Rudolf Steiner Auf den Spuren des Reformers

Von Markus Heffner 


Heute gibt es weltweit fast tausend Waldorfschulen, alleine in Deutschland sind aktuell 221 solcher Einrichtungen gemeldet. Die Landeshauptstadt zählt mit fünf Waldorfschulen zu den führenden Standorten in diesem Bereich, aber auch sonst ist Stuttgart nach wie vor ein Zentrum der Anthroposophie: In keiner anderen Region finden sich so viele und so vielfältige Einrichtungen, die nach Steiners Grundsätzen geführt werden. Das Panorama reicht dabei über Schulen, Kindergärten und diverse Ausbildungsstätten bis hin zu Kultureinrichtungen, wie dem Forum 3, Verlagen, Kliniken und sogar Banken. Und mit Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette DM, hat einer der bundesweit bedeutendsten Unternehmer mit anthroposophisch ausgerichtetem Führungskonzept seinen Lebensmittelpunkt in Stuttgart.

Zentrum der Bewegung ist seit jeher die Uhlandshöhe mit der Schule, dem Eurythmeum sowie den Lehrer- und Jugendseminaren. Seit 1957 steht dort auch das Rudolf-Steiner-Haus, Sitz der Anthroposophischen Gesellschaft Stuttgart und gleichzeitig auch Deutschlandzentrale. Rund 1300 Mitglieder hat der Stuttgarter Verein, bundesweit sind es etwa 16.000. Einmal im Jahr wird hier ein Bildungskongress mit bis zu 600 Teilnehmern veranstaltet, zu dem Menschen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland kommen, so die Geschäftsführerin Susanne Lin. Dazu werden Kurse, Seminare, Vortragsreihen und kulturelle Veranstaltungen angeboten.

Die Samen für seine Lehre hat Steiner in Stuttgart gelegt


Doch auch abseits der Uhlandshöhe finden sich noch heute geschichtsträchtige Gebäude, die für jene Gründerjahre stehen. Das Haus in der Landhausstraße etwa, in dem Steiner lebte und polizeilich gemeldet war. Das Wohnhaus von Emil Molt, nach dem eine Staffel zur Uhlandshöhe benannt ist, die alte Unger-Fabrik in der Senefelderstraße und auch die 1929 während der Weltwirtschaftskrise stillgelegte Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria in der Hackstraße. Diese Zeit, Steiners Stuttgarter Jahre, sei ein wichtiges Kapitel in der Stadtgeschichte, das noch weiter aufgearbeitet werden müsse, sagt der Historiker Harald Schukraft: "Das Dickicht muss noch gelichtet werden." Auch dazu sollen die Veranstaltungen im Steiner-Jahr beitragen, in Stuttgart und vielen weiteren Städten weltweit, von Manila über Prag und Wien bis São Paulo. Fast überall hätten sich Steiners Lehren verbreitet, sagt Andreas Neider: "Die Samen dazu hat er in Stuttgart gelegt."

Das Kunstmuseum zeigt von Samstag, 5. Februar, bis zum 22. Mai die Themenausstellung "Kosmos Rudolf Steiner". Im Rudolf-Steiner-Haus wird vom 13. Februar bis 11. Mai eine historische Dokumentation von Steiners Stuttgarter Jahren ausgestellt. Mitte dieser Woche kommt das Buch "Rudolf Steiner in Stuttgart" in den Handel, Belser Verlag, 168 Seiten, 19,95 Euro.

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