Rudersberg Waschbär auf waghalsiger Klettertour

Von Harald Beck und Jonas Schöll 

In Rudersberg steckt eines der possierlichen Tierchen im Blitzableiter fest – nicht der einzige Waschbär, der sich in letzter Zeit in der Region in Schwierigkeiten gebracht hat.

Ein Blitzableiter hat in Rudersberg einen Waschbären in Bedrängnis gebracht. Foto: SDMG 6 Bilder
Ein Blitzableiter hat in Rudersberg einen Waschbären in Bedrängnis gebracht. Foto: SDMG

Rudersberg - Ein Blitzableiter auf dem Dach eines Wohnhauses in Rudersberg ist es diesmal gewesen, der einen Waschbären heftig in die Bredouille gebracht hat. Der putzige Klettermaxe, der sich seine Klettertour bei bestem Frühlingswetter mit Sicherheit anders vorgestellt hatte, hing fest in luftiger Höhe. Und die Rudersberger Feuerwehr rückte am Samstagmorgen neun Einsatzkräfte stark aus zum tierischen Rettungseinsatz. Bewohner hatten die Retter verständigt, berichtet der stellvertretende Gesamtkommandant Frank Ehmann. Der Feuerwehreinsatz verlief allerdings eher entspannt.

Just als die Floriansjünger ihre Leiter am Dachrand platziert hatten und zum ganz oben am Dachfirst hängenden Unfallopfer hochklettern wollten, um das kleine Raubtier von seiner misslichen Lage zu erlösen, befreite sich das kletterfreudige Tier aus eigener Kraft. „Als er uns bemerkt hat, da hat er sich offenbar noch einmal angestrengt“, sagt dazu Feuerwehrkommandant Ehmann.

Waschbär macht sich unverletzt von dannen

Den Zeugen zufolge ist der Klettermaxe dann vom Dach aus rund zehn Meter in die Tiefe gesprungen und auch ziemlich unversehrt unten gelandet. Quasi wie vom Blitz getroffen sei er dann sofort von dannen gerast. Ehmann: „Er ist auf und davon. Ich gehe davon aus, dass der Waschbär die Sache gut überstanden hat.“ Seine Feuerwehrkameraden hätten ihn zwar anschließend nicht mehr gesehen, aber „Anwohner haben gesagt, er sei auf der Wiese davon gelaufen.“

Waschbären in Not oder auch als hartnäckige und bisweilen lästige innerörtliche Besucher sind rundum in der Region Stuttgart seit einiger Zeit keine Seltenheit mehr. Die Waschbärenpopulation nimmt merklich zu. Dies gilt vor allem für die Landkreise Göppingen, Rems-Murr und Ostalb, berichtete kürzlich der Esslinger Wildtierbeauftragte Sascha Richter unserer Zeitung – weshalb dort eigentlich eine intensivere Bejagung der Waschären angezeigt wäre. Schließlich habe der Einwanderer aus Nordamerika hier keinerlei natürliche Feinde. Dafür sei seine Anpassungsfähigkeit an die Lebensbedingungen hierzulande enorm. Ob Essensreste im Biomüll oder altes Brot – alles ein gefundenes Fressen für den optisch ganz possierlichen Kerl. Und als ungebetener Untermieter in Dachboden oder Keller kann der Räuber, der zudem eine Bedrohung für die heimischen Vögel ist, recht unangenehm werden. So fürchtet man im Kreis Ludwigsburg, dass jene Waschbären, die sich dort in Höhlen am Neckarsteilhang breit gemacht haben, auch verantwortlich für diverse geplünderte Vogelnester sind.

Eingeklemmt zwischen Hütte und Hauswand

In Schorndorf hat bereits vor knapp zwei Jahren eines der neugierigen Tiere Schlagzeilen gemacht, weil es sich extrem ungeschickt zwischen einer Gartenhütte und einer Hauswand eingeklemmt hat. Die Polizei hat damals das Fundament der Hütte frei gegraben und diese mit einem Wagenheber angehoben, um den Waschbären zu befreien. Auch jenes Tier hat sich wie jetzt sein Rudersberger Artgenosse unverletzt von dannen gemacht.




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