Rosensteinquartier in Stuttgart Ruf nach Bauausstellung wird lauter

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Bei einer Internationalen Bauausstellung soll über die Zukunft Stuttgarts nachgedacht werden. Prominente Unterstützer haben sich dieser Idee angeschlossen – darunter Werner Sobek, Johannes Milla und Uni-Rektor Wolfram Ressel.

Der Entwurf von Pesch & Partner wurde 2005 beim städtebaulichen Wettbewerb zum Rosensteinquartier mit dem ersten Preis ausgezeichnet und ist somit nach Aussage der Stadt die Grundlage der künftigen Planung. Foto: Pesch & Partner, Architektur und Stadtplanung/mik
Der Entwurf von Pesch & Partner wurde 2005 beim städtebaulichen Wettbewerb zum Rosensteinquartier mit dem ersten Preis ausgezeichnet und ist somit nach Aussage der Stadt die Grundlage der künftigen Planung. Foto: Pesch & Partner, Architektur und Stadtplanung/mik

Stuttgart - Wenn Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) am heutigen Mittwoch ihre Post durchsehen, halten sie ein Schreiben in der Hand, in dem 28 Persönlichkeiten für eine Internationale Bauausstellung (IBA) Region Stuttgart werben. Unter anderem soll die Planung für die Gleisflächen hinter dem oberirdischen Bahnhof aber auch die Entwicklung der Region im Ganzen angestoßen werden. Damit lebt eine alte Idee erneut auf – von 2002 bis 2007 war eine IBA in Stuttgart geplant, fiel dann aber den Wirren um das Bahnprojekt S 21 zum Opfer.

Initiator des Plädoyers ist die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart. Das Schreiben, das der Stuttgarter Zeitung vorliegt, ist nicht der erste Ruf nach einer IBA in der Landeshauptstadt. Der Haus-und-Grundbesitzerverein sowie die S 21 befürwortenden Gemeinderatsfraktionen – CDU, SPD, Freie Wähler und FDP –, hatten sich in den vergangenen Wochen für eine derartige Aktion ausgesprochen.

Städtebau für die übernächste Generation

Während sich der Eigentümerverein und die Ratsfraktionen im wesentlichen mit der Planung des Rosensteinquartiers auf den Gleisflächen hinter dem Bahnhof beschäftigen wollen, fasst das aktuelle Plädoyer sein Anliegen breiter. „Nicht nur für die zentralen Baufelder von S 21 könnten echte Zukunftskonzepte gefunden werden, auch in der Fläche der Region laufen Überlegungen zum Städtebau für die übernächste Generation“, heißt es in dem Schreiben, das neben Kuhn und Kretschmann auch ­Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD), Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) und Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) als Adressaten hat.

Die Reaktion der Stadtverwaltung auf die bisherigen Forderungen nach einer IBA zur Planung des Rosensteinquartiers fielen eher verhalten aus. „Es handelt sich um eine interessante Idee, die jedoch erst noch geprüft werden muss“, erklärt der ­Pressesprecher der Stadt, Fabian Schlabach. Der OB sei in Gesprächen und ­erarbeite ein Konzepts, um die Bürgerschaft zu beteiligen, heißt es weiter. Beim Kongress „Stadt der Zukunft“ der Stuttgarter Zeitung hatte Kuhn Ende Juni erklärt, die Planung für das neue Quartier auf den Bahngleisen solle noch im Herbst dieses Jahres beginnen. Anders als beim 15 Hektar großen A-1-Areal, auf dem in wenigen ­Wochen das Einkaufszentrum Milaneo eröffnen wird, hat die Stadt bei den restlichen rund 85 Hektar, die infolge des Bahnprojekts S 21 frei werden sollen, die Möglichkeit, selbst zu gestalten. Die Stadt hat die Grundstücke, auf denen sich beispielsweise der ehemalige Rangierbahnhof befindet, im Dezember 2001 für 424,2 ­Millionen Euro gekauft.

Prominente Unterzeichner des Plädoyers

Die Unterzeichnerliste des Plädoyers der Wirtschaftsförderung liest sich wie ein Expertenrat in Sachen Bauen und Stadtplanung. Neben dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Walter Rogg, haben sich unter anderem der Agenturchef ­Johannes Milla, der Architekt Werner Sobek, Uni-Rektor Wolfram Ressel, der Präsident der Architektenkammer, Wolfgang Riehle, sowie mehrere Institutsleiter, Professoren und Architekten angeschlossen. Nach deren Dafürhalten könnte die Bauausstellung 2017 beginnen, zehn ­Jahre dauern und wäre somit „100 Jahre nach der Eröffnung der Weißenhofsiedlung in Stuttgart ein international sichtbares Zeichen für nachhaltiges und innovatives Bauen, Leben und Arbeiten“, heißt es im Plädoyer.

Neben der Zukunft der Region mit Leitthemen wie Wohnen und Mobilität zielt auch das jüngste Schreiben auf die städtebaulichen Aspekte von S 21 ab. Gerade nach den heftigen Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 könne die IBA ein identitätsstiftendes Projekt sein, heißt es in dem Plädoyer. Welche Dimensionen das Rosensteinquartier haben könnte, wird bei einem Blick auf die bisherigen Planungen für das Areal klar. Auf dem Gelände des Rangierbahnhofs könne ein Stadtviertel mit 7500 Wohneinheiten entstehen, heißt es in dem Buch zum 100-jährigen Bestehen des Stadtplanungsamts, das im Mai dieses Jahrs veröffentlicht wurde.

 

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