Krimikolumne

Ross Thomas: „Der Messingdeal“ Ein Freund, ein guter Freund

Von  

Der Alexander Verlag setzt seine Ross-Thomas-Reihe fort. Und wieder ist es so, als ob ein alter Freund vorbeischaute, um eine ungeheuer spannende Geschichte zu erzählen. Beklemmende Momente inklusive.

Das Schatzkästlein des württembergischen Krimifreundes: die heimische Ross-Thomas-Reihe wächst und wächst. Foto: Wangner
Das Schatzkästlein des württembergischen Krimifreundes: die heimische Ross-Thomas-Reihe wächst und wächst. Foto: Wangner

Stuttgart - Wenn man von einem Autor, den man mag, ein gutes Dutzend Bücher gelesen hat, dann stellt sich im Idealfall so etwas wie Freundschaft ein. Einseitig natürlich, und im vorliegenden Fall leider auch nur postum. Denn Ross Thomas – Killer-&-Co.-Leser kennen unser Faible für ihn natürlich längst – ist vor zwanzig Jahren gestorben.

Freundschaft also: man kennt einen Autor, man schätzt ihn, man hat so seine Erwartungen (die in den allermeisten Fällen erfüllt werden) – und man ist dann doch immer wieder erstaunt, mit welcher Präzision und Leichtigkeit er schreibt. Das gilt auch für den „Messingdeal“, den der Alexander Verlag erstmals in einer vollständigen Fassung unters Deutsch lesende Krimipublikum bringt.

US-amerikanische Interessen tangiert

Der Inhalt ist schnell erzählt: ein arbeitsloser Journalist soll als Mittelsmann einen afrikanischen Schild wiederbeschaffen, der aus einem Washingtoner Museum gestohlen wurde. Das Jahrhunderte alte Stück hat nicht nur einen beträchtlichen wirtschaftlichen, sondern für sein Herkunftsland auch einen unschätzbar großen ideellen Wert. In dem afrikanischen Land tobt ein Bürgerkrieg zwischen zwei Ethnien, dem Besitz des Schildes wird nachgerade kriegsentscheidende Bedeutung beigemessen. Die umstrittene Gegend ist darüber hinaus reich an Rohstoffen. Spätestens an diesem Punkt sind US-amerikanische Interessen tangiert.

Ross Thomas wäre nicht Ross Thomas, wenn er sich das daraus resultierende Szenario vom Kleingaunertum bis hinauf zum moralisch ebenso zweifelhaften Großkapital entgehen ließe. Er lässt wie gewohnt den Zeigefinger unten, auch wenn er die Pontiusse und die Pilatusse der US-Regierung schildert. Doch er macht über seinen Helden Philip St. Ives schon klar, mit welch abgeklärtem Aber er derlei fiese Machenschaften sieht.

Unterhaltung mit bedrückender Note

Thomas gelingt erneut das Kunststück, einen von vorn bis hinten überaus unterhaltsamen Roman zu schreiben. Und so nebenbei erzeugt er, fein dosiert, eine Beklemmung, die den literarischen Wert des Buches noch weiter steigert. Zum Beispiel mit der Szene, in der die Polizei seinen Helden per angedrohter Schikane zum Weitermachen erpresst („ich hatte das schon ein paarmal gesehen; einer war in einer Heilanstalt gelandet...“). Und dann die bedrückende Schilderung, wie afrikanische Kinder am Hungertod sterben.

Ross Thomas hat zu keiner Zeit auch nur ein Tröpfchen Moralin verspritzt. Aber seine milde Resignation über die herrschenden Umstände, die er akribisch seziert, ist tausendmal mehr wert als jedes Stück aufgeblähtes Betroffenheitsprosa.

Ross Thomas: „Der Messingdeal. Ein Philip-St.-Ives-Fall“. Roman. Aus dem Englischen von Wilm W. Elwenspoek, bearbeitet von Jana Frey und Gisbert Haefs. Alexander Verlag, Berlin 2015. 272 Seiten, 14,90 Euro. Auch als E-Book, 9,90 Euro.