1102 Tore fielen in der nun abgelaufenen Saison der Kreisliga A, Staffel 1. Das bedeutet 5,2 Treffer pro Spiel – ganz schön unterhaltsam. Am meisten jubelten die Fans des Meisters Croatia Stuttgart. Satte 186 mal in 28 Spielen traf das Team um Spielertrainer Damir Bosnjak ins Schwarze. Vielerorts lief die Runde 2023/24 alles andere als gewünscht, was unsere Saisonbilanz unter anderem aufzeigt.
Croatia Stuttgart. In 28 Saisonspielen ist der Bezirksliga-Absteiger 27-mal als Sieger vom Platz gegangen, einmal mit einem Remis (2:2 in Botnang), nie aber als Verlierer. Es war die pure Dominanz, vor der viele Gegner schon vor Anpfiff ehrfürchtig waren. 18:0, 15:0, 14:0, 13:0 – die Kroaten, die von vornherein als Favorit gegolten hatten, hatten wahre Festtage. Einen gewichtigen Beitrag leisteten dabei die Bosnjak-Brüder Damir und Daniel, die neu zum Team gestoßen waren. Mit vielen „Zockern“ zelebrierte Croatia einen ansehnlichen Spielstil, der zu insgesamt 186 Treffern führte. Allein das Duo David Vukovic und Duje Tokic netzte zusammen 75-mal ein. Lediglich der ASV Botnang konnte teils noch mithalten, drei Spieltage vor Schluss war der Spitzenreiter dann aber auch rechnerisch nicht mehr einzuholen.
Das Problem: In der Bezirksliga muss Croatia, fortan mit sportlicher Heimat am Frauenkopf, nun ohne die Bosnjaks auskommen. Der Spielertrainer Damir schafft es wegen seiner Tätigkeit als Jugendcoach in Freiberg zeitlich nicht mehr. Er sucht einen neuen Club, der für ihn örtlich günstiger liegen soll. Und sein Bruder wird ihm folgen.
ASV Botnang. Während in der Bundesliga Bayer Leverkusen den unrühmlichen Ruf als ewiger Zweiter abgelegt hat, festigt der ASV Botnang diesen. Zum dritten Mal hintereinander ist die Mannschaft von Trainer Alexander Schweizer Vizemeister geworden. Bisher gab es damit immerhin noch die Chance „Aufstiegsspiele“. Wegen der Bezirksreform sind jene heuer jedoch ausgesetzt. Bitter zudem: In der vergangenen Saison hätten die eigenen 69 Zähler sogar zum Titelgewinn gereicht. In der aktuellen Runde war damit aber nichts auszurichten gegen das Überfliegerteam von Croatia. Auch wenn die Botnanger ihrem Kontrahenten mit einem 2:2 den einzigen Punkteverlust zufügten.
„Das war eine unfassbare Saison, ich kann nichts Negatives sagen“, sagt Schweizer und fügt an: „Es ist verdammt ärgerlich, dass Croatia nicht früher zum Frauenkopf umgezogen ist, dann hätten sie die andere Staffel dominiert.“ So will der Coach mit den Seinen in der kommenden Runde einen neuen Anlauf nehmen. Bester Saisontorschütze war sein Bruder Daniel mit 18 Toren.
PSV Stuttgart. Wie Botnang landeten auch die „Polizisten“ zum dritten Mal in Serie auf dem gleichen Tabellenplatz, waren als Dritter aber nie wirklich in der Verlosung um den Aufstieg, anders als in den Vorjahren. Während sich bei den Spielern wie schon so oft gute und schlechte Auftritte abwechselten, gelang der personelle Wechsel auf der Trainerposition reibungslos. „Es hat Spaß gemacht, und alles in allem war es eine gute Rückrunde“, sagt Nikolai Pozorski, der von der zweiten Frauen-Mannschaft des VfB Stuttgart kam und im Januar Damian Nagler ablöste. Letzterer ging zum Landesligisten TV Pflugfelden, wo er seinen Posten inzwischen aber wieder räumen musste.
In Benjamin Nimigean (26 Saisontore) und Dennis Klose (19) hatte der PSV Stuttgart zwei der treffsichersten Spieler in seinen Reihen. Kurios war ein eigenhändiger Spielabbruch gegen Untertürkheim. Nachdem beide Torhüter kurz hintereinander Gelb-Rot gesehen hatten, holte Pozorski seine Mannen vom Rasen. „Das war ein Schutz vor weiteren Eskalationen“, sagte er damals.
