In Rudersberg und Schorndorf kursieren Gerüchte über Plünderer, manche fordern eine Bürgerwehr. Ein Polizeisprecher sagt jedoch, es habe keine Plünderungen gegeben. Bisher kontrollierte Personen seien Helfer gewesen.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Gerüchte über Plünderungen und Diebstähle in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten im Rems-Murr-Kreis sorgen derzeit für Unruhe. Im sozialen Netzwerk Facebook kursieren Fotos und Videos, die Autos mit osteuropäischen Kennzeichen zeigen – und dunkelhaarige Männergruppen, die mit Tüten im Ort unterwegs sind. Der Vorwurf: Die Männer würden in Gruppen anreisen, um die Not der von der Flut betroffenen Anwohner auszunutzen und diese zu bestehlen.

 

Polizeisprecher: Bisher kontrollierte Personen waren Helfer

Die Wut der Menschen darüber ist groß. „Die gehören rausgejagt. Wer ließ die überhaupt rein? Es wird doch kontrolliert“, schreibt eine Frau und spielt damit auf die Polizeikontrollen an, die an den Zufahrtsstraßen nach Rudersberg eingerichtet worden sind. „Wenn die Polizei überfordert ist, dann müssen die eben privat gejagt werden. Ist wahrscheinlich sowieso effektiver“, schreibt ein Mann. Ein anderer will den Fremden „gerne etwas, das explodiert, in die Hand drücken“. Auch in Schorndorf-Miedelsbach sollen die Männer unterwegs sein.

Die Polizei ist auf diese Beiträge aufmerksam geworden und warnt angesichts dessen davor, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. „Tatsächliche Plünderungen sind der Polizei nicht bekannt“, betont der Polizeisprecher Bernd Märkle. Der Polizei seien zwar mehrere verdächtige Wahrnehmungen gemeldet worden. „Die Kollegen haben auch mehrere Fahrzeuge und Personen kontrolliert. Tatsächlich handelt es sich bei ihnen um Helfer.“ Teilweise seien Kräfte aus dem Ausland engagiert worden, um Keller freizuräumen und Schrott abzutransportieren. „Manche Helfer haben wohl schon gar keine Lust mehr, weil sie sich als Plünderer diffamiert fühlen“, so Märkle. Ein Gerücht, es habe Festnahmen gegeben, sei falsch: Es seien Personen kontrolliert worden, ihr Namen und Unterbringungsort sei bekannt.

Er betont: „Privatpersonen haben nur eingeschränkte Jedermannsrechte, wir warnen dringend vor Selbstjustiz. Das Gewaltmonopol liegt bei uns.“ Der Ortsvorsteher von Schorndorf-Miedelsbach hatte unserer Zeitung gegenüber bestätigt, dass es zu Diebstählen gekommen sei. „Natürlich kann man nicht ausschließen, dass es nicht trotzdem zu Diebstählen kommen kann“, so Merkle. In diesem Fall gelte es, so schnell wie möglich die Polizei zu verständigen – „und nicht erst nach einer Stunde“. Wenn Kennzeichen oder eine Beschreibung vorlägen, könnten die Beamten vor Ort auch entsprechende Kontrollen durchführen.

Und für die zahlreichen Helfer gelte: Wer im Katastrophengebiet Gegenstände mitnimmt, sollte sich vorher beim Besitzer erkundigen, ob diese wirklich für den Abtransport bereitgestellt sind.