Thilo Wagner will das Dach Afrikas besteigen. Für sich und für Kinder in Kambodscha. Der 41-Jährige sammelt Spenden, damit ein Kletterberg in einem Spiel- und Bildungszentrum gebaut werden kann.
Rudersberg - Bald wird sich zeigen, ob sich die monatelange Vorbereitung gelohnt hat. Denn wenn alles nach Plan läuft, dann wird Thilo Wagner am 15. Februar bereits auf dem Gipfel des Kilimandscharo stehen. „Und bis dahin werde ich wohl immer die Frage im Kopf haben, ob ich es auch wirklich schaffe“, sagt der Rudersberger. Er hat sich gedanklich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt und parallel dazu seinen Körper trainiert, damit er den 5895 Meter hohen Berg bezwingen kann.
Jetzt, kurz vor dem Abflug nach Tansania, besucht Thilo Wagner regelmäßig ein Höhenstudio in Ludwigsburg. „Dort wird dem Raum Sauerstoff entzogen und somit Höhe simuliert. Da laufe ich dann mit Bergschuhen und Gepäck eine Stunde lang auf dem Laufband“, erzählt er. Denn vor allem die Höhe ist es, welche die Besteigung des Kilimandscharo so schwierig macht.
Thilo Wagner schätzt, dass jedes Jahr etwa 20 000 Menschen versuchen, bis auf den Gipfel zu kommen – und dass mindestens die Hälfte scheitert. Etwa 20 Bergsteiger lassen jedes Jahr beim Aufstieg gar ihr Leben. „Wir haben deswegen absichtlich die längste Route gewählt, damit sich unsere Körper an die Höhe anpassen können“, sagt der 41-Jährige, der schon lange davon träumt, den höchsten Berg Afrikas zu erklimmen. „Es ist bestimmt schon 15 Jahre her, dass ich einen Bericht darüber gelesen habe.“ Wagners Begeisterung für das Wandern besteht sogar noch länger. „Wir haben mit der Familie immer Urlaub in der Schweiz gemacht und sind auf hohe Berge gestiegen.“
Warum es unbedingt der Kilimandscharo sein soll? „Er ist der höchste frei stehende Berg der Welt und wir werden vom Regenwald bis zum Gletscher fast alle Klimazonen durchlaufen, die es so gibt“, begründet Wagner seine Wahl. Damit sein Traum endlich in Erfüllung gehen kann, hat er sich zu seinem 40. Geburtstag sogar ausschließlich Geld für seine Tour gewünscht.
„Wobei mittlerweile der Gipfel bei der Reise gar nicht mehr im Vordergrund steht“, sagt Wagner. Im vergangenen Frühjahr hat er von dem Projekt einer befreundeten Familie erfahren. Diese ist im Sommer nach Kambodscha ausgewandert, um dort ein Spiel- und Bildungszentrum für Straßenkinder aufzubauen. „Die Frau kommt ursprünglich aus Kambodscha. Sie wurde im Alter von drei Monaten von ihrer Mutter auf der Straße ausgesetzt“, erzählt Thilo Wagner. Eine Krankenschwester des Roten Kreuzes fand sie, pflegte sie gesund und mit neun Monaten wurde das Mädchen von Schweizern adoptiert.
Nun ist es als erwachsene Frau wieder nach Kambodscha zurückgekehrt – mit einer Mission: „Auf einem Gelände in Kambodscha soll der größte Kletterberg des Landes entstehen. Und das hat so gut zu meiner Kilimandscharo-Tour gepasst, dass ich der Familie meine Unterstützung zugesichert habe.“ Sich dafür zu engagieren, dass Kinder in dem südostasiatischen Land einen Platz zum Spielen haben, ist für Wagner gar keine Frage: Schließlich ist er nicht nur dreifacher Vater sonder hat vor fünf Jahren mit der Spielarena einen großen Indoorspielplatz in Aalen eröffnet.
Ursprünglich sei es das Ziel gewesen, für jeden Höhenmeter einen Euro an Spenden einzusammeln. „Aber wir sind jetzt schon bei etwas mehr als 6000 Euro. Das macht aber nichts, denn der Kletterberg wird sicherlich 15 000 Euro kosten.“ Zunächst waren es vor allem Freunde und Bekannte, die sein Projekt unterstützen, „mittlerweile laufen auch Spenden von Leuten ein, die ich nicht kenne.“ Besonders gefreut hat ihn der Einsatz von zwei Kindern, die ein Teil ihres Taschengelds abgezwackt haben. Sie und alle anderen, die bereits gespendet haben, dürfen nun symbolisch mit Wagner den Kilimandscharo bezwingen. „Wir haben eine Gipfelfahne gemacht, auf der die Namen der Spender stehen.“