TV 89 Zuffenhausen. „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, skandiert Balu, der Bär, im Dschungelbuch. Ähnlich sah es die Saison über auch Yavuz Tepegöz, der Zuffenhausener Trainer. Als Nachfolger von Marc Wegner verzichtete er auf die Ausgabe eines tabellarischen Ziels. „Einfach Spaß haben, gemeinsam Kicken und das Kreisliga-Leben leben“ – so lautete seine Devise sinngemäß. Was den Coach allerdings immer wieder schlauchte, waren private Termine seiner spielenden Belegschaft. Der Leistungsträger Daniel Spiegelhalter fehlte beispielsweise drei Monate wegen einer Weltreise, von der Tepegöz erst kurzfristig erfuhr. „Das habe ich persönlich nie gemacht“, hadert er, freut sich zugleich aber: „Die Jungs haben meine Spielidee und -philosophie aufgenommen.“
Aufgrund der häufigen Personalnöte wünscht Tepegöz sich künftig einen breiteren Kader, zumal die Zuffenhausener Zweitvertretung nach dem Aufstieg in dieselbe Liga vermehrt zeitgleich agieren wird und nicht mehr mit Ersatzspielern aushelfen kann. Ob es dann wieder „gemütlich“ wird?
TB Untertürkheim. Der Saisonbeginn verlief schleppend für die Untertürkheimer. Zwischenzeitlich standen sie auf dem drittletzten Tabellenplatz. „Wir waren nie richtig im Abstiegskampf, aber auch nicht so weit weg davon“, sagt der Trainer Ivo Ilijasevic, der sich darüber freut, dass sein Team im Endspurt dann nicht mehr bangen musste. Zuletzt waren es sieben Partien ohne Niederlage. „Wir haben in Anbetracht der geringen Größe des Kaders und mit den vielen Verletzungen das Bestmögliche rausgeholt“, resümiert Ilijasevic, der erst im Winter vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen ist. Matthias Summer hatte überraschend aus privaten Gründen aufgehört.
Der Schreckmoment: Anfang März knallten der Stürmer Sandro Vukic und der Sportfreunde-Torhüter Christopher Schady im Luftzweikampf mit den Köpfen gegeneinander – beide blieben bewusstlos am Boden liegen, jedoch ohne schwerwiegende Folgen.
SSV Zuffenhausen. Groß waren die internen Erwartungen. Neuer Trainer, einige Neuverpflichtungen: Auch wenn es beim SSV Zuffenhausen selbst nie jemand offen aussprach, die Nord-Stuttgarter gehörten beim Start zu den Titelkandidaten. Ein Projekt schien seinen Anfang gefunden zu haben, doch nun ist all die Euphorie längst verpufft.
Ein Platz im Niemandsland der Tabelle, fast die komplette Rückrunde ohne gelernten Torhüter gespielt – und der vermeintliche Heilsbringer auf dem Trainerposten, Armend Mehmeti, macht nach einer Saison schon wieder Schluss und schließt sich lieber dem Ligarivalen Mühlhausen an. Den Anfang vom Ende sah Mehmeti in der Trennung des Vereins vom Abteilungsleiter Aleksandar Tosic noch vor Rundenbeginn. Sein Nachfolger steht indes bereits fest: Erhan Atici, der vor einem Jahr als Interimscoach den SC Stammheim zum Bezirkspokalsieg geführt hat, steigt ein.
OFK Beograd Stuttgart. In der Hinrunde hat der Bezirksliga-Absteiger ordentlich Lehrgeld zahlen müssen, und zwar für eine nicht vorhandene Saisonvorbereitung. Immer wieder fehlte den Spielern in wichtigen Momenten die Kondition, weshalb gar der Absturz in die Kreisliga B drohte. In der Winterpause übernahm Bojan Nikolic dann als Spielertrainer das Amt von Milos Pojic, der zum Bezirksligisten SGM ABV/TSV 07 Stuttgart wechselte. Der neue Coach machte seine Schützlinge fit und ging auf dem Platz selbst voran. Aus den ersten vier Spielen unter Nikolic holte das Team zehn Punkte.
