Rekordmeister in der Liga: der TV Echterdingen. Im Bild das Meisterteam von 1984. Foto: Archiv Filder-Zeitung/Archiv
Ein Rückblick auf 46 Jahre Fußball-Bezirksliga Stuttgart, für die mit der Reform der Bezirke nun Schluss ist. Wer steht wo in der ewigen Tabelle? Wer war am häufigsten Meister? Wie hießen die Trainer? Wir haben die Antworten.
Die Rekordmeister Der eine spielt schon seit 22 Jahren nicht mehr in dieser Liga. Und auch beim anderen muss man schon zu einer der reiferen Generationen gehören, um sich überhaupt noch daran zu erinnern, dass er mal das Spitzenteam schlechthin auf der Stuttgarter Bezirksebene war. Die Rede ist vom TV Echterdingen und TSV Rohr – ja, diese beiden Vereine führen das Titelranking an. Fünfmal ging der Meisterwimpel an Gelb-Schwarz, viermal an Grün-Weiß. Verteilt über die 1980er- und 1990er-Jahre lieferten sich die beiden Kontrahenten mehrere heiße Meisterschaftsduelle.
Am Ende ganz oben standen die Echterdinger in den Jahren 1984, 1989, 1995, 1999 und 2002, ein jedes Mal mit einem anderen Trainer. Die Aufstiegscoaches hießen Hein Schröder, Thomas Albeck, Erich Schmeil, Heinz-Jürgen Voise und Robert Stadtmüller. Die Rohrer ihrerseits, seinerzeit noch mit dem Kneipier Heinz Leonhard als Macher und Geldgeber im Hintergrund, feierten 1982, 1988, 1991 und 1994. Bei ihnen waren zweimal Johann Stimmler sowie Klaus Schipke und Holger Nita jeweils an der Seitenlinie engagiert. Doch währte das Rohrer Landesliga-Glück ein jedes Mal nur kurz. Die Kicker von der Dürrlewangstraße wurden zum Fahrstuhlverein. Hoch, runter. Hoch, runter. Und das Ganze wieder von vorn.
Die ewige Tabelle Foto: StZN
Die Rekordabsteiger Der 1. FC Nürnberg der Stuttgarter Bezirksliga heißt SV Sillenbuch, auch wenn die Bilanz der Spitalwaldkicker nicht ganz an jene des ungewollten fränkischen Bundesliga-Vorbilds heranreicht. Neunmal musste der „Club“ bereits als dortiger Absteiger den Weg nach unten antreten, siebenmal hat es die Sillenbucher in ihrer Spielklasse erwischt, zuletzt ganz aktuell in dieser Saison. Die Liste der eigenen Tristesse-Jahre: 1986, 1991, 2004, 2011, 2017, 2022 und nun eben auch 2024.
Auf fünf Abstiege kommen die Leidensgenossen des TB Untertürkheim. Und für sechs Vereine führte der Weg viermal in die Kreisliga A: Spvgg Stuttgart-Ost, TSV Leinfelden, Sportfreunde Stuttgart, TSV Mühlhausen, TSV Münster und Spvgg Möhringen. Die Meistertrainer Zwei Trainer haben jeweils drei Bezirksliga-Meistertitel in ihrer persönlichen Erfolgsbilanz stehen – der eine inzwischen längst im fußballerischen Ruhestand, der andere nach wie vor mittendrin im Geschäft. Manfred „Männe“ Weidmann, einstiger VfB-Bundesliga-Abwehrrecke, führte erst die Spvgg Stuttgart-Ost in die Landesliga (1987) – ehe er das Kunststück mit den Außenseitern SG Untertürkheim (1993) und SV Gablenberg (1997) wiederholte. Klaus Kämmerer machte dagegen erstmals Schlagzeilen, indem er den TSV Georgii Allianz anno 2003 zum Überraschungstitel coachte. An der Heßbrühlstraße war dies damals der Karriereanschub für eine goldene Generation um die Lapeschi-Brüder oder einen Julian Schwarz. Für Kämmerer selbst folgten in der Staffel später weitere erste Abschlussplätze mit dem SV Vaihingen (2011) und dem SV Bonlanden (2018).
