Rouzbeh Taheri ist das Gesicht einer Initiative, die in Berlin die großen Wohnbau-Unternehmen enteignen will. Was klingt wie eine sozialistische Utopie, wird ernsthaft diskutiert. Hat man die Sorgen der Mieter unterschätzt?

Berlin - Strategisch liegt der Fenstertisch im Cafe Zitrone ideal: Von hier aus, wo Rouzbeh Taheri an diesem Nachmittag zum Gespräch empfängt, blickt man auf die wunderschöne Dieffenbachstraße mit ihren Gründerzeitaltbauten, deren Fassaden immer schicker werden. Statt Reinigung, Schuhmacher und Ofenheizung findet man Concept-Stores, die Edelschokolade, Schreibwaren und feinstes Bartöl verkaufen: Hier wohnt die Gentrifizierung. Zuzug, Aufwertung, brutale Mietsteigerungen, Verdrängung – der Kreuzberger Graefekiez steht beispielhaft für das Thema, das inzwischen Großstadtbewohner aus allen Schichten ganz konkret bedroht: die Angst, sich Wohnen dort nicht mehr leisten zu können, wo man zu Hause ist.