Roter Ochsen in Rechberghausen: Traditionslokal sucht Pächter

Von Klaus Nonnenmacher 

Die Gemeinde sucht dringend einen neuen Pächter für den Roten Ochsen. Das Traditionslokal ist nicht nur von außen ein Kleinod, es überzeugt auch durch innere Werte.

Das Gasthaus Zum Roten Ochsen ist eine gute Adresse und obendrein ein beliebter Veranstaltungsort. Foto: StZ
Das Gasthaus Zum Roten Ochsen ist eine gute Adresse und obendrein ein beliebter Veranstaltungsort. Foto: StZ

Rechberghausen - Das Ehepaar Wendling hört auf. Seit 2004 sind die Wirtsleute Pächter des Roten Ochsen und haben ihn erfolgreich geführt. Die Gaststätte lief immer gut, der Ochsensaal war als Veranstaltungsraum von Hochzeits- und anderen Gesellschaften gut gebucht. Auch die örtliche so genannten BalFolk-Gruppe veranstaltete dort immer wieder ihre Tanzabende und Workshops. Angesichts dieser Auslastung sollte sich die Gemeinde eigentlich leicht tun bei der Suche nach Nachfolgern. „Wir tun uns aber schwer“, räumt Matthias Dichtl ein, der Hauptamtsleiter von Rechberghausen. An Interessenten mangle es nicht, doch die Gemeinde habe eben schon auch gewisse Vorstellungen und Erwartungen. Vor allem solle die Küche der Gaststätte weiterhin gut bürgerlich, anspruchsvoll, aber eben nicht abgehoben sein, sagt Dichtl. Das sei man der Tradition des Lokals schuldig.

Alles begann mit einer Bierbrauerei

Und die Tradition des Lokals in dem denkmalgeschützten Gebäude hat es auch in sich. Der Rote Ochsen ist eines mehrerer Kulturdenkmäler im so genannten historischen Städtle. Der Ochsen steht in dessen Zentrum. Im 18. Jahrhundert wurde der zweigeschossige Gewölbekeller als Bierbrauerei und als Unterstellmöglichkeit für Pferde und Fuhrwerke genutzt. 1849 brannte der Ochsen vollständig nieder, wurde jedoch nebenan wieder aufgebaut. In der Neujahrsnacht von 1914 zu 1915 brannte das Gebäude abermals nieder, wurde aber umgehend als Landgasthof mit Bierbrauerei in seiner heutigen Erscheinung aufgebaut. Später wurde es um die Metzgerei erweitert, die bereits vor einigen Jahren wieder schloss.

Nach vielen Besitzerwechseln und unterschiedlichen Nutzungen erwarb die Gemeinde Rechberghausen schließlich im Jahr 1985 das Gebäude von den Geschwistern Rehm aus Esslingen für umgerechnet rund 457 000 Euro, nicht zuletzt, weil der historische Ochsensaal als Veranstaltungsort für die Vereine und die Kommune selbst zentral war. „Der Saal wird auf jeden Fall auch weiterhin vermietet. Man muss jetzt eben für eine Übergangszeit einen Caterer mitbuchen, wenn man Bewirtung haben will“, erklärt Dichtl. Ihm zufolge findet bereits im Oktober die nächste Veranstaltung im Ochsensaal statt.

Im früheren Regiolädle trifft sich heute die Dorfjugend

Mit der Schließung der Metzgerei vor einigen Jahren begann für die Gemeinde bereits die erste größere Suche nach einer Nachnutzung des Ochsen. Der Versuch, dort ein genossenschaftlich geführtes Lädle für regionale Produkte zu etablieren, scheiterte nach zwei Jahren: mangels Kundschaft sowie wegen Uneinigkeiten im Zusammenschluss der Produzenten. Seit etwas mehr als einem Jahr logiert dort der Jugendtreff. Anfängliche Bedenken der Nachbarn dagegen haben sich Dichtl zufolge zerstreut.

Allerdings flaue auch das Interesse am Jugendtreff unter den offensichtlich zerstrittenen Jugendlichen zurzeit ab. „Nach den Sommerferien soll ein neuer Anlauf genommen werden, den Treff zu beleben“, so Dichtl. Als nachteilig für die Pächtersuche habe sich der Jugendtreff bestimmt nicht ausgewirkt. „Es hat sich noch keiner der Interessenten daran gestoßen“, so Dichtl.

Auch den Verdacht, Rechberghausen sei kein gutes Pflaster für die Gastronomie, lässt Dichtl nicht gelten. Dennoch steht direkt vor dem Rathaus im neuen Schloss in der Schlossgalerie seit einem Jahr ein nagelneues Lokal in bester Lage leer. Dazu mag sich Dichtl nicht äußern. „Das ist Sache des Investors“, erklärt er. Im Ort erzählt man sich, dass vor allem die Höhe der Pacht Bewerber abschreckt.

Gemeinde sucht dringend einen Pächter

Beim Roten Ochsen soll das auf jeden Fall nicht geschehen. „Wir als Gemeinde legen einem Gastronomen sicher keine Steine in den Weg, sollte er sich für den Roten Ochsen interessieren“, betont Dichtl, der im Auftrag der Kommune längst auch außerhalb des Landkreises Göppingen Suchanzeigen geschaltet hat.




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