Flüchtlinge in Stuttgart Großteil der Balkanflüchtlinge ist wieder daheim

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Asylsuchende aus den Westbalkanstaaten war ein zentraler Streitpunkt in der zurückliegenden Flüchtlingsdebatte. Inzwischen sind viele der Menschen, die keine Chance auf eine Anerkennung hatten, wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.

Vom Fernbusbahnhof aus geht es für viele Balkanflüchtlinge zurück in die Heimat. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Vom Fernbusbahnhof aus geht es für viele Balkanflüchtlinge zurück in die Heimat. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Stuttgart - Zwei Jahre nach dem Beginn des starken Flüchtlingszuzugs ist der größte Teil der Menschen vom Westbalkan, die unter den Asylbewerbern waren, freiwillig in seine Heimat zurückgekehrt. Gegenwärtig leben laut Stadt noch rund 390 Personen aus diesen Ländern in Unterkünften, 1065 haben Stuttgart wieder verlassen.

Es ist ein zentraler Streitpunkt der damaligen Flüchtlingsdebatte gewesen, dass unter den Asylsuchenden, die nach Deutschland kamen, viele Menschen aus Albanien, Mazedonien, Serbien, Bosnien und dem Kosovo waren. Schnell stellte sich heraus, dass diese so gut wie keine Chance auf Anerkennung haben. Im Oktober 2015 wurden diese Länder zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt. Daraufhin stockte der Gemeinderat – in städtischen Unterkünften lebten etwa 1500 Personen aus dieser Gruppe – die bestehende Rückkehrberatung um eine Stelle auf, damit die Rückreise speziell dieser Menschen forciert werden konnte.

Keine Reintegrationshilfen

Von den 1271 Personen, die seit dem Frühjahr 2015 Stuttgart wieder verlassen haben, waren 1065 aus den Westbalkanländern. „Der größte Teil ist zurückgegangen“, sagt Gert Lienig von der Arbeitsgemeinschaft für die eine Welt (AGDW), deren Mitarbeiter die Rückkehrberatung für die Stadt machen. Nach den Vorgaben erhalten die Menschen vom Westbalkan „keine Reintegrationshilfen“, so Lienig, sondern nur die Fahrkarte und eine „kleine Reisebeihilfe zur Verköstigung“ auf der langen Reise.

Dass rund 390 Personen noch in Stuttgarter Flüchtlingsunterkünften leben, habe in der Hauptsache damit zutun, dass die Asylverfahren der Betroffenen noch nicht abgeschlossen sind. Dies sei eine Folge der turbulenten Verhältnisse in der Hochzeit des Flüchtlingszustroms, als die Menschen häufig auf Unterkünfte verteilt, die Asylanträge aber erst deutlich später gestellt wurden.

Wer eine feste Arbeit hat, kann wiederkommen

Manchem fiel der Schritt zurück etwas leichter, als der Bund durch eine vier Jahre dauernde Ausnahmeregelung möglich machte, dass freiwillige Rückkehrer wiederkommen können, so sie hier eine Arbeit haben und für sich selbst aufkommen. Anders als davor musste es keine qualifizierte Tätigkeit sein. Vor allem einige junge Leute, die schon Deutsch konnten und gut integriert waren, hätten davon Gebrauch gemacht und seien jetzt als Azubis wieder hier, so Lienig.

Das Sonderprojekt der Stadt wird nur noch bis ins Frühjahr 2018 fortgesetzt. Bis dahin, schätzt Gert Lienig, wird ein Gutteil der verbliebenen Personen die Rückreise auf den Westbalkan angetreten haben. Die aus EU-Mitteln finanzierte Rückkehrberatung „Zweite Chance Heimat“ läuft weiter.

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