„Wir haben die Mannschaft nach dem Abstieg stabilisiert und den Klassenverbleib früh genug in trockene Tücher gebracht“, sagt der Spielleiter Aleksandar Rogic – ehe gegen Ende der Saison eine weitere Durststrecke folgte. Einer der Gründe: Personalmangel. Unter dem Strich steht Rang sieben. Weder top noch hopp. Mittelmaß.
TV Zazenhausen. Über einen möglichen Abstieg wollten sie in Zazenhausen nie wirklich sprechen, retteten sich dann drei Spieltage vor dem Schluss endgültig. „Im Großen und Ganzen kann man zufrieden sein“, sagt der Trainer Armando Traini. Das vorherrschende Thema war indes die dauerhafte Personalnot. Immer wieder mussten Spieler aus der zweiten Mannschaft in die Bresche springen, was Trainis Vorgänger Emrah Uyar zum Verhängnis wurde. Der Verein sah in ihm den Grund für zu viele Spielabsagen der Reserve, weshalb Traini, zuvor Trainer der zweiten Mannschaft, aufstieg.
Unter ihm blieb die Kadersituation angespannt, aber es kam Ruhe ins Umfeld. Am Ende eine solide Saison, einzig hadert Traini: „Wir haben zu viel unentschieden gespielt.“ Nun ist abzuwarten, ob Routiniers wie der Torjäger Lucas Berger (22 Treffer) oder die Poschner-Zwillinge Daniel und Dennis weitermachen oder ihre Karriere beenden.
SG Stuttgart-West. Wie Zazenhausen musste auch der Aufsteiger bis zum drittletzten Spieltag warten, um den Klassenverbleib zu feiern – diese Party fiel dann aber groß aus. Die Mannschaft der beiden Spielertrainer Benedikt Goos und Senai Tasfaldet hatte zwar Leistungsschwankungen, zeigte aber immer wieder, was in ihr steckt, vor allem in den direkten Kellerduellen. „Wir können mithalten, wenn wir wollen“, analysiert Goos. „Wenn wir als Team auftreten, sind wir schwer zu schlagen.“ Auch wegen dieser Erkenntnis ist er positiv gestimmt, dass die Seinen in der für sie neuen Liga vollends angekommen sind.
Während der letztjährige B-Liga-Ballermann Nico Müller (in der Aufstiegssaison 39 Tore) aktuell nur auf zehn Treffer kam, avancierte der Neuzugang Niclas Klausmann mit 14 Toren zum Goalgetter. Ein Glücksgriff für die SG West. Der Angreifer war erst im vergangenen Sommer nach Stuttgart gezogen.
TSV Uhlbach. Die Ziele beim Bezirksliga-Absteiger und Meister dieser Staffel von 2022 waren definitiv andere, doch sie wurden schnell korrigiert. Fast die komplette Runde über hingen die Uhlbacher im Abstiegskampf fest, umso erlösender war die Rettung drei Spieltage vor dem Saisonende. Doch kein Absturz in die Kreisliga B für die Mannschaft des erst 25-jährigen Tim Wagner, der im Sommer als Spielertrainer übernommen hatte, aber in der Hinrunde wegen eines Kreuzbandrisses noch ausfiel. Seit dem Winter überzeugte der Flügelflitzer mit sieben Toren in elf Spielen.
Als Team haben die Uhlbacher indes noch Luft nach oben. „Ab Juli gilt es, daran zu arbeiten, dass wir konstanter werden“, sagt Wagner. Es steht ein Umbruch an. Sechs Spieler hören mit dem Fußballspielen auf. Einige A-Jugendliche, die zuletzt bereits bei den Aktiven schnuppern durften, sollen mehr Einsatzzeiten bekommen.
Sportfreunde Stuttgart. Startschwierigkeiten, sich dann gefangen, und am Ende war die Luft raus. So ist Fabio Criscuolos erste Saison als Sportfreunde-Trainer schnell beschrieben. Zu Beginn musste sich das Team, das sich im personellen Umbruch befand, erst einmal finden. Rund um die Winterpause holte Criscuolos Elf dann jedoch genügend Punkte, um nie wirklich etwas mit dem Abstieg zu tun zu haben.
Die Waldau-Kicker landeten gleichwohl nur zwei Plätze vor den Abstiegsrängen. „Letztlich waren es die vielen Ausfälle, durch die wir weder im Training noch an den Spieltagen Konstanz hatten. Dann ist das das Resultat“, hadert der Coach. „Es war eine durchwachsene Saison, die von Höhen und Tiefen geprägt war. Das ist nicht zufriedenstellend, wenn man das Potenzial in der Mannschaft sieht.“ Deren Kern soll beisammen bleiben, auch Criscuolo bleibt an Bord.