Die Meister und die Meistertrainer Foto: StZN
Die Dauerbrenner Preisfrage: Welcher Verein war in der Liga die meisten Jahre dabei? Na, wer unter den Experten weiß es? Die richtige Antwort lautet: SG Untertürkheim. Als ursprüngliches Premierenmitglied haben die Neckarstädter 37 von 46 möglichen Spielzeiten in der Staffel absolviert. Sie gehörten also zum Inventar. Nur dreimal nahmen sie zwischendurch Abschied: 1993 nach dem überraschenden Aufstieg in die Landesliga sowie mit zwei Abstiegen in den Jahren 2011 und 2015.
In der ewigen Tabelle der Liga (siehe rechts) führt indes ein anderer: Der TSV Plattenhardt hat die mit Abstand meisten Punkte aller je in der Staffel beteiligten Teams gesammelt. Der Zähler steht bei 1701. Nächstplatzierte sind die Untertürkheimer (1428) sowie der SV Gablenberg (1292). Die One-Hit-Wunder Insgesamt haben in der Liga seit deren Gründungsjahr 1978 üppige 73 verschiedene Teilnehmer gespielt. Für acht von ihnen wurde es ein nur einjähriges Kurzzeit-Abenteuer. Am meisten Lehrgeld zahlten zwei Teams, die es heute im Spielbetrieb gar nicht mehr gibt: Der SKV Freiberg/Mönchfeld (1990/91) und der CSV Stuttgart (2002/03) schrammten nur knapp am „Salto nullo“ vorbei. Am Ende hatten beide immerhin je einen Saisonsieg auf dem Konto.
Der in Cannstatt ansässige CSV weckte derweil auch noch aus einem anderen Grund das Interesse. CSV gleich Christlicher Sport-Verein – und trainiert wurde jener von einem ehemaligen Bundesliga-Kicker. Oliver Pagé, zuvor unter anderem für Bayer Leverkusen und Dynamo Dresden am Ball, wartete mit einem allemal ungewöhnlichen Karriereweg auf. Nach seiner Profikarriere hatte er zum Pastor umgeschult. Warum er und die Seinen es in Anbetracht ihres letzten Tabellenplatzes nicht mal mit himmlischem Beistand versuchten? Pagé nahm sämtliche Neckereien dieser Art schmunzelnd in Kauf. Große Namen Pagé kam aus dem Profibereich, für andere führte die Laufbahn mit Ausgangspunkt Stuttgarter Bezirksliga umgekehrt dorthin. Das Duo mit der schließlich steilsten Karriere entstammte der Schule desselben Vereins, nämlich jener des oben bereits erwähnten TSV Georgii Allianz: Für Alexander Blessin und David Monteiro, damals noch unter dem Nachnamen Petracca, ging es über Zwischenstationen bis in die Bundesliga hinauf, zum VfB Stuttgart beziehungsweise Eintracht Frankfurt. Mehr noch: Blessin gilt heute als international beachteter Senkrechtstarter der Trainerbranche. Aktuell steht er beim belgischen Vizemeister Union St. Gilloise unter Vertrag. Die meisten Tore 17 Mannschaften ist es gelungen, während einer Saison die 100-Tore-Schallmauer zu durchbrechen. Ligarekord sind die 127 Treffer des MTV Stuttgart aus der Meistersaison 2022/ 2023. Nur knapp weniger netzten NAFI Stuttgart (126 Tore, 2015/2016) und die SG Untertürkheim (123 Tore, 2008/2009) ein – ein jeweiliger Ballermann-Rausch, der in ihren Fällen jedoch jeweils nur zu Platz zwei reichte.
