Rotes Kreuz Rems-Murr Warum das DRK jetzt Drohnen einsetzt
Die Retter im Rems-Murr-Kreis sind jetzt mit ferngesteuerten Fluggeräten ausgestattet. Was sich die Organisation davon verspricht und wie die Einsätze ablaufen, lesen Sie hier.
Die Retter im Rems-Murr-Kreis sind jetzt mit ferngesteuerten Fluggeräten ausgestattet. Was sich die Organisation davon verspricht und wie die Einsätze ablaufen, lesen Sie hier.
Rems-Murr-Kreis - Luftaufnahmen, Kontrolle von Bauprojekten, Vermessungen, sogar Paketlieferungen und Tierschutz: die Liste mit Aufgaben für ferngesteuerte Drohnen ist lang. Im Rems-Murr-Kreis kommt nun noch eine weitere dazu, denn das hiesige Rote Kreuz (DRK) bereitet sich gerade darauf vor, die unbemannten Helikopter für ihre Zwecke zu nutzen. Eine Drohnengruppe aus 15 Rotkreuzlern hat sich in den vergangenen Wochen darauf vorbereitet, mit zwei Kameradrohnen an den Start zu gehen. Ihr Ziel: verletzten oder vermissten Menschen in Zukunft noch schneller helfen zu können.
Voraussichtlich wird die Gruppe in rund zwei Wochen einsatzbereit sein. Die ferngesteuerten Fluggeräte sind unter anderem mit einer Wärmebildkamera bestückt, aus bis zu 120 Metern Flughöhe können sie nach Vermissten suchen. Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei 60 Stundenkilometern. Im Kreisverband Biberach werden Drohnen schon eine Weile eingesetzt – Michael Budig und Daniel Roth vom Ortsverein Sulzbach haben dorthin Kontakte geknüpft und die Gründung der neuen Gruppe in Rems-Murr vorangetrieben. Nun ist Luftunterstützung für Rettungsdienste an sich nichts Neues. Seit der Erfindung des Helikopters wird dieser auf der ganzen Welt eingesetzt, um Vermisste zu finden, Notärzte zu Unfallorten zu bringen und Verletzte aus schwierigem Gelände zu retten. Im Falle einer Vermisstensuche beteiligen sich zum Beispiel Polizeihubschrauber, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, an Einsätzen.
Auch wenn die bemannten, großen Helikopter deutlich schneller fliegen und länger in der Luft bleiben können, bieten ihre ferngesteuerten Mini-Geschwister für das DRK einige Vorteile. „Die Polizeihubschrauber können manchmal nicht starten oder werden zu anderen Einsätzen beordert“, erklärt Michael Budig. „Mit den Drohnen sind wir zudem flexibler und können zum Beispiel recht schnell eine Fläche von 1000 mal 1000 Metern absuchen.“
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Ein weiterer Pluspunkt der Drohnen gegenüber bemannten Helikoptern sind die Kosten. Die Deutsche Rettungsflugwacht veranschlagt für eine Stunde Flug eines Rettungshubschraubers rund 5000 Euro. Wie teuer ein mit drei Besatzungsmitgliedern besetzter Polizeihubschrauber auf Suchmission ist, lässt sich laut einer Sprecherin schwer sagen – dies hänge unter anderem von der Wetterlage und der Entfernung zum Einsatzort ab. Der Bundesrechnungshof ging bereits im Jahr 2010 von Kosten zwischen rund 3000 und 6000 Euro aus.
Eine Drohne kostet im Betrieb deutlich weniger als ein bemannter Hubschrauber, die Drohnenteams arbeiten ehrenamtlich. Die Geräte wurden von der Volksbank Stuttgart gesponsert. Und trotzdem bedeutet die neue Aufgabe – unter anderem durch Ausbildung, ergänzende Akkus, Monitore und Einsatzkleidung – für das Rote Kreuz eine ordentliche finanzielle Belastung. „Während zum Beispiel die Kitzrettung Zuschüsse vom Landwirtschaftsministerium bekommt, sind wir als Rettungsorganisation auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen“, sagt Budig.
Ein Drohnenteam des DRK besteht aus vier Personen. Ein Pilot steuert das mit Sensoren und zwei Kameras bestückte Gerät, ein Fachberater verfolgt die vom Gerät gesendeten Livebilder am Bildschirm. Ein sogenannter Luftraumbeobachter assistiert dem Piloten bei seiner Aufgabe und hält zum Beispiel nach Gefahrenquellen Ausschau, und ein Techniker trägt dafür Sorge, das die Ausrüstung funktioniert.
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Die Retter haben dafür mehr Befugnisse als ein „Otto-Normal“-Drohnenpilot. Während es Privatleuten etwa verboten ist, mit einer Kameradrohne über den Nachbargarten zu fliegen, darf das DRK für die Vermisstensuche genau dies tun. „Zumindest, wenn wir offiziell von der Polizei hinzugezogen werden“, erklärt Budig.
Der Einsatz von Suchhunden lässt sich durch die Drohnen zwar nicht ersetzen, aber ergänzen. Die findigen Vierbeiner sind nämlich vor allem in Waldgebieten und Gebüschen in ihrem Element. Dagegen lassen sich größere Flächen, Weinberge oder Ufergebiete aus der Sicht des DRK besonders gut aus der Luft absuchen. „Es gibt auch Situationen oder Gelände, die für Hunde schlicht zu gefährlich sind“, sagt Budig.
Die Vermisstensuche könnte nicht der einzige Nutzen für das Rote Kreuz sein. Die Geräte könnten zudem helfen, bei großen Einsätzen den Überblick zu behalten, Flächenbrände und Hochwasser zu lokalisieren oder gar Lautsprecher zu transportieren, über die zum Beispiel die Bevölkerung gewarnt wird. Mitte September, so glaubt Michael Budig, wird die Drohnengruppe einsatzbereit sein.