Krimikolumne

Ross Thomas: „Porkchoppers“ Das Meisterwerk

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Keiner sezierte so schön die schmutzigen Bräuche im Politgeschäft wie der US-Amerikaner Ross Thomas. Der Autor wäre jetzt 90 geworden, zum Geburtstag hat der Alexander Verlag Thomas’ Meisterwerk „Porkchoppers“ herausgebracht – neu übersetzt und ungekürzt.

Ross Thomas war ein blitzgescheiter Menschenbeobachter – das schlägt sich in jedem seiner Romane nieder. Foto: Patricia Williams
Ross Thomas war ein blitzgescheiter Menschenbeobachter – das schlägt sich in jedem seiner Romane nieder. Foto: Patricia Williams

Stuttgart - „Sein Lachen zerstört alle Klischees, ein sehr leises Lachen, so als formulierte er seinen Pointen nur noch für sich selber.“ Annette Meyhöfer hat das vor fast einem Vierteljahrhundert im „Spiegel“ geschrieben. Der Mann, dem diese Worte galten, wäre am 19. Februar 90 Jahre alt geworden: Ross Thomas (1926 bis 1995), Journalist, Gewerkschaftssprecher, PR- und Wahlkampfberater, Thriller-Autor der Extraklasse.

Das leise Lachen ist es, das diesen typischen, süchtig machenden Ross-Thomas-Sound ausmacht: diese elegant zurückgenommene Ironie - mögen die Plots auch vor Niedertracht und miesen Typen nur so triefen. Das ist in der McCorkle-und-Padillo-Tetralogie so, in der Artie-Wu-und-Quincy-Durant-Reihe, in all den anderen Romanen - und natürlich auch in „Porkchoppers“, dem Meisterwerk, das der Alexander Verlag seinem Star zum runden Geburtstag geschenkt hat, ungekürzt und neu übersetzt (wie so viele andere Thomas-Romane war auch dieser Titel vor etwas über 40 Jahren nur in einer kastrierten Version auf den deutschen Markt gekommen).

Ein blendend aussehender Lorne-Greene-Typ

Ein Pork chop, erklärt uns das Buch mit Verweis auf „Webster’s Third New International Dictionary“, sei „ein Gewerkschaftsfunktionär, der nach Ansicht seiner Kollegen hauptsächlich von Eigennutz motiviert wird“. So ein Kerl ist der Gewerkschaftsboss Donald Cubbin, ein blendend aussehender Lorne-Greene-Typ, der seine Wirkung nach außen kennt, aber aus guten Gründen Angst um seine Wiederwahl bangen muss.

Sein Gegner, der abgrundtief hässliche Samuel Morse Hanks, hat gute Chancen, dem ehemaligen Weggefährten die lukrativen Pfründe abzujagen. So beginnt ein Wahlkampf, der an Schmutz und üblen Tricks nichts zu wünschen übrig lässt. Rufmord ist da durchaus ein gern genommenes Mittel der Wahl, und auch ein echter gedungener Killer munitioniert schon mal seine .308er auf.

Das alles ist natürlich sehr unerfreulich für die Beteiligten. Aber mit seinem leisen Lachen sorgt Ross Thomas dafür, dass die fiktive Handlung ein purer Lesegenuss ist. Auf der anderen Seite gibt es aber keinen Zweifel, dass der im Politgeschäft erfahrene Autor genau wusste, wovon er schrieb.

Kein Gramm zuviel an Material

Man kann sich förmlich vorstellen, wie Thomas an der Schreibmaschine saß, leise lächelnd und an den Marionettenfäden seiner vielen schillernden Figuren ziehend, wie er Stück für Stück eine Handlung zusammenbaute, die, den Gesetzen der Statik folgend, für große Bögen kein Gramm zuviel an Material brauchte.