In der individuellen Schützenliste ragt unterdessen ein Mann weit heraus: Raphael Hahns 318 Ligatore sind, auf Bezirksebene heruntergebrochen, Gerd-Müller- und Lewandowski-Sphären. Fünfmal gewann der aktuelle Kapitän des MTV Stuttgart somit die Torschützenkanone unserer Zeitung – auch das einsame Spitze. Verschmerzen können wird er es dabei, dass ihn in einem Nebenranking ein Mitstreiter knapp übertroffen hat: Bei den meisten Toren innerhalb einer Saison liegt nicht Hahn vorn, sondern der damalige NAFI-Topscorer Adnan Akcan. Im Spieljahr 2015/16 schlug er 46-mal zu. Die meisten Gegentore In der Filmbranche gibt es als Negativpreis die „goldene Himbeere“. Und im Fußball? Da werden der OFK Beograd Stuttgart und Omonia GFV Vaihingen jeweils vor allem eine Saison in zappendusterer Erinnerung behalten. Im einen Fall 193 Gegentore, im anderen 189 – 2011/2012 beziehungsweise 2008/2009 wurden die beiden zu den größten Schießbuden der Ligageschichte. Die Vaihinger Griechen, im Jahr zuvor noch Landesligist, stiegen damit gleich ein weiteres Mal sang- und klanglos ab.
Für Beograd indes kam in der eigenen Katastrophensaison noch ein zweiter bitterer Rekord hinzu: Sein Spiel in Plattenhardt verlor ein von Auflösungserscheinungen geplagter Gast damals mit sage und schreibe 1:20. Es ist das mit Abstand höchste Ergebnis der Stuttgarter Bezirksliga-Historie. Durchmarsch nach oben Umgekehrt zu Omonia gelang es zwei Mannschaften, auf den Spuren des 1. FC Kaiserslautern zu wandeln. Sprich: als Aufsteiger gleich erneut Meister zu werden. Der TSV Rohr (1981/ 1982) sowie der SV Hoffeld (2009/2010) nutzten die Bezirksliga als nur einjährige Zwischenstation auf ihrem Durchmarsch in die Landesliga. Hoffelder Trainercoup: Fürs letzte Saisondrittel zauberte der Verein den vorherigen Kickers-Coach Stefan Minkwitz als neuen Kommandogeber aus dem Hut. Die längste Traineramtszeit 21 (!) Spielzeiten waren es beim ASV Botnang, davon achtzehneinhalb in der Bezirksliga, und später kamen für ihn dann noch fünf Jahre bei der Spvgg Möhringen hinzu – damit ist Jörg Elser der Trainer-Dinosaurier der Staffel, quasi der Otto Rehhagel der hiesigen Amateurfußballszene. Mit dem Underdog Botnang schaffte er es viermal zur Vizemeisterschaft. Die beste Mannschaft Gemessen an der Punkteausbeute ist es der SV Vaihingen, der 2011 auf 84 Zähler kam. Ansonsten unterliegt eine solche Einschätzung natürlich einer gewissen Subjektivität. Karl-Josef Deutelmoser, langjähriger Spielleiter des Bezirks und Kenner der Liga, sieht es so: „Für mich eindeutig NAFI Stuttgart.“ Jenes Team, das mit seinen Zauberfüßen Bosnjak, Capar und Co. spielerische Maßstäbe setzte – und dessen Verein dann aber nur zwei Landesliga-Jahre später kollabierte. Finanzielle Streitigkeiten, internes Theater. Alles aus. Seit ihrer Abmeldung 2019 nehmen die Türken nicht mehr am Spielbetrieb teil.
Für sie war also schon vor Längerem Schluss - für die Stuttgarter Bezirksliga ist es jetzt so weit. Nächsten Montag, 1. Juli, beginnt eine neue Zeitrechnung, dann mit Jahr eins im neuen Bezirk Stuttgart/Böblingen.