Rosenhang Karben, 61184 Klein-Karben, www.rosenhang-karben.de

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