Felipe VI. von Spanien feiert seinen 50. Geburtstag in politisch unruhigen Zeiten. Die versprochene Erneuerung der Monarchie ist ihm nicht gelungen, doch die Spanier mögen ihn trotzdem.

Korrespondenten: Martin Dahms (mda)

Madrid - „Der König macht keine Politik.“ Das ist die offizielle Linie des spanischen Königshauses. Am liebsten soll er ganz Privatmann sein, fürsorgender Vater und liebender Ehemann. Damit sich die Spanier das richtige Bild von ihrem König Felipe VI. machen, hat das Königshaus anlässlich seines 50. Geburtstags an diesem Dienstag (30. Januar 2018) ein zehnminütiges Video veröffentlicht, in dem er mit Frau und Töchtern zu Mittag isst und in dem er die Töchter im Wagen, er selbst am Steuer, zur Schule bringt – fast wie jeder andere Vater auch. Als Königsmarketing dürfte das Video seine Wirkung nicht verfehlen: Felipe ist etwas steif, aber doch freundlich-seriös. Er kommt wohl mehr nach seiner Mutter Sofía als nach seinem Vater Juan Carlos. Das ist ganz in Ordnung.

In Wirklichkeit aber macht der König immerzu Politik. Seine Rolle erlaubt ihm gar nichts anderes. Die Schule, in die er seine Töchter Leonor und Sofía fährt, ist eine Privatschule. Damit vermittelt er den Spaniern: Das öffentliche Schulsystem ist nicht gut genug für eine künftige Königin. Sie soll unter ihresgleichen groß werden, mit Kindern aus begüterten Familien. Für Felipe gibt es keine rein „persönlichen, familiären“ Entscheidungen, wie es das Königshaus gerne glauben machen möchte. Der Monarch hat aber das Glück, dass die Spanier über vieles hinwegsehen. Er ist halt König, was soll man da anderes erwarten?

König in politisch unruhigen Zeiten

Nun ist Felipe ein König in politisch unruhigen Zeiten. Der katalanische Separatismus droht gerade das Land zu zerreißen. Da kann und will sich der König, laut Verfassung „Symbol der Einheit und Beständigkeit“ des Staates, nicht heraushalten. Manche vergleichen seine Rolle in diesem Konflikt mit der seines Vaters während des Putschversuches am 23. Februar 1981, den Juan Carlos im Keim zu ersticken half. Ganz so gewaltig wie damals ist die jetzige Herausforderung des spanischen politischen Systems nicht. Aber zum Handeln sah sich Felipe dennoch genötigt.

Am 3. Oktober 2017, zwei Tage nach dem irregulären Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien, wandte er sich in einer kurzen Fernsehansprache an die Nation. Außer zu Weihnachten tut er das sonst nie. Das gab jedem seiner Worte an diesem Tag besonderes Gewicht. Er las den separatistischen Politikern die Leviten. Und sagte den donnernden Satz: „Es ist die Verantwortung der legitimen Mächte des Staates, die verfassungsmäßige Ordnung und das normale Funktionieren der Institutionen zu sichern.“ Das war der königliche Segen für alle weiteren Schritte der spanischen Regierung gegen den katalanischen Abspaltungsprozess.

Felipe lebt in seiner eigenen Welt

Bei den meisten Spaniern kam die Rede gut an. Die Beliebtheitswerte des Königs stiegen. Aber nicht alle waren glücklich. Der Vorsitzende der Linkspartei Podemos, Pablo Iglesias, sah die Hand der konservativen Rajoy-Regierung hinter dieser Ansprache. „In einem Schachspiel bewegst du die Figur des Königs erst, wenn du meinst, dass du dabei bist, die Partie zu verlieren“, sagte Iglesias im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf solche Kritik reagiert das Königshaus nicht. Aber es lässt erklären: Die Ansprache des Königs an jenem 3. Oktober sei seine eigene, persönliche Initiative gewesen. Bloß ein Instrument der Regierung zu sein, das will sich Felipe nicht unterstellen lassen. Ihn bewege nichts weiter als der „maximale und peinliche Respekt“ vor der spanischen Verfassung.

Die Verfassung sieht für den König allerdings auch die Rolle des Schlichters und Moderators vor, eine Rolle, die er im Katalonien-Konflikt zumindest öffentlich nicht wahrnimmt. Keiner kann ihn dazu zwingen. Doch von einer „erneuerten Monarchie für neue Zeiten“, wie sie Felipe bei seiner Thronrede 2014 versprach, ist nichts zu spüren. Der König lebt in seiner eigenen Welt, die mit der Welt der Spanier nichts zu tun hat. Sie nehmen es ihm nicht übel.

König ohne Fehl und Tadel

König

Felipe Juan Pablo Alfonso des Todos los Santos de Borbón y Grecia ist seit dem 19. Juni 2014 König der Spanier. Er übernahm den Thron von seinem Vater Juan Carlos, der mit seiner Abdankung die Monarchie stärken wollte. Frauengeschichten, eine inopportune Elefantenjagd und ein Korruptionsverfahren gegen seine Tochter Cristina und dessen Ehemann Iñaki Urdangarin hatten das Vertrauen der Spanier in das Königshaus unter Juan Carlos geschwächt. Der Wechsel an der Spitze des spanischen Staates sollte die Sünden des Vaters vergessen machen.

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Die Spanier mögen den groß gewachsenen, gut aussehenden Felipe, weil es nichts Böses über ihn zu reden gibt.

Familie

Seit 2004 ist er mit der Fernsehjournalistin Letizia Ortiz verheiratet. Von größeren Missstimmungen in der Ehe ist nichts bekannt. Gemeinsam haben sie zwei Töchter, Leonor und Sofía. Die zwölf-jährige Leonor, die den Ehrentitel Prinzessin von Asturien trägt, soll dereinst ihren Vater auf dem spanischen Thron beerben. Noch genießt sie ihre Kindheit. Die Spanier warten gespannt darauf, wann sie ihren ersten offiziellen Auftritt haben wird, um sich ein Bild von ihrer künftigen Königin machen zu können.

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