Rotwildpark Ein Schlösschen, vom Pech verfolgt

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Das Bärenschlössle im Rotwildpark hat viel erlebt - nicht nur Gutes. Heute ist es beliebtes Ausflugsziel.

Das Bärenschlössle ist ein beliebtes Ausflugsziel Foto: factum/Rebstock 11 Bilder
Das Bärenschlössle ist ein beliebtes Ausflugsziel Foto: factum/Rebstock

Stuttgart-West - Eines Tages bekam der Herzog Carl Eugen von Württemberg auf einer Italienreise zwei Gondeln geschenkt. In Stuttgart hatte er zunächst keine Verwendung für die Boote. Kurzerhand ließ er deshalb die Bärenseen stauen. Zusätzlich ließ er sich 1768 auf dem Hügel oberhalb des Sees ein kleines Schloss bauen: Einen zweigeschossigen Pavillon, ganz aus Stein gebaut, in altrömischen Stil. Heute erinnern nur noch die Überreste der venezianischen Löwenfiguren, die ehemalige Landestelle am Bärensee, an diese Zeit.

Nach dem Tode Carl Eugens sind die Gondeln heruntergekommen, das Bärenschlössle ist nach und nach verfallen. Von dem Glanz des einstigen Lustschlosses war kaum mehr etwas übrig. Überhaupt war dessen Schicksal von Beginn an durch Aufbau und Zerstörung geprägt.Um 1817 erfolgte der erste Abbruch. König Wilhelm I. ließ sich an derselben Stelle einen Jagdpavillon errichten. In seinem Auftrag wurde der umliegende Park zu einem immer größer werdenden Wildgehege umgebaut. Dort veranstaltete er Schaujagden mit mehr als 700 Hirschen. Der Tierpark und das Bärenschlössle waren damals noch nicht für jedermann frei zugänglich: Wer hinein wollte, musste sich eine Jahreskarte für zwei Mark lösen, für den Normalbürger damals sehr viel Geld. Erst nach dem Ersten Weltkrieg waren die Anlage und das Schloss frei zugänglich – und ist seither ein Besuchermagnet.

Zweimal noch musste das Bärenschlössle neu aufgebaut werden: Während des Zweiten Weltkrieges zerstörte eine Brandbombe das Gebäude fast komplett. Besonders die überdachte Aussichtsplattform hatte es erwischt. Erst dreißig Jahre später wurde die beliebte Ausflugsstätte wieder hergestellt. Gleichzeitig begann 1963 auch die Bewirtschaftung. Der Grund: Bei den vielen Waldfesten blieb Müll zurück, es gab keine Toiletten. Da aber der Naturschutz rund um die Bärenseen groß geschrieben wurde, kam dem Land als Eigentümer die Idee, in dem Schloss eine Imbissstube mit öffentlichen Toiletten einzurichten.

„Meine Mutter war die erste Pächterin des Bärenschlössles“, erzählt der heutige Inhaber Jürgen Unmüßig. Die Stadt habe sich mehr Aufsicht für das Gelände gewünscht. Unmüßigs Großvater war zu dieser Zeit der Revierförster in den umliegenden Wäldern, weshalb die Bewirtschaftung in die Hände der Familie Unmüßig fiel. Inzwischen hat es sich vom kleinen Imbiss zu einem Selbstbedienungs-Restaurant gewandelt. Doch das Schicksal meinte es erneut nicht gut mit dem Schlössle. Das Gebäude wurde 1994 Opfer eines Brandanschlages. Dieses Mal war es allerdings Brandstiftung, vermutet man. „Das Dach war komplett abgebrannt“, erklärt Unmüßig. Drei Jahre später übernahm er die Bewirtschaftung, das Schloss wurde wieder aufgebaut – zum vierten Mal. Verantwortlich für den Wiederaufbau war das Staatliche Hochbauamt Stuttgart. Der Stil wurde beibehalten, nur im Obergeschoss sind die Fenster fast durchgehend durch verglaste Flügeltüren ersetzt worden. 

So ist das Schloss bis heute geblieben – ein Kleinod umgeben von Seen und Rotwildpark, das die Besuchermassen immer noch magisch anzieht. Woher das Bärenschlössle seinen Namen hat? Jürgen Unmüßig weiß es auch nicht genau: „Bären gab es hier nie welche.“ Wahrscheinlicher ist, dass es nach dem nahe gelegenen Bärenbach benannt wurde.

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