Ruder-Ergometer-WM Auf Titeljagd im Wohnzimmer

Florian Roller zieht an der Kette: Der Athlet der Stuttgarter Rudergesellschaft will seinen WM-Titel am Ruder-Ergometer verteidigen. Foto: /Peter Roller

Florian Roller will seinen Weltmeister-Titel bei den World Rowing Indoor Championships am Ergometer am 26. Februar verteidigen. Pandemiebedingt findet der Wettkampf erneut virtuell in den eigenen vier Wänden statt. Athlet der Stuttgarter Rudergesellschaft ist Favorit.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Untertürkheim - Zermürbend ist es, das Ergometer-Training. Das weiß Florian Roller zur Genüge, bezeichnet das unentwegte Ziehen am Seil als „stupide, bei dem man keine Technik benötigt, nur unentwegt mit stumpfer Gewalt an der Kette reißt“, sagt der 29-jährige Athlet der Stuttgarter Rudergesellschaft aus Untertürkheim. Doch keiner in der offenen Wettkampfklasse Männer Leichtgewicht (bis 75 Kilogramm) – auch „Leightweight Men 200 m“ genannt – zerrte im Vorjahr so perfekt, stark und schnell am Zuggerät wie Roller: In seiner Eineinhalb-Zimmerwohnung in Konstanz legte er weltweit die 2000 Meter am schnellsten zurück und wurde Weltmeister. Sein vierter weltüberspannender Titel – drei holte er sich auf dem Wasser.

 

WM-Titel Nummer fünf im Visier

Demnächst greift er nach WM-Gewinn Nummer fünf, möchte seinen Titel am Ergometer verteidigen. Die Chancen stehen gut, Roller hat erneut den richtigen Zug raus, sich in der Zeit von 6:10,7 Minuten qualifiziert – gleichbedeutend mit der Bestmarke aller Teilnehmer. Auf dem Ergometer im Wohnzimmermachte er ernst, zeichnete seinen „Lauf“ auf Video auf und schickte es an den Ruderweltverband FISA. Damit nicht geschummelt wird, alles glaubhaft erscheint, wird der Computer am Ergometer ausgelesen und über „einen Verifizierungs-Code an den Ausrichter weitergeleitet“, so Roller. Für die Teilnahme an der „WM-Castings-Show“ hatten die Athleten eine Zeitspanne von August bis Anfang Februar zur Verfügung. Bei der WM starten alle zu einem festen Zeitpunkt. Am 26. Februar, pünktlich um 12.03 Uhr, beginnt für den aus Markgröningen stammenden Roller das Unternehmen Titelverteidigung. Pünktlich ist dabei das richtige Stichwort. Im Vorjahr war Roller nämlich schlafmützig unterwegs, hat sich etwas zu spät eingeloggt, dadurch den Start verpasst, musste seine Rennstrategie über den Haufen werfen und das Feld von hinten aufrollen. „Diesmal will ich von Beginn an hellwach sein und das Rennen gewinnen.“ Als hartnäckigste Konkurrenten zeichnen sich der Chinese Sun Man mit einer Zeit von 6:11,3 Minuten und der Algerier Sid Boudina (6:18 Minuten) ab.

Rennen via Livestream

Roller ist guter Dinge, die beiden hinter sich zu lassen. „Meine Zeit habe ich irgendwann mal nebenbei während des Trainings gefahren, ich denke, dass ich mich noch steigern kann“, zumal seine Bestzeit am Ergometer bei 6:07,90 Minuten liegt. Beim WM-Lauf können die Teilnehmer via Livestream verfolgen, was die Konkurrenz zustande bringt.

Roller hat Automativ System Engineering an der HTGW Konstanz studiert und arbeitet seit einigen Monaten in der Schweiz bei der Stadler Rail AG als Systemingenieur für Fahrzeugkonzepte. Die Firma mit Sitz im Kanton Thurgau hat unter anderem auch die neue Stuttgarter Zacke hergestellt und vor kurzem ausgeliefert. Vor der WM hängt der 29-Jährige täglich 90 bis 100 Minuten am Seil, hat dabei die Glotze an und schaut am liebsten Actionfilme. „Da muss man nichts denken, es motiviert und die ganze Sache ist nicht so stupide“, schmunzelt Roller.

Unter www.worldrowing.com kann das Rennen verfolgt werden.

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