Rottweiler Narrensprung Fastnacht mit Gschell und Federahannes

Der springende Federahannes. Foto: dpa 11 Bilder
Der springende Federahannes. Foto: dpa

Sie ist derb und ursprünglich - und gerade das macht die Rottweiler Fastnacht so einzigartig. Mehrere Zehntausend Menschen sind in diesem Jahr dabei gewesen. Der Narrensprung ist einer der Höhepunkte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.

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Sie ist derb und ursprünglich - und gerade das macht die Rottweiler Fastnacht so einzigartig. Mehrere Zehntausend Menschen sind in diesem Jahr dabei gewesen. Ein rheinischer Jeck würde sich wohl ziemlich gruseln.

Rottweil - Plötzlich stürmt ein Federahannes mit seinen gefletschten Stoßzähnen auf die Zuschauer los. Ein anderer Kleidlesträger fährt ihnen mit einem stinkenden Wedel durch das Gesicht. Ein paar Meter weiter wird ein Bennerrössle mit lautem Peitschengeknall angetrieben. Es geht derb zu beim Rottweiler Narrensprung - einer der urtümlichsten Veranstaltungen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. 4000 Hästräger laufen am Montag durch die historische Innenstadt. Der Narrensprung ist mit mehreren Zehntausend Zuschauern einer der Höhepunkte in der Fastnacht.

Der Narrensprung in Rottweil ist immer auch eine Reise in die Vergangenheit. Denn so wild und ursprünglich wie in der ältesten Stadt Baden-Württembergs ist die schwäbisch-alemannische Fastnacht fast nirgendwo sonst. Moderne Einflüsse - gar aus dem Rheinland - haben die Rottweiler Narren immer zurückzudrängen gewusst.

Schellen wiegen 20 Kilogramm

Schon die Masken der Rottweiler Kleidlesträger sehen mitunter zum Gruseln aus: Der Federahannes beispielsweise hat ein derbes Männergesicht, aus dem zwei große weiße Zähne herauskommen. Der Gschellnarr hingegen trägt eine freundliche, aus dem Barock stammende Maske aus Lindholz. Dazu kommen die rund 20 Kilogramm schweren Schellen, die bei jedem Schritt klingen.

Die Figuren blicken auf eine lange Geschichte zurück. Urkundlich erwähnt wird die Rottweiler Fastnacht erstmals schon im 15. Jahrhundert. Traditionen wie der Narrensprung und das Aufsagen waren nach Angaben der Stadt schon damals bekannt. Spätestens im 18. Jahrhundert wurde der Rottweiler Narrensprung dann ein so großes Ereignis, dass Menschen auch von weiter her kamen. Als sich im 19. Jahrhundert mehr und mehr die Einflüsse aus dem rheinischen Karneval auch im schwäbisch-alemannischen Raum breitmachten, haben die Rottweiler ihre Tradition vehement verteidigt.

Bis heute sorgen die Narrenzünfte in der Region dafür, dass die Fastnacht ursprünglich und traditionsverbunden bleibt. Jeder Hästräger, der mit einer neuen Maske am Narrensprung teilnehmen will, muss das Kunstwerk erst einmal einem strengen Prüfungsverfahren unterziehen. Alle Holzmasken müssen sich an den oft mehrere Hundert Jahre alten Vorbildern orientieren.

Der Narrensprung ist in Rottweil aber nur der Auftakt für das närrische Treiben in der Stadt. Denn die Narreteien gehen am Abend traditionsgemäß weiter: Dann strömen die Kleidlesträger in die vielen kleinen Gassen, Lokale und Häuser der historischen Innenstadt. Aus ihren Narrenbüchern tragen sie die gesammelten Missgeschickte des vergangenen Jahres vor.

An diesem Dienstag starten die Narren um 8 Uhr und um 14 Uhr gleich noch zweimal zum Narrensprung durch Rottweil.

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