Roxette in Stuttgart Geburtstagsständchenzeit

Die Band Roxette hat am Donnerstag in Stuttgart gastiert. Dieses Foto zeigt die Sängerin Marie Fredriksson und der Gitarrist Per Gessle bei ihrem Auftritt in Köln Ende Juni. Foto: dpa
Die Band Roxette hat am Donnerstag in Stuttgart gastiert. Dieses Foto zeigt die Sängerin Marie Fredriksson und der Gitarrist Per Gessle bei ihrem Auftritt in Köln Ende Juni. Foto: dpa

Die schwedische Band Roxette präsentiert in der Stuttgarter Porsche-Arena einen schon fast endlosen Reigen ihrer größten Hits. Das Publikumsinteresse ist ungebrochen – trotz saftiger Ticketpreise.

Kultur: Jan Ulrich Welke (juw)
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Stuttgart - Soll sie oder sollte sie besser nicht? Keine Frage, Marie Fredriksson soll natürlich singen, soll sich entfalten können, soll ihrem Beruf nachgehen dürfen. Trotzdem ist da ein beklemmendes Gefühl. Von einem Assistenten muss sie am Donnerstagabend in sehr langsamen Schritten auf die Bühne geführt werden, das ganze Konzert wird sie auf einem Schemel sitzend absolvieren. Der chirurgische Eingriff wegen ihres Hirntumors und die anschließende Therapie seien zwar längst überwunden, die Sängerin habe aber Angst zu stürzen, heißt es zur Begründung. Und in der Tat: Marie Fredrikson wirkt sehr fragil. Vielleicht sollte sie sich also doch besser schonen? Und ist dies womöglich tatsächlich die letzte Tournee, die die 57-Jährige absolvieren kann? Wie gesagt, etwas betreten macht einen diese Situation schon.

Der Publikumszuspruch ist allerdings ungebrochen enorm. Fast ausverkauft mit 5500 Zuschauern ist die Porsche-Arena, obwohl an der Abendkasse stolze achtzig Euro als Ticketpreis aufgerufen werden. Verblüffend auf den ersten Blick, ist das letzte Album des schwedischen Duos doch schon über drei Jahre alt. Als „30th Anniversary Tour“ ist die Tournee deshalb deklariert worden. Und zum Geburtstag kriegt man bekanntlich Ständchen gesungen, von denen Roxette wiederum bekanntlich jede Menge im Gepäck hat.

Los geht’s gleich mit dem Hit „Sleeping in my Car“, kurz darauf folgen als Doppelpack „Spending my Time“ und „Crash! Boom! Bang!“. Weiter geht’s kurz darauf mit „She’s got nothing on (but the Radio)“, bald danach kommt „It must have been Love“, ehe das Konzert mit „Dangerous“ und „Joyride“ ausklingt. Zur schmalen Zugabe des insgesamt 17 Stücke umfassenden Auftritts kommen dann die letzten zwei Riesenhits der Band, „Listen to your Heart“ und „The Look“.

Ihre größten Erfolge hätten Marie Fredriksson und Per Gessle, unterstützt von einer routinierten und souveränen Begleitband, somit komplett gespielt. Das Publikum ist angesichts dieses Füllhorns zu Recht begeistert, und wenn die Sängerin auch sehr zerbrechlich wirken mag: ihre Stimme ist nach wie vor exzellent, ebenso klar wie durchschlagskräftig.

Fast ein Wunschkonzert

Das Konzert ist also, auch in seiner Mischung aus den ruhigeren und den flotteren Evergreens, fast schon so etwas wie ein Wunschkonzert. Es ist eine Zeitreise durch die größten Hits dieser sehr erfolgreichen Band, die auf siebzig Millionen verkaufte Tonträger zurückblicken kann. Es ist ein flott vorbeiziehender Reigen, der die Eingängigkeit dieser Popmusik eindringlich vor Augen führt, denn bei diesem Konzert ist selbstverständlich nicht mit ambitionierter Avantgarde oder unglaublichem Finessen- und Variantenreichtum zu rechnen – hier wird einfach, aber erfolgreich gestrickter Wohlfühlpop geboten, nicht mehr und nicht weniger.

Vor allem aber beeindruckt die Dichte, in der dem Publikum bei diesem Auftritt fast schon wie bei einem Best-of-Album Hit auf Hit auf Hit serviert wird; Lauter Songs, die teils – wie zum Beispiel die beiden Stücke der Zugabe – schon 25 Jahre alt sind, aber allesamt noch immer tagtäglich im Radio zu hören sind. Das ist, auch in der Konstanz des Schaffens, beeindruckend.

Ein Lied fehlt noch in der Liste der vielen großen Roxette-Klassiker. Die Band spielt es zur Mitte des Konzerts. „How do you do!“ heißt es, man möchte es sich als Sinnbild wünschen für die Befindlichkeit der platinblonden Sängerin, der natürlich nur alles Beste zu wünschen ist. Denn der Liedtitel trägt ja kein Fragezeichen, sondern ein Ausrufezeichen in sich.




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