InterviewRotweinpreis in der Region Stuttgart „Es geht darum, zu sehen, wo man im Vergleich steht“

Von Michael Weier 

Goldmedaille hier, Urkunde da: Bei den vielen Auszeichnungen im Geschäft mit dem Wein, verliert mancher den Überblick. Eine Konstante bleibt aber: Der Deutsche Rotweinpreis. Jens Zimmerle hat’s hier aufs Treppchen geschafft. Wir haben mit ihm über die Wettbewerbe gesprochen.

Jens Zimmerle in der Korber Sommerhalde Foto: Gottfried Stoppel
Jens Zimmerle in der Korber Sommerhalde Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Die Anzahl der Preise und Ehrungen steigt gefühlt in zweistelliger Prozentzahl, nicht nur die Laien verlieren im Wein-Geschäft den Überblick. Eine paar Konstanten aber gibt es, dazu zählt der Deutsche Rotweinpreis von der Zeitschrift „Vinum“.

Gratulation, Herr Zimmerle, zufrieden mit dem zweiten Platz beim Deutschen Rotweinpreis?

Es hätte schon mal ein erster Platz sein können! Aber im Ernst: Wir freuen uns riesig. Mit dem Zweigelt haben wir es nun mit allen Jahrgängen, in denen er produziert wurde, 2012, 2014 und jetzt 2015, aufs Treppchen geschafft. Und 2013 gab’s zu wenig, da haben wir ihn gar nicht gemacht. Immer mit dem Zweigelt Sommerhalde. Das ist fantastisch.

Der Konsument muss ich inzwischen ja fragen: Ist dieser Preis wirklich was wert?

Das stimmt. Inzwischen gibt es ja noch einen Rotweinpreis. Und durch die Vielzahl und das Verwirrende an Preisen verlieren die Leute den Überblick. Ich will da auch gar nichts madig machen und habe auch nichts gegen die anderen Preisträger, die machen ebenfalls sehr guten Wein.

Aber?

Aber bei „Vinum“ machen eben alle mit, das war der erste Rotweinpreis, aus meiner Sicht ist der einfach am meisten wert.

Mit den Weinführern ist die Situation ähnlich verwirrend?

Ja, anfangs haben wir gesagt: Wir konzentrieren uns auf die beiden Weinführer „Gault Millau“ und „Eichelmann“. Punkt. Nun gibt’s noch den von „Vinum“ und den Falstaff. Natürlich sind diese Bewertungen auch ein Instrument fürs Marketing. Aber insgesamt wird die qualitative Dichte der Weingüter immer besser. Nehmen wir das einfach locker, es geht doch eigentlich nur darum zu sehen, wo du im Vergleich mit den anderen Betrieben stehst.

Das Weingut Zimmerle muss sich da keine Sorgen machen?

Nein, auf keinen Fall, wir haben überall gute Bewertungen. Aber wir wissen auch, dass wir guten Wein machen. Und da geht es nicht um Jens Zimmerle, sondern da steht ein ganzes Team dahinter, meine Frau, mein Vater, die ganzen Mitarbeiter – die alle liefern eine hervorragende Arbeit ab, da bin ich felsenfest davon überzeugt.

Etwa beim ausgezeichneten Zweigelt durch Ertragsreduzierung?

Nein, das brauchen wir als Biobetrieb gar nicht, wir haben nie das Problem eines zu ­hohen Ertrags. In der Sommerhalde arbeiten wir gewissenhaft wie überall, aber dort steht unsere älteste Anlage, das Alter der Reb­stöcke macht den Unterschied. Wir machen alles gleich bei unserem anderen Lemberger, aber die Weine aus der Sommerhalde sind einfach gehaltvoller

Was macht neben dem Ertrag den Unterschied zwischen einem Biobetrieb und einem konventionellen?

In einem normalen Betrieb läuft der ­Pflanzenschutz nach einem Schema F. Als Biobetrieb muss man lernen, mit der Natur zu arbeiten. Man muss immer einen Schritt voraus sein.

Das bedeutet?

Meine Oma hatte noch das perfekte Gefühl fürs Wetter, die hat einfach aus dem Fenster geschaut und wusste, wie das Wetter wird. Der ökologische Anbau verzeiht einem ­keinen Fehler, man muss immer schon vorher auf die Pflanzenstärkung schauen. Wenn ­etwas passiert ist, ist es zu spät. Der Mehraufwand ist dadurch natürlich groß, die Qualität des Arbeitens ist aber auch anders. Besser, im Einklang mit der Natur.

Ein Beispiel?

Mit Glyphosat zum Beispiel wollte ich nie arbeiten, rein vom Gefühl her. Ich finde, das riecht doof, das sieht doof aus. Also habe ich für mich die Konsequenzen gezogen. Natürlich betreiben auch wir Pflanzenschutz, aber das Spritzen macht mir auch heute noch keinen Spaß.

Biodynamische Betriebe gehen ja noch einen Schritt weiter, spritzen auch mal mit Pfefferminztee!

Biodynamisch arbeiten wir noch nicht, ­wobei wir aus deren Arbeitsweise durchaus Ideen aufnehmen. Das ist vielleicht das nächste Projekt, aber immer eins nach dem anderen.

Und das nächste wäre?

Ein Neubau auf Waiblinger Markung, direkt bei Korb. Unser Weingut hier ist einfach zu beengt und verwinkelt, das war als Misch­betrieb nicht dafür ausgelegt, richtig guten Wein zu machen. Das ist nun anders: Wir haben einen idealen Platz und, wenn wir fertig sind, ideale Bedingungen. Unser Projekt ist zudem ein ganzheitliches. Wir wollen 90 Prozent unseres Stromes selbst erzeugen. Zudem gibt’s eine Besenwirtschaft, wir wollen die Leute auch wieder vermehrt aufs Weingut locken.

Mit einem Besen?

Das wird eine moderne Interpretation eines Besens. Die Atmosphäre soll so werden, dass wir selbst gerne unsere Freizeit dort verbringen würden. Wir haben uns natürlich auch überall im Ausland inspirieren lassen. Also ich freue mich riesig drauf.