Rotlichtkönig aus VS in Haft Opfer, Zeugen und abgehörte Gespräche – so wurde Boki zu Fall gebracht

Die Ermittlungen machten deutlich, dass Boki von Bosnien-Herzegowina die Zwangsprostitution in Deutschland, und damit mutmaßlich auch in Villingen-Schwenningen, steuert. (Symbolbild) Foto: Marc Eich

VS-Rotlichtkönig Armin Culum alias Boki und sein Sohn sitzen nun in Untersuchungshaft. Dies hat der Staatsgerichtshof von Bosnien-Herzegowina entschieden. Im Zuge der Inhaftierung wurden weitere, teils erschreckende, Details zu den Ermittlungen bekannt.

Am Dienstag kam die offizielle Bestätigung des Staatsgerichtshofs von Bosnien-Herzegowina: Armin Culum, sein Sohn A. und drei weitere Verdächtige – darunter eine Frau – sitzen unter anderem wegen Menschenhandels in Untersuchungshaft. Zunächst für einen Monat. Danach will das Gericht nach eigenen Angaben über die Verlängerung der Inhaftierung entscheiden. Das berichtet der Schwarzwälder Bote.

 

Die Beweise, die im Zuge des Haftantrags von Boki und Co. von der Staatsanwaltschaft vorgelegt wurden, sind offenbar erdrückend. Das bosnische Portal Raport hatte einen Einblick in den Bericht des Gerichtshofs, in dem die Entscheidung begründet wurde. Die Details, die dort aufgeführt werden, geben einen erschreckenden Einblick in die brutalen Machenschaften der Culum-Bande und machen ebenso deutlich, wie wichtig internationale Ermittlungen für die Verhaftung waren.

Denn die Staatsanwaltschaft in Bosnien-Herzegowina hatte Zugriff auf abgehörte Gespräche zwischen den Verdächtigen, die von der Kantonspolizei Aargau in der Schweiz gesammelt wurden. Die dortigen Strafverfolgungsbehörden ermitteln gegen Bokis Bruder Nermin Culum, der seit 2022 in der Schweiz in Haft sitzt.

A. Culum spricht über das Vorgehen seines Vaters

In den Gesprächen sei offen über das Anwerben von Mädchen aus dem Balkan für die internationale Prostitution gesprochen worden. Insbesondere A. Culum habe „die Arbeitsweise seines Vaters“ beschrieben, wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht. Demnach sei Boki skrupellos vorgegangen, um das lukrative Geschäft anzukurbeln, das den luxuriösen Lebensstandard sicherte.

Wie skrupellos das war, zeigt der Bericht der Staatsanwaltschaft: Nachdem die teils minderjährigen Mädchen mithilfe der Loverboy-Methode in die Prostitution gedrängt worden seien, habe man sie misshandelt, erpresst und festgehalten, um sie für Sex auszubeuten. Frauen seien „zwischen den Mitgliedern der Gruppe wie Ware ausgetauscht worden“.

Grausames Vorgehen gegen Abtrünnige

Ein Teil des frauenverachtenden Geschäftsmodells sei es auch gewesen, dass die Mädchen gezwungen wurden, Schönheitsoperationen über sich ergehen zu lassen, um wohlhabende Kunden anzulocken. In Wohnungen und Hotelzimmer habe man dann für die Dienstleistungen zwischen 200 und 250 Euro verlangt.

Opfer, die sich den Zwängen entziehen wollten, seien grausam bestraft worden. Eine widerwärtige Methode laut der Staatsanwaltschaft: „Bäume mit dem Kopf zählen“ – man habe die Frauen in einen Park gebracht und deren Köpfe gegen jeden Baum geschlagen. Sie seien außerdem in Badewannen unter Wasser gedrückt, brutal geschlagen und zum Sex gezwungen worden, auch wenn sie nicht in der Lage dazu waren.

Er zieht von seiner Heimat aus die Strippen

Dass sich auch weiterhin Armin und – bis zu seiner Verhaftung – Nermin Culum für die kriminellen Gruppe verantwortlich zeichnet, sei aufgrund von Aussagen mehrere Zeugen und Opfer ermittelt worden. Zudem sei der Nachweis erbracht worden, dass er für die Zwangsprostitution in Deutschland von Bosnien-Herzegowina aus die Strippen zieht. Boki habe darüber hinaus Zeugen mit Zahlungen dazu bringen wollen, nicht gegen ihn auszusagen.

Neben den Beweisen aus dem Ermittlungsverfahren in der Schweiz seien auch im Rahmen eines internationalen Rechtshilfeersuchens bei deutschen Behörden relevante Informationen gesammelt worden. Ein wichtiger Anlaufpunkt sei dabei die Staatsanwaltschaft Stuttgart gewesen, die Ermittlungsergebnisse eines anderes Verfahrens zur Verfügung stellen konnte. Dabei handelte es sich um einen mittlerweile verurteilten Anhänger der United Tribuns aus dem Dunstkreis von Boki.

Wieso stoppte niemand das Treiben?

Während in die Beurteilung der Haftentscheidung auch der internationale Haftbefehl gegen Boki aus Deutschland mit eingeflossen sein soll, werden in Bosnien-Herzegowina Stimmen laut, die das jahrelange, unbehelligte Agieren der brutalen Menschenhändler hinterfragen.

Armin Culum selbst habe zwar die bosnisch-herzegowinische Staatsbürgerschaft, sei aber seit der Flucht aus VS vor 15 Jahren in dem Land aber gar nicht gemeldet. Er und sein Bruder hatten sich in der Vergangenheit zudem gefälschte Ausweispapier besorgt, um trotz der Haftbefehle ein (mittlerweile hochgenommenes) kriminelles Drogenkartell in Südamerika zu besuchen.

„Wer schützte die Culums über ein Jahrzehnt hinweg? War es wirklich notwendig, dass so viele Jahre vergingen, bis die Anführer dieser kriminellen Gruppe, über die die Medien bereits berichtet hatten, hinter Gitter kamen?“, formuliert eine Journalistin die „unausweichlichen Fragen“ in einem Artikel. Fragen, die sich auch die vielen Opfer stellen dürften, deren Leben zu einem wahren Martyrium wurden.

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