Rudolf-Eberle-Preis Auszeichnung für Werkzeuge im Miniaturformat

Wie klein die Werkzeuge des Preisträgers Zecha aus Königsbach-Stein sind, zeigt der eingravierte Firmenname in einem menschlichen Haar. Foto: Fotos: Zecha GmbH/Stefanie Morlok Fotografie
Wie klein die Werkzeuge des Preisträgers Zecha aus Königsbach-Stein sind, zeigt der eingravierte Firmenname in einem menschlichen Haar. Foto: Fotos: Zecha GmbH/Stefanie Morlok Fotografie

Um den Innovationspreis des Landes haben sich erneut mehr Firmen beworben. Die Preisträger kommen aus Königsbach-Stein, Spaichingen, Fellbach und Stuttgart.

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Stuttgart - Den Rudolf-Eberle-Preis konnten sich die Gewinner dieses Jahr wieder persönlich bei einem Festakt im Haus der Wirtschaft abholen. Und attraktiv bleibt der nach dem früheren Wirtschaftsminister benannte Innovationspreis des Landes offenbar: 110 Unternehmen gaben diesmal ihre Bewerbung ab, 31 mehr als noch im vergangenen Jahr. „Mehr denn je brauchen wir den Willen und den Mut der Menschen, um die Innovationskraft des Landes zu stärken und Investitionen in Zukunftstechnologien voranzutreiben“, sagte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut bei der Verleihung des mit 50 000 Euro dotierten Preises.

Winzlinge aus Hartmetall

Als Zukunftstechnologie würdigte die Jury die winzigen Präzisionswerkzeuge des Unternehmens Zecha aus Königsbach-Stein bei Pforzheim. „Unsere Miniaturwerkzeuge sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge oft nicht sieht“, sagt Erwin Zecha, einer der beiden Gesellschafter der 1964 von seinem Vater gegründeten Firma. Es erfordere eine große Geschicklichkeit, um die Hartmetallwerkzeuge in eine Maschine einzulegen, die dann damit Materialien wie Stahl, Aluminium oder Kunststoff bearbeitet. Anders als etwa eine Zange kann man die Winzlinge nicht einfach anpacken und sich an die Arbeit machen. „Von Hand geht da gar nichts“, erklärt Zecha.

Und er sagt noch etwas anderes: „Wir haben hier praktisch eine Schweizer Produktion auf deutschem Boden“, meint er mit einem Lächeln – die meisten seiner Maschinen kommen aus der Schweiz, diese ist auch der wichtigste Auslandsmarkt.

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Zusammen mit einem Werk in Schwäbisch Gmünd zählt der Winzlingshersteller 200 Mitarbeiter und setzt 25 Millionen Euro um. Der Exportanteil liegt bei 35 Prozent, die Kunden kommen aus der Medizintechnik, der Uhrenindustrie oder aus der Autobranche, bearbeitet werden mit den Werkzeugen etwa Stecker, Elektroden, Uhrwerke oder Implantate. In Indien gibt es zudem eine Minderheitsbeteiligung an der Zecha Precision Tools. Kontakt zu diesem Unternehmen gab es durch den Maschinenlieferanten aus der Eidgenossenschaft.

Die nächste Generation steht in den Startlöchern

„Für mich war immer klar, dass ich in das Unternehmen meines Vaters einsteigen würde“, berichtet Zecha. Da es schneller als vorgesehen passieren musste, wurde ein angestrebtes Studium durch eine abendliche Weiterbildung zum Meister und Betriebswirt ersetzt. „Inzwischen steht schon die nächste Generation in den Startlöchern“, sagt der Firmenchef. Sein Sohn studiert nach einer dualen Ausbildung im Unternehmen Internationales Management und Entrepreneurship, die Tochter des Mitgesellschafters Reiner Kirschner ist bereits im Bereich Forschung und Entwicklung tätig.

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Zecha kann also nicht nur optimistisch in die Zukunft blicken – das Unternehmen ist auch typisch für so manche Gründung im Südwesten. Der Vater arbeitete zunächst in der Pforzheimer Uhrenindustrie. Nebenbei fertigte er dann im eigenen Haus an einer Drehbank Uhrenteile – in der Kinderstube und in der Garage.

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Weitere Preisträger

Manner Sensortelemetrie
Das Unternehmen aus Spaichingen erhielt 15 000 Euro für den offenbar weltweit ersten schweißbaren und miniaturisierten Sensor. Dieser ist ein Metallplättchen im Briefmarkenformat, das auf einen Elektromotor oder ein Getriebe, etwa für ein Windrad, aufgeschweißt wird. So kann das Drehmoment erfasst werden. Daraus kann etwa geschlossen werden, ob bald eine Wartung nötig ist. Im 1991 von Ernst Manner gegründeten Unternehmen sind auch die Töchter Julia und Stephanie tätig. Der Umsatz liegt bei 23 Millionen Euro, beschäftigt werden 100 Mitarbeiter.

CDM Tech
 Die Firma aus Fellbach bekommt ebenfalls 15 000 Euro. Gewürdigt wurde eine Software für Augmented Reality, bei der mit Hilfe eines Tablets dreidimensionale Zeichnungen mit einem dreidimensionalen tatsächlichen Bauteil verglichen werden, um herauszufinden, ob alles stimmt. Die 1996 von Orhan Cicek gegründete Firma beschäftigt zehn Mitarbeiter. Der Umsatz soll im Jahr 2021 eine Million Euro erreichen.

Rotec
Das Stuttgarter Unternehmen erhielt den mit 7500 Euro dotierten Preis der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG). Gewürdigt wurde ein spezielles Prüfgerät für Seile, etwa an Seilbahnen. Nach seiner Tätigkeit an der Universität Stuttgart machte sich Sven Winter 2017 selbstständig. Mit neun Mitarbeitern wurde zuletzt ein Umsatz von 1,3 Millionen Euro erzielt.

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