„Rückführungspatenschaften“ und „Corona-Diktatur“ So reagiert Twitter auf die Unwörter des Jahres

„Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“ sind die „Unwörtern des Jahres“ 2020. Foto: dpa/Arne Dedert
„Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“ sind die „Unwörtern des Jahres“ 2020. Foto: dpa/Arne Dedert

Mit „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“ sind dieses Mal gleich zwei Begriffe zu den Unwörtern des Jahres 2020 gekürt worden. So fallen die Reaktionen bei Twitter aus.

Stuttgart - 2020 war coronabedingt alles andere als ein gewöhnliches Jahr. Auch deshalb hat die Jury aus Sprachwissenschaftlern und Publizisten gleich zwei Begriffe zu den „Unwörtern des Jahres“ gekürt. Der Negativtitel ging an „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“.

Mit „Rückführungspatenschaften“ (41 Mal vorgeschlagen) sei im September 2020 von der EU-Kommission ein neuer Mechanismus der Migrationspolitik bezeichnet, worden, erläuterte die Jury. Die EU-Staaten, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, sollten ihrer „Solidarität“ mit den anderen Mitgliedern der EU dadurch gerecht werden, dass sie die Verantwortung für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber übernehmen. Dies als „Rückführungspatenschaften“ zu bezeichnen, sei „zynisch und beschönigend“, kritisierte die Jury. In der Zusammensetzung mit dem ebenfalls beschönigend für „Abschiebung“ gebrauchten Wort „Rückführung“ werde suggeriert, „dass Abschieben eine gute menschliche Tat“ sei.

Wort von „Querdenker“-Bewegung benutzt

Das Wort „Corona-Diktatur“ wurde 21 Mal vorgeschlagen. Es werde seit Beginn des öffentlichen Diskurses um den politischen Umgang mit der Pandemie von der selbst ernannten „Querdenker“-Bewegung und vor allem von deren rechtsextremen Propagandisten gebraucht. Damit sollen regierungspolitische Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie diskreditiert werden. Dass der Ausdruck auf Demonstrationen verwendet werde, die – anders als in autoritären Systemen – ausdrücklich erlaubt seien, stelle schon in sich einen Widerspruch dar, so die Jury. Zudem verharmlose der Ausdruck tatsächliche Diktaturen und verhöhne die Menschen, die sich dort gegen die Diktatoren auflehnten.

Die öffentlichen Reaktionen zu den „Unwörtern des Jahres“ fielen unterschiedlich aus. Diese Nutzer auf Twitter versuchen eine Erklärung dafür zu finden, dass es 2020 gleich zwei „Unwörter des Jahres“ gab.

Klar ist: Positiv ist dieser Umstand in jedem Fall nicht.

Auch dieser Nutzer zeigte sich von der Wahl der Jury überzeugt.

Der Begriff „Rückführungspatenschaften“ scheint nicht jedem geläufig zu sein.

Einige kritisieren bei Twitter, dass der Begriff 2020 kaum genutzt wurde.

Diese Nutzerin kann sich eine Spitze in Richtung Querdenker nicht verkneifen.

Durch viele Wortneuschöpfungen im vergangenen Jahr hat wohl jeder sein persönliches Unwort.

Bereits Ende November hatte die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden „Corona-Pandemie“ zum „Wort des Jahres“ gekürt.




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