TSV Mühlhausen. Das hoch gesteckte Ziel, unter die besten Fünf zu kommen, schien zu Beginn der Saison durchaus möglich. Die Mühlhausener starteten gut, und der Spielertrainer Patrick Kessler setzte vermehrt auf spielerische Ansätze. Doch dann kam der Negativtrend. Und der führte schlussendlich dazu, dass Kessler, der schon in der Jugend für den Verein spielte, am 27. Spieltag seine Zelte abbauen musste. „Wir wollten noch einmal neue Impulse setzen“, sagte der Abteilungsleiter Daniel Schmalzriedt.
Und es zahlte sich aus: Zwei Wochen später sicherte sich der TSV Mühlhausen den Klassenverbleib. Wenigstens ein kleines Happy End. „Eine anstrengende Saison, weit weg von unseren Erwartungen“, resümiert Schmalzriedt, der in Armend Mehmeti (bisher SSV Zuffenhausen) für die neue Runde einen Trainer verpflichtet hat, der die Staffel bereits bestens kennt.
TSV Weilimdorf II. Ein Jahr nach dem Aufstieg müssen die Weilimdorfer auch schon wieder zurück in die Kreisliga B. Abgestiegen sind sie am vorletzten und eigenen spielfreien Saisonwochenende, doch schon zuvor hatte sich eine zweifelhafte Entwicklung gezeigt. Tiefpunkt: eine 0:18-Schlappe gegen den Spitzenreiter Croatia. Auch der eigentliche Jugendleiter Danny Blodgett konnte das Ruder nicht mehr herumreißen, nachdem Ali Yilmaz im März hatte gehen müssen. „Es ist leichter, den Trainer auszuwechseln als 15 Spieler“, begründete der Abteilungsleiter Tobias Nötzold. Doch oft waren es nicht einmal diese 15 Spieler im Kader.
Der Spielleiter Michael Bachmann vermisste zudem Unterstützung aus dem Landesliga-Team, dessen Youngster nicht Kreisliga spielen wollten. Nun steht eine erneute Trainersuche an. Blodgett wird der Job zu viel, bleibt er doch weiterhin Jugendleiter und coacht auch noch die B- und C-Jugend.
FSV Waldebene Ost II. Das Abenteuer Kreisliga A ist für das U-23-Team des jungen Vereins nach zwei Jahren beendet. Rettete sich die Mannschaft in der Vorsaison in der Relegation vor dem Abstieg, wahrte sie diesmal ebenfalls lange noch die Chance auf den Klassenverbleib. Der stellvertretende Abteilungsleiter Sven Willing hatte die Hoffnung, dass so wenige Punkte wie lange nicht mehr reichen könnten. Zuletzt die Gewissheit: 20 Zähler waren dann doch nicht genug. Gegen die Spitzenteams zeigten die Waldebene-Kicker immer wieder gute und mutige Auftritte, doch vor allem in entscheidenden Spielen hatten sie zu wenige Argumente für sich.
Für den Verein sei der Abstieg „kein Drama“, sagt Willing. „Wir haben zwei Jahre viel geblutet, aber die Jungs haben viel gelernt.“ In der untersten Spielklasse soll nun der Weg einer jungen Truppe samt Trainer Rene Seidel fortgeführt werden, dann jedoch mit vermutlich mehr Erfolgserlebnissen.
SV Grün-Weiß Sommerrain.Erst im 15. Anlauf konnte der Verein seinen ersten Saisonsieg feiern, bis dato hatte das Team allerdings bereits drei Trainer verschlissen. Nach sechs Spieltagen musste Marijan Rumenovic gehen, es übernahm der Jugendleiter Andreas Klein. Der im Winter installierte Sven Grunwald blieb ebenfalls ohne Erfolg. Unter Enrico Mosca als spielender Interimstrainer waren es dann am Ende vier Siege. Seit dem fünften Spieltag blieben die Sommerrainer stets das Schlusslicht der Staffel. „Wir sind froh, dass diese Horrorsaison vorbei ist“, sagte Mosca nach der abschließenden Partie. In der Kreisliga B wird die Mannschaft vom bisherigen Coach der Zweitvertretung, Matthias Nützler, trainiert werden. Ein externer Mitstreiter soll noch dazukommen.